On the Town
EINLEITUNG
On the Town ist ein Musical von Leonard Bernstein mit Buch und Liedtexten von Betty Comden und Adolph Green nach einer Idee von Jerome Robbins. Im Mittelpunkt stehen drei Matrosen, die während des Zweiten Weltkriegs für genau 24 Stunden Landurlaub in New York bekommen. Was zunächst nach Sightseeing und einer Nacht voller Vergnügen klingt, entwickelt sich zu einer turbulenten Suche nach Liebe, Glück und dem richtigen Platz in der riesigen Stadt. Bernsteins jazzgeprägte Musik, Robbins’ tänzerische Konzeption und der schnelle, humorvolle Stil von Comden und Green machten On the Town zu einem wichtigen Musical der amerikanischen Musicalgeschichte.
ZUSAMMENFASSUNG
Die drei Matrosen Gabey, Chip und Ozzie kommen während des Zweiten Weltkriegs für 24 Stunden nach New York. Jeder hat andere Vorstellungen von seinem Landurlaub: Chip möchte möglichst viele Sehenswürdigkeiten sehen, Ozzie interessiert sich vor allem für Frauen und Gabey hofft auf eine echte romantische Begegnung.
In der U-Bahn entdeckt Gabey ein Plakat von Ivy Smith, der aktuellen „Miss Turnstiles“, und verliebt sich spontan in ihr Bild. Gemeinsam machen sich die drei auf die Suche nach ihr. Dabei trennen sich ihre Wege. Chip landet bei der selbstbewussten Taxifahrerin Hildy, während Ozzie die Anthropologin Claire de Loone kennenlernt. Gabey findet Ivy schließlich in der Carnegie Hall und verabredet sich mit ihr.
Doch Ivy arbeitet neben ihrem Studium als Tänzerin auf Coney Island und wird von ihrer Gesangslehrerin Madame Dilly daran gehindert, Gabey zu treffen. Während die drei Matrosen und ihre neuen Bekanntschaften durch New York ziehen, entstehen immer neue Verwicklungen. Schließlich führt die Suche nach Ivy alle nach Coney Island. Als die Uhr sechs schlägt, müssen Gabey, Chip und Ozzie zurück zu ihrem Schiff. Die kurze Begegnung mit New York und ihren neuen Partnerinnen endet mit einem Abschied, doch zugleich beginnt für die nächsten Matrosen ein neuer Tag in der Stadt.
HANDLUNG
! SPOILER !
24 Stunden in New York
Die Geschichte beginnt früh am Morgen im Juni 1944. Während Arbeiter auf dem Gelände des Marinehafens ihren Arbeitstag beginnen, warten drei Matrosen auf ihren Landurlaub. Gabey, Chip und Ozzie haben nur einen Tag Zeit, bevor sie zu ihrem Schiff zurückkehren müssen. Die drei könnten unterschiedlicher kaum sein: Chip hat seinen Aufenthalt sorgfältig geplant und möchte die Sehenswürdigkeiten New Yorks kennenlernen. Ozzie interessiert sich deutlich stärker für die Frauen der Stadt. Gabey dagegen sucht die große Liebe.
Schon während der Fahrt mit der U-Bahn fällt Gabey ein Plakat ins Auge. Darauf ist Ivy Smith, die aktuelle „Miss Turnstiles“, abgebildet. Für Gabey ist das Foto mehr als Werbung: Er glaubt, in Ivy genau die Frau gefunden zu haben, nach der er gesucht hat. Er nimmt das Plakat an sich und löst damit eine Verfolgungsjagd aus. Die drei Matrosen trennen sich und beginnen unabhängig voneinander mit ihren Abenteuern.
Chip, Ozzie und ihre Bekanntschaften
Chip landet schließlich bei der Taxifahrerin Hildy Esterhazy. Die selbstbewusste Hildy hat schnell entschieden, dass der attraktive Matrose ihr nicht nur als Fahrgast gefällt. Sie bringt ihn in ihre Wohnung und macht ihm mit „I Can Cook Too“ deutlich, dass sie ihre eigenen Vorstellungen davon hat, wie dieser Urlaub verlaufen soll.
Ozzie verschlägt es dagegen ins Naturkundemuseum. Dort begegnet er der Anthropologin Claire de Loone. Sie interessiert sich für ihn, weil er sie an ein von ihr untersuchtes „primitives“ Menschenbild erinnert. Aus der wissenschaftlichen Untersuchung entwickelt sich schnell gegenseitige Anziehung. Das Problem: Claire ist bereits mit Richter Pitkin W. Bridgework verlobt. Der Richter reagiert allerdings ungewöhnlich gelassen auf die Situation und scheint nahezu alles mit einem verständnisvollen „I Understand“ zu akzeptieren.
