A Chinese Honeymoon
EINLEITUNG
A Chinese Honeymoon ist eine britische Musical Comedy in zwei Akten von George Dance mit Musik von Howard Talbot und weiteren Komponisten. Das Musical wurde am 16. Oktober 1899 in Hanley uraufgeführt und entwickelte sich nach einer anschließenden Tournee zu einem außergewöhnlichen Londoner Publikumserfolg. Die Produktion am Royal Strand Theatre brachte es auf 1.075 Vorstellungen und gilt als erste Musicalproduktion, die mehr als 1.000 aufeinanderfolgende Vorstellungen erreichte. Auch am Broadway und auf internationalen Tourneen wurde das Stück erfolgreich gespielt.
ZUSAMMENFASSUNG
Die Handlung spielt im fiktiven chinesischen Kaiserreich Ylang Ylang. Kaiser Hang Chow möchte heiraten, ist aber überzeugt, dass eine Frau ihn nur wegen seiner Stellung und seines Reichtums lieben würde. Deshalb beauftragt er den englischen Seemann Hi Lung, eine geeignete Braut für ihn zu finden, ohne seine wahre Identität preiszugeben.
Gleichzeitig treffen mehrere Engländer und Mitglieder des kaiserlichen Hofes aufeinander. Tom Hatherton liebt Soo Soo, die Nichte des Kaisers. Die Kellnerin Fi Fi wiederum ist in Tom verliebt, erkennt aber, dass sein Herz Soo Soo gehört. Für zusätzliche Verwirrung sorgt ein ungewöhnliches Gesetz von Ylang Ylang:
Wer beim Küssen ertappt wird, muss innerhalb kurzer Zeit heiraten.
Während Hang Chow seine zukünftige Frau sucht, geraten die Figuren durch Eifersucht, falsche Identitäten, Liebesverwicklungen und das eigentümliche Kussgesetz immer wieder in neue Schwierigkeiten. Am Ende lösen sich die Verwechslungen auf und die verschiedenen Liebesgeschichten finden zu einer komischen und glücklichen Auflösung.
HANDLUNG
Die Geschichte beginnt mit Kaiser Hang Chow, dem Herrscher des fiktiven Reiches Ylang Ylang. Obwohl er über Reichtum und Macht verfügt, beschäftigt ihn ein persönliches Problem: Er möchte heiraten, fürchtet jedoch, dass eine Frau ihn nicht als Menschen, sondern ausschließlich wegen seiner Stellung als Kaiser lieben würde. Er sucht deshalb nach einer Frau, die sich für ihn entscheidet, ohne zu wissen, wer er tatsächlich ist.
Um diese ungewöhnliche Brautsuche zu organisieren, wendet sich Hang Chow an Hi Lung. Der Engländer ist ursprünglich Seemann und erhält im Verlauf der Geschichte eine außergewöhnliche Beförderung: Er wird zum Lord High Admiral der chinesischen Flotte ernannt. Seine eigentliche Aufgabe besteht jedoch darin, eine Frau zu finden, die den Kaiser um seiner selbst willen lieben könnte.
Parallel dazu treffen mehrere englische Reisende und Mitglieder des Hofes aufeinander. Zu ihnen gehört der Händler Samuel Pineapple, der gemeinsam mit seiner Frau und mehreren jungen Frauen nach Ylang Ylang gekommen ist. Mrs Pineapple beobachtet die Vorgänge mit Argwohn und versucht, die Männer in ihrer Umgebung von den jungen Frauen fernzuhalten. Dadurch entstehen zusätzliche komische Situationen.
Eine zentrale Liebesgeschichte entwickelt sich zwischen Tom Hatherton und Soo Soo. Soo Soo ist die Nichte des Kaisers und hat sich in Tom verliebt. Tom erwidert ihre Gefühle. Gleichzeitig ist die Kellnerin Fi Fi in Tom verliebt. Sie erkennt jedoch, dass Tom Soo Soo liebt, und gerät dadurch in einen persönlichen Konflikt zwischen ihren eigenen Gefühlen und ihrem Wunsch, Tom glücklich zu sehen.
