The Black Crook

EINLEITUNG

The Black Crook feierte am 12. September 1866 im Niblo’s Garden in New York seine Uraufführung und gilt als einer der wichtigsten frühen Meilensteine des amerikanischen Musiktheaters. Das Werk verband erstmals in dieser Größenordnung Schauspiel, Gesang, Tanz, Ballett, aufwendige Bühnenbilder und spektakuläre Bühneneffekte zu einer kommerziell äußerst erfolgreichen Großproduktion. Deshalb wird The Black Crook häufig als erstes Broadway-Musical bezeichnet. Historisch genauer handelt es sich um eine romantische, märchenhafte Melodramatik mit Musik und spektakulären Einlagen und um einen wichtigen Vorläufer des modernen Musicals.

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ZUSAMMENFASSUNG

Die Handlung von The Black Crook spielt um das Jahr 1600 im Harz und verbindet Liebesgeschichte, Melodram, Magie und übernatürliche Elemente. Der junge Künstler Rodolphe liebt Amina, die bei ihrer Pflegemutter Dame Barbara aufgewachsen ist. Doch auch Graf Wolfenstein begehrt Amina und versucht, sie für sich zu gewinnen. Als Amina sich ihm verweigert, gerät Rodolphe in große Gefahr.

Der eigentliche Gegenspieler ist Hertzog, ein deformierter Alchemist und Zauberer, der als „Black Crook“ bekannt ist. Er steht im Bund mit dem Dämon Zamiel und muss diesem regelmäßig eine menschliche Seele zuführen, um sein eigenes Schicksal abzuwenden. Hertzog versucht deshalb, Rodolphe und Amina für seine Zwecke zu benutzen.

Rodolphe gerät durch die Intrigen Wolfensteins und Hertzogs in Gefangenschaft. Gleichzeitig wird Amina bedroht. Hilfe kommt von Stalacta, der Königin des Goldenen Reiches, die auf der Seite der Liebenden steht. Schließlich werden die finsteren Mächte besiegt: Wolfensteins Macht bricht zusammen, Hertzog wird von den dämonischen Kräften eingeholt und Rodolphe und Amina können miteinander vereint werden.

HANDLUNG

! SPOILER-ALARM !

Liebe, Eifersucht und ein verhängnisvoller Pakt

Die Geschichte beginnt in einem Tal am Fuß des Harzes. Der junge Künstler Rodolphe kehrt zurück und trifft heimlich seine Geliebte Amina. Beide lieben sich und wollen heiraten. Amina lebt bei ihrer Pflegemutter Dame Barbara. Ihre gemeinsame Zukunft scheint jedoch gefährdet, denn Graf Wolfenstein, der mächtige Herr der Gegend, hat ebenfalls ein Auge auf Amina geworfen.

Wolfenstein akzeptiert ihre Ablehnung nicht. Seine gesellschaftliche Stellung ermöglicht es ihm, gegen Rodolphe vorzugehen und den jungen Mann in Schwierigkeiten zu bringen. Parallel dazu wird Hertzog eingeführt, ein geheimnisvoller Alchemist und Zauberer, der wegen seines Äußeren und seiner finsteren Geschäfte als „Black Crook“ bezeichnet wird.

Hertzog steht unter dem Einfluss des dämonischen Zamiel. Sein Pakt mit den übernatürlichen Mächten verlangt von ihm, regelmäßig eine Seele zu beschaffen. Der Zauberer sucht deshalb nach einem Menschen, den er in seine Abhängigkeit bringen kann. Rodolphe gerät in diese gefährliche Konstellation.

Während das Dorfleben mit Festen, Tänzen und musikalischen Einlagen weitergeht, verdichten sich die Intrigen. Die aufwendigen Ballettszenen und die große Tanztruppe sind dabei ein wesentlicher Bestandteil der Aufführung und nicht bloß dekoratives Beiwerk der Produktion.

Die Welt der Magie

Die Handlung führt zunehmend aus der realen Welt in eine fantastische Sphäre. Stalacta, die Königin des Goldenen Reiches, steht im Mittelpunkt der übernatürlichen Handlung. Feen, Gnome, Dämonen und andere fantastische Gestalten erweitern die Welt des Stücks.

Hertzog versucht weiterhin, Rodolphe für seine eigenen Ziele einzusetzen. Der junge Künstler wird zunehmend zwischen den Interessen Wolfensteins und den übernatürlichen Plänen des Zauberers aufgerieben. Gleichzeitig bleibt seine Verbindung zu Amina der emotionale Mittelpunkt der Geschichte.

Stalacta verkörpert eine Gegenkraft zu Hertzog und Zamiel. Ihre Welt steht für Schönheit, Verzauberung und Schutz, während Hertzogs Welt von Angst, Manipulation und dem Pakt mit den dämonischen Mächten bestimmt wird. Musik und Tanz nehmen in diesem Teil besonders viel Raum ein.

