Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

EINLEITUNG

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist ein Musical von Katrin Lange, Edith Jeske und Thomas Zaufke nach dem gleichnamigen tschechisch-deutschen Märchenfilm von Václav Vorlíček und František Pavlíček aus dem Jahr 1973. Die Bühnenfassung verbindet die bekannte Geschichte des selbstbewussten Aschenbrödels mit neuer Musicalmusik von Thomas Zaufke und der berühmten Filmmusik von Karel Svoboda. Die Uraufführung fand am 22. Juni 2013 bei den Landesbühnen Sachsen auf der Felsenbühne Rathen statt. Das Musical richtet sich an ein Familienpublikum und stellt eine Heldin in den Mittelpunkt, die ihr Schicksal nicht einfach hinnimmt, sondern selbst in die Hand nimmt.

ZUSAMMENFASSUNG

Nach dem Tod ihres Vaters lebt Aschenbrödel auf dem Gutshof ihrer herrschsüchtigen Stiefmutter. Gemeinsam mit ihrer leiblichen Tochter Dorchen behandelt diese das Mädchen wie eine Dienstmagd. Aschenbrödel lässt sich jedoch nicht brechen. Sie ist selbstbewusst, geschickt, liebt Pferde und die Natur und besitzt einen eigenen Kopf.

Als das Königspaar auf dem Gutshof Halt macht, begegnet Aschenbrödel dem Prinzen. Zwischen den beiden entsteht sofort eine besondere Verbindung. Kurz darauf wird ein großer Ball angekündigt, bei dem der Prinz seine zukünftige Braut kennenlernen soll. Die Stiefmutter möchte unbedingt ihre Tochter Dorchen in eine möglichst gute Position bringen und verhindert, dass Aschenbrödel mit zum Ball kommt.

Doch Aschenbrödel erhält drei magische Haselnüsse. Jede von ihnen ermöglicht ihr eine Verwandlung. So kann sie dem Gutshof entkommen und dem Prinzen in unterschiedlichen Gestalten begegnen. Besonders die Begegnung beim Ball verändert alles.

Als Aschenbrödel kurz vor Mitternacht fliehen muss, verliert sie einen Schuh. Der Prinz beginnt daraufhin, nach der geheimnisvollen jungen Frau zu suchen. Schließlich führt ihn die Suche zurück zum Gutshof. Dort erkennt er, wer wirklich hinter der geheimnisvollen Tänzerin steckt. Aschenbrödel bekommt damit die Chance, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und gemeinsam mit dem Prinzen eine neue Zukunft zu beginnen.

HANDLUNG

! SPOILER-ALARM !

Aschenbrödel lebt nach dem Tod ihres Vaters unter der Herrschaft ihrer Stiefmutter. Diese hat auf dem Gutshof das Sagen und behandelt ihre Stieftochter nicht wie ein Familienmitglied, sondern wie eine Dienstmagd. Auch Dorchen, die leibliche Tochter der Stiefmutter, trägt dazu bei, dass Aschenbrödel gedemütigt und herumkommandiert wird. Doch Aschenbrödel entspricht nicht dem Bild eines passiven, hilflosen Märchenmädchens. Sie ist selbstbewusst, eigenständig und ausgesprochen geschickt. Besonders ihre Verbindung zu Pferden und zur Natur gibt ihr eine Freiheit, die ihr das Leben auf dem Gutshof sonst verweigert.

Eines Tages kommt das Königspaar mit seinem Gefolge in die Gegend. Der Prinz befindet sich in Begleitung seiner adligen Gefährten und soll bald eine Ehe eingehen. Seine Eltern wünschen sich, dass er beim bevorstehenden Ball eine geeignete Braut auswählt. Aschenbrödel begegnet dem Prinzen zunächst unabhängig von der höfischen Welt. Die Begegnung zwischen beiden ist von Anfang an ungewöhnlich: Der Prinz trifft auf eine junge Frau, die sich nicht einschüchtern lässt und sich nicht so verhält, wie er es von den Frauen seines Standes gewohnt ist. Auch Aschenbrödel erkennt im Prinzen nicht einfach nur einen zukünftigen König. Sie begegnet ihm als Mensch und genau das macht sie für ihn interessant.