Gabey findet Ivy
Während seine Freunde bereits ihre Bekanntschaften machen, sucht Gabey weiter nach Ivy. Schließlich führt ihn seine Suche zur Carnegie Hall. Dort nimmt Ivy Gesangsunterricht bei Madame Maude P. Dilly. Die Wirklichkeit hinter dem glamourösen Plakat sieht allerdings anders aus: Ivy ist keine privilegierte junge Dame, sondern eine junge Frau, die sich ihre Ausbildung und ihre künstlerischen Ambitionen durch Auftritte auf Coney Island finanziert.
Gabey und Ivy begegnen sich und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Sie verabreden sich für den Abend. Für Gabey scheint sich sein romantischer Traum tatsächlich zu erfüllen. Ivy wird jedoch von Madame Dilly unter Druck gesetzt und muss arbeiten. Deshalb kann sie ihre Verabredung nicht einhalten.
Am Abend treffen sich die Matrosen und ihre Begleiterinnen in New York. Hildy und Claire versuchen sogar, Gabey mit einer Verkleidung über Ivys Ausbleiben hinwegzuhelfen. Doch Gabey lässt sich nicht täuschen. Er ist weiterhin überzeugt, dass nur Ivy die richtige Frau für ihn ist.
Die Nacht gehört New York
Die Gruppe zieht weiter durch das New Yorker Nachtleben. Nachtclubs, Musik, Tanz und die verschiedenen Bewohner der Stadt werden zu einem großen Kaleidoskop. Gabeys Stimmung kippt dagegen zunehmend. Während seine Freunde die Nacht genießen, hängt er weiter seinen Vorstellungen von Ivy nach.
Schließlich erfahren die Freunde, dass Ivy sich auf Coney Island befindet. Gabey macht sich sofort auf den Weg. Die anderen folgen ihm, während gleichzeitig immer mehr Figuren in die Verfolgung hineingezogen werden. Auch Pitkin, Lucy, Madame Dilly, Polizisten und weitere Beteiligte geraten in das immer chaotischere Geschehen.
Coney Island und der Abschied
Auf Coney Island entdeckt Gabey Ivy bei ihrer Arbeit. Die romantische Vorstellung, die er von ihr entwickelt hat, trifft nun auf die Realität ihres Lebens. Die Situation eskaliert, und Ivy wird festgenommen. Auch die übrigen Beteiligten geraten in die Auseinandersetzung.
Doch die Uhr läuft weiter. Für die drei Matrosen ist der Landurlaub fast vorbei. Während die Nacht endet, müssen Gabey, Chip und Ozzie zurück zu ihrem Schiff. Die drei Paare nehmen Abschied. Es bleibt offen, ob die neu entstandenen Beziehungen eine Zukunft haben werden – sicher ist nur, dass die 24 Stunden in New York ihr Leben verändert haben.
Mit dem Ende ihres Landurlaubs schließt sich zugleich der Kreis: Die drei Matrosen gehen zurück an Bord, während bereits die nächsten Matrosen in New York ankommen. Die Stadt bleibt und mit ihr die Aussicht auf neue Begegnungen, neue Abenteuer und neue Geschichten.
KREATIV-TEAM
Musik: Leonard Bernstein
Buch: Betty Comden und Adolph Green
Liedtexte: Betty Comden und Adolph Green
Grundidee: Jerome Robbins
Regie der Uraufführung: George Abbott
Choreografie der Uraufführung: Jerome Robbins
Bühnenbild: Oliver Smith
Kostüme: Alvin Colt
Lichtdesign: Sam Amdurs
Die Verbindung von Bernsteins Musik mit Robbins’ tänzerischer Konzeption war entscheidend für den Charakter des Musicals. On the Town entstand aus Robbins’ Ballett Fancy Free, das Bernstein 1944 komponiert hatte. Comden und Green entwickelten daraus gemeinsam mit Bernstein und Robbins die Bühnenhandlung für das Musical.
PREMIEREN
Die Uraufführung von On the Town fand am 28. Dezember 1944 im Adelphi Theatre am Broadway statt.
Die Produktion wurde von George Abbott inszeniert und von Jerome Robbins choreografiert.
Die erste Londoner Produktion folgte am 30. Mai 1963 im Prince of Wales Theatre.
Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 9. September 1977 am Pfalztheater Kaiserslautern statt, in einer deutschen Übersetzung von Rolf Merz und Gerhard Hagen.
In der Schweiz wurde das Musical 2006 erstmals am Theater Basel aufgeführt.
Die österreichische Bühnen-Erstaufführung fand 2025 an der Oper Graz statt.