Die komplizierte Situation wird durch die ungewöhnlichen Gesetze des Landes weiter verschärft. Besonders wichtig ist das sogenannte Kussgesetz. Wer beim Küssen ertappt wird, muss innerhalb einer bestimmten Frist heiraten. Dadurch kann eine scheinbar harmlose Liebesszene sofort weitreichende Folgen haben. Die Figuren versuchen deshalb, ihre Gefühle und Beziehungen möglichst geheim zu halten, während andere versuchen, sie zu überwachen oder zu kontrollieren.
Auch Hang Chows eigene Situation wird zunehmend kompliziert. Er muss weiterhin seine wahre Identität verbergen, während Hi Lung versucht, eine passende Frau für ihn zu finden. Damit entsteht eine typische Verwechslungskomödie: Die Zuschauer wissen mehr als manche Figuren, während die Charaktere selbst ständig falsche Schlüsse aus dem Verhalten der anderen ziehen.
Tom und Soo Soo versuchen, ihre Beziehung trotz der gesellschaftlichen und persönlichen Hindernisse aufrechtzuerhalten. Fi Fi muss sich gleichzeitig mit ihrer unerwiderten Liebe auseinandersetzen. Ihre Entscheidung, Toms Glück nicht zu zerstören, verleiht der ansonsten stark komödiantisch angelegten Geschichte einen sentimentalen Moment.
Samuel und Mrs Pineapple sorgen mit ihren eigenen Eheproblemen und ihrer Eifersucht für weitere Verwicklungen. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen zunehmend ineinander. Das Kussgesetz, geheime Identitäten und die unterschiedlichen Heiratsabsichten führen dazu, dass immer neue Kombinationen und Missverständnisse entstehen.
Schließlich werden die tatsächlichen Beziehungen zwischen den Figuren aufgedeckt. Die Identitäten und Absichten der Beteiligten werden geklärt, die Liebesverwicklungen lösen sich auf und die Geschichte findet zu einer für die Musical Comedy typischen glücklichen Auflösung.
Die Handlung von A Chinese Honeymoon ist damit weniger durch eine komplexe dramatische Entwicklung als durch schnelle Verwechslungen, Liebesgeschichten und komische Situationen geprägt. Gerade diese Konstruktion entsprach dem Unterhaltungsgeschmack der britischen Musical Comedy um 1900.
KREATIV-TEAM
George Dance schrieb das Buch und die ursprünglichen Liedtexte von A Chinese Honeymoon. Er gehörte zu den Autoren und Theaterunternehmern der britischen Musical Comedy und war bereits an mehreren Bühnenproduktionen beteiligt.
Für die verschiedenen Produktionen von A Chinese Honeymoon kamen später weitere musikalische und textliche Beiträge hinzu. Die Broadway-Fassung weist unter anderem zusätzliche Arbeiten von Jean Schwartz, Ernie Woodville, M. Melville Ellis und William Jerome aus.
Howard Talbot war der wichtigste Komponist des Musicals. Er wurde 1865 als Richard Lansdale Munkittrick in Yonkers, New York, geboren und wuchs ab seinem vierten Lebensjahr in London auf.
A Chinese Honeymoon wurde zu seinem großen Durchbruch als Komponist. Später schrieb Talbot unter anderem die Musik zu The Arcadians, The Blue Moon und The Girl Behind the Counter.
Die Bühnenfassung entwickelte sich im Laufe ihrer Geschichte weiter. Neben Talbot sind insbesondere Ivan Caryll, George Dee, Jean Schwartz, Ernie Woodville und M. Melville Ellis mit einzelnen Nummern oder zusätzlichen musikalischen Beiträgen verbunden. Die Broadway-Fassung weist außerdem Beiträge von William Jerome und weiteren Autoren aus.
