The Producers
EINLEITUNG
The Producers ist eine rabenschwarze Musicalkomödie, in der Broadway-Glamour, absurde Geschäftsideen und eine bewusst provokante Satire aufeinandertreffen. Das Musical von Mel Brooks und Thomas Meehan basiert auf Brooks’ gleichnamigem Film aus dem Jahr 1967 und erzählt von zwei Theaterproduzenten, die mit einem möglichst schlechten Stück reich werden wollen. Doch ihr sorgfältig geplanter Misserfolg entwickelt sich zum unerwarteten Triumph. Mit pointiertem Humor, opulenten Tanznummern und der berüchtigten Show „Springtime for Hitler“ wurde The Producers zu einem der erfolgreichsten Broadway-Musicals seiner Zeit.
ZUSAMMENFASSUNG
New York im Jahr 1959: Max Bialystock war einst ein erfolgreicher Broadway-Produzent, doch inzwischen kämpft er mit finanziellen Schwierigkeiten. Um seine Karriere und seinen Lebensstil zu finanzieren, lässt er sich von wohlhabenden älteren Damen Geld für Theaterproduktionen geben. Als der schüchterne Buchhalter Leo Bloom seine Geschäftsbücher prüft, entdeckt er eine ungewöhnliche Möglichkeit, mit Theater Geld zu verdienen.
Die Idee: Max und Leo beschaffen möglichst viel Kapital für ein Stück, das garantiert scheitern wird. Wenn die Produktion nach nur einer Vorstellung abgesetzt wird, könnten sie das überschüssige Geld behalten, anstatt es an ihre Geldgeber zurückzuzahlen. Gemeinsam suchen sie nach dem schlechtesten Bühnenstück, das sie finden können, und stoßen auf „Frühling für Hitler“, eine groteske Komödie über Adolf Hitler, geschrieben vom überzeugten Nazi Franz Liebkind.
Als Regisseur engagieren sie den exzentrischen Roger De Bris, der aus dem Stück eine überdrehte Revue machen soll. Die schwedische Schauspielerin Ulla ergänzt das Ensemble, während Leo zunehmend Gefallen an seinem neuen Leben findet. Doch bei der Premiere geschieht das Unvorhersehbare: Das Publikum hält die absurde Hitler-Show für eine gewagte Satire und reagiert begeistert. Ausgerechnet der geplante Flop wird zum Hit, und Max und Leo müssen feststellen, dass ihr Betrug ganz anders endet als vorgesehen.
HANDLUNG
! SPOILER-ALARM !
Max Bialystock kennt die Höhen und Tiefen des Broadway. Früher konnte er mit seinen Produktionen Erfolge feiern, inzwischen ist er jedoch auf die finanzielle Unterstützung älterer Damen angewiesen, die er mit Charme und Versprechungen für sich gewinnt. Während Max versucht, seinen gewohnten Lebensstil aufrechtzuerhalten, führt der junge Buchhalter Leo Bloom seine Geschäftsbücher. Leo ist schüchtern, ordnungsliebend und von einem Traum beseelt, den er bislang kaum auszusprechen wagt: Er möchte selbst Theaterproduzent werden.
Bei der Prüfung der Zahlen fällt Leo auf, dass ein Produzent mit einem Flop unter bestimmten Umständen mehr Geld verdienen könnte als mit einem Erfolg. Max erkennt sofort das Potenzial. Wenn sie sehr viel mehr Geld von Investoren einsammeln, als die Produktion kostet, und das Stück nach einer Vorstellung abgesetzt wird, könnten sie den Überschuss behalten. Der Plan ist riskant und betrügerisch, aber für Max klingt er nach der perfekten Gelegenheit.
Leo lässt sich zunächst nur zögerlich auf das Vorhaben ein. Schließlich gewinnt die Aussicht auf ein eigenes Leben im Theater die Oberhand. Gemeinsam machen sich die beiden daran, das denkbar schlechteste Stück für ihre Unternehmung zu finden.
Ihre Wahl fällt auf „Frühling für Hitler“, ein groteskes Bühnenstück des deutschen Nazi-Anhängers Franz Liebkind. Der Autor verehrt Hitler und hat ein Stück verfasst, das den Diktator und sein Umfeld auf absurde Weise verherrlicht. Max und Leo sind überzeugt, dass ein solches Werk beim Publikum durchfallen muss. Um Franz für sich zu gewinnen, müssen sie allerdings seine Leidenschaft für das Stück teilen und sich auf seine ungewöhnlichen Bedingungen einlassen.