DARSTELLER
In der Broadway-Uraufführung von 1944 gehörten John Battles als Gabey, Cris Alexander als Chip und Adolph Green als Ozzie zu den drei Matrosen. Sono Osato spielte Ivy Smith, Betty Comden Claire de Loone und Nancy Walker Hildy Esterhazy. Damit standen mit Comden und Green sogar zwei der Autoren selbst auf der Bühne.
Zu den bekannten späteren Darstellerinnen und Darstellern gehören unter anderem Bernadette Peters und Donna McKechnie aus der Broadway-Wiederaufnahme von 1971. Die Produktion von 1998 brachte unter anderem Lea DeLaria, Mary Testa und Jesse Tyler Ferguson auf die Broadway-Bühne.
In der Wiederaufnahme von 2014 spielten Tony Yazbeck Gabey, Jay Armstrong Johnson Chip, Clyde Alves Ozzie und Megan Fairchild Ivy. Elizabeth Stanley übernahm Claire und Alysha Umphress Hildy.
HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT
On the Town entstand mitten im Zweiten Weltkrieg und spielt im New York des Jahres 1944. Drei Matrosen erhalten nur 24 Stunden Landurlaub – ein zeitlicher Rahmen, der die gesamte Handlung bestimmt. Die Stadt erscheint als Gegenwelt zum militärischen Alltag: laut, schnell, aufregend, voller Menschen und Möglichkeiten.
Musikalisch verbindet Leonard Bernstein Elemente des Jazz mit klassischer Konzertmusik, populären Tanzformen und den Klangfarben des Broadway. Dadurch wird New York selbst zu einem musikalischen Bestandteil des Stücks. Die Stadt ist nicht lediglich Kulisse, sondern prägt Rhythmus, Tempo und Atmosphäre des Musicals.
Bemerkenswert ist außerdem die starke Bedeutung des Tanzes. Jerome Robbins hatte mit seinem Ballett Fancy Free bereits die Geschichte dreier Matrosen und ihres Landurlaubs entwickelt. On the Town überführte dieses Konzept anschließend in ein Musical. Damit entstand eine ungewöhnlich enge Verbindung zwischen Ballett, Jazz, Schauspiel, Gesang und Broadway-Musical.
MUSIK
Die Partitur gehört zu den bekanntesten frühen Musicalarbeiten von Leonard Bernstein. Zu den zentralen Nummern gehören:
„New York, New York“ – die große Liebeserklärung an die Stadt.
„Come Up to My Place“ – Hildys offensives Werben um Chip.
„Carried Away“ – die komödiantische Annäherung von Claire und Ozzie.
„Lonely Town“ – Gabeys melancholische Sicht auf New York ohne seine große Liebe.
„I Can Cook Too“ – Hildys selbstbewusstes und temperamentvolles Solo.
„Lucky to Be Me“ – Gabeys euphorisches Glücksgefühl.
„Some Other Time“ – ein nachdenklicher Moment über den Abschied und eine mögliche gemeinsame Zukunft.
AUSZEICHNUNGEN & NOMINIEIRUNGEN
Für die ursprüngliche Broadway-Produktion On the Town erhielt 1945 einen Theatre World Award. Spätere Wiederaufnahmen wurden ebenfalls mehrfach ausgezeichnet oder nominiert.
Bernadette Peters erhielt für die Broadway-Wiederaufnahme von 1971 eine Tony-Nominierung als Featured Actress.
Die Wiederaufnahme von 1998 brachte Lea DeLaria eine Drama-Desk-Nominierung sowie einen Theatre World Award;
Mary Testa wurde für den Tony Award nominiert.
Besonders umfangreich war die Auszeichnungsbilanz der Broadway-Wiederaufnahme von 2014: Sie erhielt unter anderem vier Tony-Nominierungen, darunter für Best Revival of a Musical, Regie, Choreografie und Tony Yazbeck als Hauptdarsteller. Megan Fairchild gewann dafür einen Theatre World Award.
Auch die Choreografie der 2014er Produktion wurde mehrfach gewürdigt; Joshua Bergasse erhielt unter anderem den Tony Award für die beste Choreografie.
TRIVIA & FUN FACTS
On the Town basiert auf Jerome Robbins’ Ballett „Fancy Free“, das ebenfalls 1944 mit Musik von Leonard Bernstein entstand.
Betty Comden und Adolph Green waren nicht nur Autoren des Musicals, sondern standen in der Uraufführung selbst als Claire und Ozzie auf der Bühne.
Die Broadway-Uraufführung lief 462 Vorstellungen.
Der berühmte Song „New York, New York“ stammt aus On the Town und ist nicht mit Frank Sinatras später weltbekannter Aufnahme von „New York, New York“ aus dem Musicalfilm New York, New York von 1977 zu verwechseln.