PREMIEREN
Die Uraufführung von A Chinese Honeymoon fand am 16. Oktober 1899 im Theatre Royal in Hanley, England, statt. Anschließend wurde das Musical zunächst ausgiebig in Großbritannien auf Tournee gespielt.
Die Londoner Produktion eröffnete am 5. Oktober 1901 im Royal Strand Theatre unter der Leitung von Frank Curzon. Sie wurde zum größten Erfolg des Stücks und lief bis 1904. Die verbreitete historische Angabe nennt 1.075 Vorstellungen; ein erhaltenes Programm aus der Theatre Collection der University of Birmingham bezeichnet die Schlussvorstellung allerdings als die 1.071. Eine solche Abweichung ist bei historischen Theaterstatistiken nicht ungewöhnlich.
Am Broadway folgte die Premiere am 2. Juni 1902 im Casino Theatre in New York. Die Produktion lief bis zum 25. April 1903 und erreichte 364 Vorstellungen. Eine weitere Broadway-Produktion folgte 1904 als Wiederaufnahme im Academy of Music und kam auf 31 Vorstellungen.
DARSTELLER
Zur Londoner Erstbesetzung gehörten unter anderem Picton Roxborough als Kaiser Hang Chow, E. Boyd-Jones als Chippee Chop, Percy Clifton als Hi Lung, Leslie Stiles als Tom Hatherton, Lionel Rignold als Mr Pineapple, Marie Dainton als Mrs Pineapple, Beatrice Edwards als Soo Soo und Louie Freear als Fi Fi. Die Besetzung wechselte während der ungewöhnlich langen Laufzeit mehrfach.
Besonders interessant ist Lily Elsie, die 1903 als Soo Soo in der Produktion auftrat. Von ihr sind mehrere zeitgenössische Porträts in dieser Rolle erhalten, darunter Fotografien und kolorierte Postkarten. Elsie wurde wenige Jahre später als Hanna Glawari in The Merry Widow international bekannt. A Chinese Honeymoon gehört damit zu den frühen Stationen ihrer Karriere.
In der Londoner Produktion übernahm später unter anderem Arthur Williams die Rolle des Mr Pineapple, während Farren Soutar als Tom Hatherton auftrat. Auch von Lily Elsie und Farren Soutar sind gemeinsame Fotografien aus A Chinese Honeymoon überliefert.
Die Broadway-Erstbesetzung unterschied sich von der Londoner Besetzung. Dort spielten unter anderem Thomas Q. Seabrooke als Mr Pineapple, Edwin Stevens als Hang Chow, Van Rensselaer Wheeler als Tom Hatherton, William Pruette als Hi Lung und Amelia Stone als Soo Soo.
HISTORISCHER, KULTURELLER & HISTORISCHER KONTEXT
A Chinese Honeymoon entstand in einer Zeit, in der die britische Musical Comedy einen enormen Aufschwung erlebte. Das Publikum begeisterte sich für eine Verbindung aus eingängigen Liedern, Komik, Liebesgeschichten, aufwendigen Kostümen und exotischen Schauplätzen.
Die Darstellung Chinas in A Chinese Honeymoon entspricht allerdings nicht einer realistischen Auseinandersetzung mit chinesischer Kultur. Ylang Ylang ist ein erfundenes Kaiserreich, dessen Figuren, Bräuche und Gesetze aus westlicher Sicht als exotische Bühnenfantasie konstruiert sind. Das Stück steht damit in einer größeren Tradition europäischer und amerikanischer Bühnenwerke, die um 1900 asiatische Kulturen als exotische Kulisse für Unterhaltung verwendeten.
Aus heutiger Perspektive sind diese Stereotype kritisch zu betrachten. Gleichzeitig erklärt der historische Kontext, warum eine solche Inszenierung damals auf ein Publikum traf, das mit ähnlichen Darstellungen aus anderen erfolgreichen Bühnenwerken vertraut war.