Auch die Besetzung soll den Misserfolg garantieren. Max und Leo engagieren den exzentrischen Regisseur Roger De Bris, der für seine extravaganten Inszenierungen bekannt ist. Gemeinsam mit seinem Assistenten Carmen Ghia soll er das Stück auf die Bühne bringen. Roger und Carmen erkennen in dem Material eine Gelegenheit für eine spektakuläre, bewusst übertriebene Show. Die schwedische Schauspielerin Ulla, die sich um eine Rolle bewirbt, wird ebenfalls Teil des Ensembles. Leo ist von ihr angetan, und zwischen beiden entwickelt sich eine romantische Beziehung.
Während die Vorbereitungen voranschreiten, sammeln Max und Leo Geld von ihren zahlreichen Geldgeberinnen. Sie rechnen fest damit, dass die Produktion scheitert. Am Ende des ersten Akts scheint alles nach Plan zu laufen: Das Stück steht, die Finanzierung ist gesichert und die Premiere kann kommen.
Am Premierenabend wächst die Nervosität. Max und Leo haben alles unternommen, um ein möglichst katastrophales Bühnenerlebnis zu gewährleisten. Doch bereits vor dem Vorhang wird deutlich, dass die Beteiligten ihre ganz eigenen Vorstellungen von einer gelungenen Vorstellung haben. Roger und Carmen setzen auf große Gesten, übertriebene Kostüme und eine opulente Inszenierung.
Dann beginnt „Springtime for Hitler“. Die Nummer präsentiert das nationalsozialistische Deutschland als grelle, musikalische Revue mit überzeichneten Figuren, aufwendigen Choreografien und bewusst geschmacklosen Bildern. Was Max und Leo als sicheren Misserfolg geplant haben, entfaltet auf der Bühne eine ganz eigene Wirkung. Das Publikum erkennt die Übertreibung als Komödie und reagiert begeistert. Die Show wird nicht als peinlicher Fehltritt, sondern als provokanter, unterhaltsamer Theaterabend wahrgenommen.
Max und Leo müssen mitansehen, wie ihr Plan zusammenbricht. Sie wollten einen Flop produzieren, doch plötzlich droht ihnen ein großer Erfolg. Die beiden versuchen zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, und fragen sich, an welcher Stelle sie ungewollt alles richtig gemacht haben.
Als die Situation außer Kontrolle gerät, zerbricht die Partnerschaft beinahe. Leo hat inzwischen Gefallen am Produzentenleben gefunden und möchte mit Ulla ein neues Leben beginnen. Max hingegen fühlt sich von seinem Partner im Stich gelassen. Aus der gemeinsamen Verschwörung ist ein persönlicher Konflikt geworden.
Doch die Geschichte endet nicht mit dem Zerwürfnis. Max und Leo müssen sich den Konsequenzen ihres Betrugs stellen und geraten vor Gericht. Dort zeigt sich, dass ihre Verbindung stärker ist, als es zwischenzeitlich schien. Leo kehrt zurück, und die beiden stehen erneut zusammen. Das Stück führt die beiden Männer damit von der kriminellen Geschäftsidee über den unerwarteten Erfolg bis zu einer Freundschaft, die sich trotz aller Fehler behauptet. Die Geschichte endet mit einer satirischen Pointe auf das Showgeschäft: Selbst ein gescheiterter Betrugsplan kann auf dem Broadway zu einer Erfolgsgeschichte werden.
KREATIV-TEAM
Die kreative Handschrift von The Producers ist eng mit seinem Schöpfer Mel Brooks verbunden. Gemeinsam mit Thomas Meehan übertrug er die Filmkomödie auf die Musicalbühne und entwickelte eine Geschichte, die den Broadway selbst zum Gegenstand ihrer Satire macht.
Buch: Mel Brooks und Thomas Meehan
Musik und Gesangstexte: Mel Brooks
Regie und Choreografie der Originalproduktion: Susan Stroman
Bühnenbild: Robin Wagner
Kostüme: William Ivey Long
Lichtdesign: Peter Kaczorowski
Orchestrierung: Doug Besterman
Susan Stroman prägte die Originalproduktion mit einer dynamischen Inszenierung, aufwendigen Choreografien und dem bewussten Spiel mit den Konventionen großer Broadway-Shows. Robin Wagners Bühnenbild und William Ivey Longs Kostüme unterstützten den Wechsel zwischen New Yorker Theateralltag, überzeichneter Revue und den glamourösen Fantasien der Figuren.