Spektakel und Verwandlung

Im dritten Akt tritt die Handlung gegenüber den großen Schau- und Tanznummern noch stärker in den Hintergrund. Maskenball, spanische und ungarische Tänze sowie weitere Ballettszenen zeigen die ganze Bandbreite der Produktion.

Gerade diese Verbindung aus Handlung und spektakulärer Unterhaltung machte The Black Crook zu einem außergewöhnlichen Theaterereignis seiner Zeit. Das Publikum bekam nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern eine Folge von aufwendigen Tableaus, Tänzen, Kostümen und Bühneneffekten geboten.

Die Konflikte zwischen den Figuren spitzen sich dennoch weiter zu. Rodolphe und Amina müssen sich gegen Wolfensteins Ansprüche und Hertzogs Machenschaften behaupten. Die dämonische Bedrohung bleibt bestehen, während Stalactas Kräfte zunehmend auf die Seite der Liebenden treten.

Die Rettung

Im letzten Akt laufen die verschiedenen Handlungsstränge zusammen. Hertzogs Pakt mit den dämonischen Mächten erweist sich als Falle, aus der er selbst nicht entkommen kann. Rodolphe und Amina werden schließlich vor ihren Gegnern gerettet.

Stalacta und die Kräfte des Guten setzen sich gegen Hertzog und seine Verbündeten durch. Wolfensteins Macht wird gebrochen, während Hertzog seinem dämonischen Schicksal nicht entkommen kann. Am Ende können Rodolphe und Amina zusammenbleiben.

Den spektakulären Abschluss bildet eine große Verwandlungsszene. Das Finale verbindet die dramatische Auflösung mit jener visuellen Theatralik, die für The Black Crook charakteristisch war. Gerade die Kombination aus melodramatischer Geschichte, Musik, Ballett und spektakulärer Bühnentechnik machte das Werk zu einem Publikumserfolg.

KREATIV-TEAM

 

Buch: Charles M. Barras

Musik: Thomas Baker; zusätzliche Musik von George Bicknell und in späteren Fassungen auch Giuseppe Operti

Liedtexte: Theodore Kennick

Regie: William Wheatley

Ballett: David Costa

Musikalische Leitung: Harvey B. Dodworth

Produktion: Henry C. Jarrett und Harry Palmer, in Zusammenarbeit mit William Wheatley

Bühnenbild: Richard Marston, J. E. Hayes, R. S. Smith, D. A. Strong, F. W. Seaver sowie die Brüder Wallack und Drew

Kostüme: M. Phillipe und Madame Costa

Beleuchtung und Bühneneffekte: Charles Seward und Charles Murray

Das Kreativteam arbeitete nicht nach dem heute üblichen Modell eines klar abgegrenzten „Book Musical“. The Black Crook entstand vielmehr als groß angelegte Verbindung verschiedener Theaterformen und musikalischer sowie tänzerischer Elemente.

PREMIEREN

Die Uraufführung von The Black Crook fand am 12. September 1866 im Niblo’s Garden in New York statt. Das Theater lag an Broadway und Prince Street und bot Platz für mehrere tausend Zuschauer. Die Produktion lief bis zum 4. Januar 1868 und erreichte 475 Vorstellungen. Damit wurde sie zur ersten New Yorker Theaterproduktion, die länger als ein Jahr gespielt wurde.

Der Erfolg führte zu zahlreichen Wiederaufnahmen und Tourneen. In New York folgten unter anderem Produktionen 1870, 1871 und 1873. Eine britische Produktion mit demselben Titel eröffnete am 23. Dezember 1872 im Alhambra Theatre in London, basierte allerdings auf einer anderen Handlung und verwendete neue Musik.

DARSTELLER

Zur Originalbesetzung von 1866 gehörten zahlreiche Schauspieler, Sänger und Tänzer. George Boniface spielte Rodolphe, Rose Morton übernahm die Rolle der Amina und Charles H. Morton verkörperte Hertzog, den Black Crook. John W. Blaisdell spielte Graf Wolfenstein, während Annie Kemp Bowler als Stalacta, Königin des Goldenen Reiches, auftrat. Millie Cavendish spielte Carline.

Besonders große Aufmerksamkeit erhielt die Pariser Balletttruppe. Zu ihren Tänzerinnen gehörten Marie Bonfanti und Rita Sangalli, die anschließend auch in weiteren Produktionen und Ballettaufführungen in New York auftraten. Bonfanti wurde zu einer bekannten Ballettkünstlerin des amerikanischen Theaters.