Die Nachricht vom bevorstehenden Ball sorgt auf dem Gutshof für Aufregung. Die Stiefmutter sieht darin vor allem eine Gelegenheit für Dorchen. Sie möchte ihre Tochter möglichst vorteilhaft präsentieren und ihr den Weg in die höfische Gesellschaft eröffnen. Aschenbrödel soll dagegen zu Hause bleiben. Damit scheint ihre Teilnahme am Ball ausgeschlossen. Doch das Märchen nimmt eine andere Wendung: Aschenbrödel erhält drei Haselnüsse, die magische Kräfte besitzen. Die Nüsse werden zum Schlüssel für ihre Freiheit. Sie ermöglichen Aschenbrödel verschiedene Verwandlungen und geben ihr die Möglichkeit, selbst über ihr Auftreten und ihre Identität zu bestimmen.

Mit Hilfe einer Haselnuss kann Aschenbrödel in eine neue Rolle schlüpfen. Sie erscheint nicht mehr als das Mädchen vom Gutshof, sondern als jemand, dem andere mit Respekt begegnen. Die Verwandlungen sind dabei mehr als ein märchenhaftes Spiel. Sie geben Aschenbrödel die Möglichkeit, sich aus der Rolle zu lösen, die ihre Stiefmutter ihr aufgezwungen hat. Sie muss nicht länger das arme, unterdrückte Mädchen sein. Für kurze Zeit kann sie selbst entscheiden, wer sie sein möchte.

Der Prinz begegnet Aschenbrödel in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Besonders wichtig ist dabei, dass er sich nicht wegen ihres vermeintlichen Standes für sie interessiert. Die Anziehung zwischen beiden entsteht vielmehr aus ihrer Persönlichkeit. Aschenbrödel ist mutig, eigenständig und nicht bereit, sich den Erwartungen anderer unterzuordnen. Der Prinz erkennt zunehmend, dass die geheimnisvolle junge Frau anders ist als die Kandidatinnen, die ihm seine Umgebung präsentiert.

Schließlich erscheint Aschenbrödel beim großen Ball. Die geheimnisvolle junge Frau zieht die Aufmerksamkeit des Prinzen auf sich. Für ihn zählt in diesem Moment nicht, aus welcher Familie sie stammt oder welchen gesellschaftlichen Rang sie besitzt. Die beiden tanzen miteinander und kommen sich näher. Doch Aschenbrödel weiß, dass der Zauber nicht unbegrenzt anhält. Sie muss den Ball verlassen, bevor ihre Verwandlung endet und ihre Identität bekannt wird.

Bei ihrer überstürzten Flucht verliert Aschenbrödel einen Schuh. Für den Prinzen wird dieser Schuh zum einzigen konkreten Hinweis auf die Frau, die er unbedingt wiederfinden möchte. Er beginnt seine Suche. Der Schuh wird zum Symbol für die Identität der geheimnisvollen Unbekannten: Nur die richtige Person kann ihn tragen. Die Suche führt schließlich zurück zum Gutshof. Dort versucht die Stiefmutter weiterhin, ihre Tochter Dorchen in den Mittelpunkt zu stellen. Doch die Wahrheit lässt sich nicht mehr verbergen.

Der Prinz erkennt schließlich, dass das unscheinbare Mädchen vom Gutshof und die geheimnisvolle junge Frau vom Ball ein und dieselbe Person sind. Damit wird Aschenbrödels wahre Persönlichkeit sichtbar. Sie muss sich nicht länger verstecken und auch nicht mehr ausschließlich mithilfe der magischen Haselnüsse gegen ihre Lebensumstände behaupten. Ihr Mut, ihre Geschicklichkeit und ihre Selbstständigkeit haben sie letztlich ans Ziel gebracht. Aschenbrödel kann den Gutshof und die Herrschaft ihrer Stiefmutter hinter sich lassen. Ihre Geschichte endet mit der Verbindung zum Prinzen, aber nicht allein deshalb, weil sie dadurch einen höheren gesellschaftlichen Status erhält.

Das Musical zeichnet Aschenbrödel vor allem als junge Frau, die sich ihre Selbstbestimmung bewahrt. Gerade darin liegt die Modernität der Bühnenfassung: Sie erzählt kein Märchen von einem hilflosen Mädchen, das durch einen Prinzen gerettet wird, sondern von einer eigenständigen Heldin, die ihre Chancen selbst ergreift.

KREATIV-TEAM

  • Buch: Katrin Lange
  • Gesangstexte: Edith Jeske
  • Musik: Thomas Zaufke
  • Vorlage: der tschechisch-deutsche Märchenfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
  • Filmregie: Václav Vorlíček
  • Drehbuch: František Pavlíček

Die Bühnenfassung stammt damit nicht einfach aus einer Übertragung des Films auf die Bühne. Katrin Lange entwickelte das Buch für das Musical, Edith Jeske schrieb die neuen Gesangstexte und Thomas Zaufke komponierte die Musicalmusik. Karel Svobodas berühmte Filmmusik bildet zugleich eine wichtige Verbindung zum Film.