Mel Brooks schrieb sowohl die Musik als auch die Texte der Songs. Das Ergebnis verbindet klassische Broadway-Elemente mit seinem unverwechselbaren, respektlosen Humor.
PREMIEREN
Die Geschichte von The Producers begann als Film: Mel Brooks’ Komödie kam 1967 zunächst in Pittsburgh zur Aufführung und wurde 1968 landesweit veröffentlicht. Im Deutschen ist der Film vor allem unter dem Titel Frühling für Hitler bekannt.
Die Musicalfassung wurde 2001 zunächst in Chicago erprobt, bevor sie am 19. April 2001 im St. James Theatre am Broadway in New York ihre offizielle Premiere feierte. Die Produktion mit Nathan Lane und Matthew Broderick entwickelte sich zu einem großen Publikumserfolg und blieb bis zum 22. April 2007 auf dem Spielplan. Insgesamt kam sie auf 2.502 Vorstellungen.
Am Londoner West End eröffnete das Musical am 9. November 2004 im Theatre Royal Drury Lane. Später wurde die Bühnenfassung auch verfilmt: Die Kinoversion von 2005 inszenierte Susan Stroman, erneut mit Nathan Lane und Matthew Broderick in den Hauptrollen.
Für das deutschsprachige Publikum ist auch die Lübecker Produktion interessant: Das Theater Lübeck kündigt The Producers für den 14. November 2026 im Großen Haus an. Die deutsche Fassung stammt von Nina Schneider; die Inszenierung übernimmt Thomas Weber-Schallauer.
DARSTELLER
Die Uraufführungsbesetzung am Broadway wurde von zwei bekannten amerikanischen Schauspielern angeführt: Nathan Lane spielte den gerissenen Produzenten Max Bialystock, Matthew Broderick verkörperte den zunächst unscheinbaren Buchhalter Leo Bloom. Beide prägten mit ihrem komödiantischen Zusammenspiel den Erfolg der Originalproduktion.
Nathan Lane – Max Bialystock: Lane verlieh dem skrupellosen Produzenten eine Mischung aus großspurigem Charme, Verzweiflung und Geschäftstüchtigkeit. Für seine Darstellung erhielt er 2001 den Tony Award als bester Hauptdarsteller in einem Musical.
Matthew Broderick – Leo Bloom: Broderick spielte den ängstlichen Buchhalter, der über sich hinauswächst und seinen Traum vom Theaterproduzenten verwirklicht. Er wurde ebenfalls für einen Tony Award nominiert.
Gary Beach – Roger De Bris: Als exzentrischer Regisseur sorgte Beach für einen der komödiantischen Höhepunkte der Produktion. Er gewann 2001 den Tony Award als bester Nebendarsteller in einem Musical.
Weitere Mitglieder der Originalbesetzung waren Roger Bart als Carmen Ghia, Cady Huffman als Ulla und Brad Oscar als Franz Liebkind. Huffman wurde mit dem Tony Award als beste Nebendarstellerin in einem Musical ausgezeichnet. Spätere Besetzungen brachten weitere bekannte Namen auf die Bühne. In der Londoner West-End-Produktion übernahmen Richard Dreyfuss die Rolle des Max Bialystock und Lee Evans die des Leo Bloom. In der Verfilmung von 2005 waren Lane und Broderick erneut als das ungleiche Produzentenduo zu sehen; Uma Thurman spielte Ulla und Will Ferrell Franz Liebkind.
HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT
The Producers entstand aus der Komödie, mit der Mel Brooks 1968 als Filmregisseur bekannt wurde. Brooks, der aus einer jüdischen Familie stammte, entwickelte eine Form der Satire, die den Nationalsozialismus nicht durch ehrfürchtige Darstellung, sondern durch absurde Überzeichnung angreift. Die zentrale Idee, Hitler als Figur einer lächerlichen Broadway-Revue auftreten zu lassen, kehrt die Inszenierung faschistischer Macht und Selbstinszenierung ins Groteske um.
Dabei richtet sich der Spott nicht allein gegen den Nationalsozialismus. Das Musical nimmt ebenso die Mechanismen des Showgeschäfts aufs Korn: Produzenten denken in Gewinnmargen, Investoren lassen sich von Versprechungen verführen und das Publikum kann selbst den größten Unsinn zum Erfolg machen. Der Betrugsplan von Max und Leo funktioniert als Übertreibung jener Geschäftspraktiken, bei denen der finanzielle Gewinn wichtiger wird als die Qualität eines Kunstwerks.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Leo entdeckt seinen Mut und seinen Ehrgeiz, während Max lernen muss, dass Erfolg und Freundschaft nicht vollständig kalkulierbar sind. Trotz des provokanten Humors besitzt das Stück deshalb auch eine menschliche Ebene.