Auch spätere Wiederaufnahmen brachten bekannte Bühnenpersönlichkeiten mit dem Stück in Verbindung. Pauline Markham trat als Stalacta auf, Kate Santley gehörte zur Besetzung der New Yorker Wiederaufnahme von 1871/72 und spielte später auch in der Londoner Produktion von 1872.

HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT

The Black Crook entstand unmittelbar nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg und traf auf ein Publikum, das zunehmend Interesse an spektakulären, aufwendig ausgestatteten Unterhaltungsformen zeigte. Das Stück verband Elemente des europäischen Melodrams, der Operette, des Balletts, der Pantomime und der amerikanischen Bühnenshow. Inhaltlich griff es unter anderem Motive aus der europäischen romantischen Fantastik und der Faust-Tradition auf.

Seine besondere Bedeutung für die Musicalgeschichte liegt weniger darin, dass hier plötzlich eine vollständig neue Theaterform entstanden wäre. Musik und Tanz waren bereits lange Bestandteil des Theaters. Die New York Public Library weist ausdrücklich darauf hin, dass die musikalischen Nummern der ursprünglichen Fassung teilweise nur lose mit der Handlung verbunden waren.

Entscheidend war vielmehr die Größenordnung: The Black Crook verband Schauspiel, Gesang, Tanz, Ballett, Massenszenen, aufwendige Kostüme und spektakuläre Verwandlungen zu einem kommerziell erfolgreichen Gesamtereignis. Deshalb gilt es als wichtiger Ausgangspunkt der Geschichte des amerikanischen Musicals, auch wenn die Bezeichnung als „erstes Musical“ unter Fachleuten diskutiert wird.

MUSIK

Die Musik der ursprünglichen Produktion stammte überwiegend von Thomas Baker und wurde teilweise aus vorhandenen musikalischen Werken zusammengestellt. Hinzu kamen Stücke von George Bicknell und weitere musikalische Beiträge. Zu den überlieferten Nummern gehören:

Grand Garland Dance – große Eröffnungs- und Ballettnummer

Hark, hark, hark! – Chor der Dorfbewohner

Early in the Morning – Carline

You Naughty, Naughty Men – humorvolle Nummer von Carline

March of the Amazons – große Ensemble- und Tanznummer

Grand Incantation Scene – Hertzogs Zauberszene

Flow On, Silver Stream – Stalacta

The Power of Love – Stalacta

Rejoice, rejoice, rejoice! – Gnome, Amphibea und Feen

Pas de Demons – spektakuläre Tanznummer

Bal Masque, Pas Espagnol und Pas Hongroise – große Ballettsequenzen

Dazzling Transformation Scene – musikalisch begleitete Verwandlung im Finale

Gerade die umfangreichen Tanznummern waren für den Erfolg des Stücks entscheidend.

AUSZEICHNUNGEN & NOMINIERUNGEN

Für die Originalproduktion von The Black Crook aus dem Jahr 1866 gibt es keine Auszeichnungen oder Nominierungen im heutigen Sinn. Institutionalisierte Broadway-Preise wie die später eingeführten Tony Awards existierten damals noch nicht.

Die historische Bedeutung des Stücks wird daher nicht über Preise dokumentiert, sondern vor allem über seine außergewöhnliche Laufzeit, seinen kommerziellen Erfolg und seinen Einfluss auf die Entwicklung des amerikanischen Musiktheaters. Die Produktion erreichte 475 Vorstellungen und wurde anschließend über Jahrzehnte hinweg wiederaufgenommen und auf Tournee gezeigt. Das Harry Ransom Center bezeichnet The Black Crook als eine der ersten erfolgreichen musikalischen Großproduktionen der Vereinigten Staaten.

TRIVIA & FUN FACTS

  • Die ursprüngliche Aufführung dauerte Berichten zufolge etwa fünfeinhalb Stunden.
  • Die Produktion wurde berühmt für ihre große Balletttruppe und die für damalige Verhältnisse gewagten Kostüme.
  • Die Tänzerinnen führten den Can-Can auf einer amerikanischen Bühne auf und sorgten damit für Aufsehen.
  • 475 Vorstellungen waren für das New Yorker Theaterleben der 1860er-Jahre außergewöhnlich.
  • Die Produktion wurde vielfach parodiert und entwickelte sich selbst zum Gegenstand von Burlesken.
  • 1916 entstand eine Stummfilmfassung nach Barras‘ Vorlage.
  • Zum 150. Jahrestag wurde The Black Crook 2016 in New York in einer zeitgenössisch bearbeiteten Fassung erneut auf die Bühne gebracht.
  • Die Entstehungsgeschichte wurde später selbst zum Stoff für The Girl in Pink Tights, ein Musical von Sigmund Romberg, Joseph Fields und Jerome Chodorov aus dem Jahr 1954.