PREMIEREN

Die Uraufführung von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel fand am 22. Juni 2013 bei den Landesbühnen Sachsen in Radebeul beziehungsweise auf der Felsenbühne Rathen statt. 

Bereits kurz nach der Uraufführung wurde die Produktion auch in einer Fassung für das Haus der Landesbühnen Sachsen gezeigt. Diese Premiere fand am 31. Oktober 2013 in Radebeul statt.

Das Musical wurde anschließend mehrfach von den Landesbühnen Sachsen wiederaufgenommen. Eine besonders passende Spielstätte fand die Produktion 2020 auf der Nordterrasse von Schloss Moritzburg, einem der Originalschauplätze des Filmklassikers. Auch spätere Wiederaufnahmen, darunter 2022, blieben der Verbindung von Musical und Filmvorlage treu.

DARSTELLER

Bei der Uraufführung stand Sandra Maria Huimann als Aschenbrödel auf der Felsenbühne Rathen. Sie verkörperte die Titelrolle auch in späteren Wiederaufnahmen der Landesbühnen Sachsen. Ihre Verbindung zur Produktion ist damit besonders eng: Huimann spielte Aschenbrödel seit 2013 über mehrere Jahre hinweg.

Benno Schick spielte 2013 die Rolle des Karlchen. Markus Falk war als Kleinröschen besetzt.

Bei der Wiederaufnahme 2022 standen neben Sandra Maria Huimann und Christin Rettig unter anderem Oliver Natterer und Nikolaj Maximilian Klinger als Prinz sowie Julia Vincze als Stiefmutter auf der Bühne.

HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT

Das Musical basiert auf dem tschechisch-deutschen Märchenfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel aus dem Jahr 1973. Dieser wiederum geht auf die böhmische Märchentradition und insbesondere auf Božena Němcovás Fassung O Popelce zurück, die mit dem europäischen Aschenputtel-Stoff verbunden ist.

Der Film von Václav Vorlíček und František Pavlíček entwickelte sich vor allem in Deutschland und Tschechien zu einem Weihnachtsklassiker. Die Musik von Karel Svoboda ist dabei untrennbar mit dem Film verbunden.

Das Musical übernimmt diesen kulturell bereits stark aufgeladenen Stoff, versucht aber nicht lediglich, den Film Szene für Szene nachzuspielen. Im Mittelpunkt steht weiterhin ein ungewöhnlich selbstbestimmtes Aschenbrödel. Die Landesbühnen Sachsen betonen ausdrücklich Mut, Kraft, Geschicklichkeit und den Anspruch der Figur auf Anerkennung ihrer selbst.

Damit verbindet das Musical klassische Märchenmotive mit einer zeitgemäßeren weiblichen Hauptfigur: Aschenbrödel ist nicht bloß Objekt einer romantischen Rettung, sondern eine aktive Heldin.

MUSIK

Musikalisch lassen sich insbesondere folgende Bereiche unterscheiden:

  • Neue Musicalnummern von Thomas Zaufke: Sie tragen die Handlung und geben den Figuren musikalische Ausdrucksmöglichkeiten.
  • Musik für Aschenbrödel: Die Hauptfigur erhält musikalischen Raum für ihre Selbstständigkeit und ihre Sehnsucht nach Freiheit.
  • Ensemble- und Situationsnummern: Sie erweitern die Handlung um die Bühnenwelt rund um Gutshof, Hofgesellschaft und Ball.
  • Filmmusik von Karel Svoboda: Die bekannten musikalischen Motive stellen die unmittelbare Verbindung zum Film her.

Gerade diese Verbindung aus neuer Musicalmusik und vertrauten Motiven ist ein wesentliches Merkmal der Bühnenfassung.

AUSZEICHNUNGEN & NOMINIERUNGEN

Für das Musical Drei Haselnüsse für Aschenbrödel selbst sind keine bedeutenden offiziellen Auszeichnungen oder Nominierungen bei den großen deutschen Musicalpreisen dokumentiert.

TRIVIA & FUN FACTS

  • Das Musical entstand damit 40 Jahre nach dem Filmklassiker von 1973.
  • Die Instrumentierung der Bühnenfassung ist für ein Musical vergleichsweise kompakt. Der Verlag nennt eine Mindestbesetzung von vier Darstellerinnen und vier Darstellern sowie ein Ensemble aus Reed, Trompete, Posaune, Klarinette, Synthesizer, Gitarre, E-Bass und Percussion.