Die Satire bleibt allerdings bewusst derb. Gerade die Verbindung von Hitler-Parodie, sexuellen Anspielungen und Broadway-Klischees macht The Producers zu einem Werk, dessen Humor Diskussionen auslösen kann. Seine Wirkung beruht darauf, dass es die Grenzen des guten Geschmacks nicht versehentlich, sondern mit Absicht überschreitet.
MUSIK
Die Musik von Mel Brooks verbindet klassische Broadway-Melodien mit Parodie, großen Ensemblenummern und bewusst übertriebenem Showglanz. Zu den bekanntesten Songs gehören:
„The King of Broadway“: Max beschwört die glorreichen Zeiten seiner Karriere.
„We Can Do It“: Max überzeugt Leo davon, den riskanten Plan gemeinsam umzusetzen.
„I Wanna Be a Producer“: Leo träumt von Ruhm und einem Leben am Broadway.
„Der Guten Tag Hop-Clop“: Eine groteske musikalische Szene mit Franz Liebkind.
„Keep It Gay“: Roger und Carmen erklären, wie sich aus dem Stück eine überdrehte Bühnenshow machen lässt.
„When You’ve Got It, Flaunt It“: Ulla präsentiert selbstbewusst ihre Ausstrahlung.
„Springtime for Hitler“: Die zentrale Revue-Nummer, die den geplanten Flop zum Erfolg macht.
„Where Did We Go Right?“: Max und Leo begreifen, dass ihr Vorhaben unerwartet geglückt ist.
„Betrayed“: Max verarbeitet seine Enttäuschung über Leo.
„’Til Him“: Die beiden Männer erkennen die Bedeutung ihrer Verbindung.
Die Songs treiben die Handlung voran und parodieren zugleich die großen Gesten und musikalischen Konventionen des Broadway.
AUSZEICHNUNGEN & NOMINIERUNGEN
Der Broadway-Erfolg von The Producers spiegelte sich besonders deutlich bei den Tony Awards 2001 wider. Das Musical erhielt 12 Tony Awards und gehörte damit zu den außergewöhnlich erfolgreichen Produktionen der Preisgeschichte.
Zu den wichtigsten Auszeichnungen zählen:
Bestes Musical
Bestes Buch eines Musicals für Mel Brooks und Thomas Meehan
Beste Originalmusik für Mel Brooks
Bester Hauptdarsteller in einem Musical: Nathan Lane
Bester Nebendarsteller in einem Musical: Gary Beach
Beste Nebendarstellerin in einem Musical: Cady Huffman
Beste Regie eines Musicals: Susan Stroman
Beste Choreografie: Susan Stroman
Bestes Bühnenbild: Robin Wagner
Bestes Kostümdesign: William Ivey Long
Bestes Lichtdesign: Peter Kaczorowski
Beste Orchestrierung: Doug Besterman
Darüber hinaus wurde The Producers bei den Drama Desk Awards ausgezeichnet, unter anderem als herausragendes neues Musical. Auch hier wurden die schauspielerischen Leistungen, die Choreografie und die Gestaltung der Produktion gewürdigt.
TRIVIA & FUN FACTS
Vom Film zur Bühne: Mel Brooks schrieb und inszenierte den Film The Producers aus dem Jahr 1967, bevor er die Geschichte gemeinsam mit Thomas Meehan zum Musical weiterentwickelte.
Ein Titel mit Geschichte: Der Film ist im deutschsprachigen Raum vor allem als Frühling für Hitler bekannt. Im Musical ist dieser Titel das Stück, mit dem Max und Leo ihren Betrug durchführen wollen.
Ein außergewöhnlicher Tony-Erfolg: Die zwölf Tony Awards des Jahres 2001 machten die Produktion zu einem der meistprämierten Broadway-Musicals ihrer Zeit.
Die Filmstars kehrten zurück: Nathan Lane und Matthew Broderick übernahmen ihre Bühnenrollen auch in der Kinofassung von 2005.
Die Satire im Zentrum: Die absurde Revue „Springtime for Hitler“ ist nicht bloß ein einzelner Gag, sondern der entscheidende dramaturgische Wendepunkt des gesamten Musicals. Gerade weil die Produzenten den Erfolg verhindern wollen, wird die Nummer zum Publikumsmagneten.