Bemerkenswert ist zudem, dass das Musical nicht nur in Großbritannien und den USA erfolgreich war. Tourneen führten die Produktion unter anderem nach Sri Lanka, Indien, Singapur und Hongkong. Zeitgenössische Berichte bezeichneten A Chinese Honeymoon auch dort als besonders erfolgreichen Bestandteil des Tourneeprogramms.
MUSIK
Die Musik von A Chinese Honeymoon stammt überwiegend von Howard Talbot; im Laufe der verschiedenen Fassungen kamen weitere Nummern und Bearbeitungen hinzu. Zu den überlieferten Titeln gehören unter anderem:
„In Yland-Ylang“ – Ensemble
„Roly-Poly“ – Hi Lung
„A Paper Fan“ – Soo Soo
„The Emperor Hang Chow“
„A Chinese Honeymoon“ – Mr und Mrs Pineapple
„The à la Girl“ – Mrs Pineapple
„The Twiddley Bits“ – Fi Fi
„A Royal Honeymoon“ – Ensemble
„I Want to Be a Lidy“ – Fi Fi
„Mister Dooley“ – Mr Pineapple
„Dolly with a Dimple on Her Chin“ – Mrs Pineapple
„Welcome, Official Mother-in-Law“
„Tidbits from the Plays“
„Martha Spanks the Grand Pianner“ – Fi Fi
„He Is the Bridegroom“
Einige Nummern stammten nicht von Talbot. So wurde „Mister Dooley“ von Jean Schwartz komponiert und von William Jerome getextet. „Dolly with a Dimple on Her Chin“ stammt musikalisch von Ivan Caryll. Die Broadway-Dokumentation weist außerdem mehrere Nummern als nachträglich hinzugefügt oder verändert aus.
Besonders bekannt wurde „Mister Dooley“, das nach seiner Verwendung in A Chinese Honeymoon auch in der frühen Bühnenfassung von The Wizard of Oz verwendet wurde.
Auszeichnungen & Nominierungen
Für A Chinese Honeymoon sind keine Auszeichnungen oder Nominierungen im heutigen Sinn dokumentiert. Das ist bei einer Musicalproduktion aus dem Jahr 1899 nicht überraschend, da die später üblichen Preisstrukturen des Musicaltheaters damals noch nicht existierten.
Die historische Bedeutung des Stücks beruht deshalb nicht auf einem Theaterpreis, sondern auf seinem außergewöhnlichen Publikumserfolg. Die Londoner Produktion erreichte 1.075 Vorstellungen und überschritt damit als erste Musicalproduktion die Marke von 1.000 Vorstellungen. Auch die internationale Verbreitung und die Broadway-Produktion belegen den kommerziellen Erfolg des Musicals.
TRIVIA & FUN FACTS
- Historischer Rekord: A Chinese Honeymoon gilt als erste Musicalproduktion mit mehr als 1.000 Vorstellungen. Die Londoner Produktion kam auf die häufig zitierte Zahl von 1.075 Vorstellungen.
- Lily Elsie: Die spätere Merry Widow–Berühmtheit spielte Soo Soo in der Londoner Produktion. Von ihr sind mehrere Porträts aus dem Musical erhalten.
- „Mister Dooley“: Der Song wurde später in The Wizard of Oz übernommen und dort mit John Slavin in der Titelrolle verbunden.
- Internationale Tournee: Die Produktion gelangte unter anderem nach Sri Lanka, Indien, Singapur und Hongkong.
- Hohe Gewinne: Für die internationale Tournee wurden 1904 rund 60.000 Pfund Reingewinn berichtet.
- Broadway: Die ursprüngliche New Yorker Produktion lief 364 Vorstellungen
- Erhaltene Materialien: Historische Programme, Fotografien und Notenausgaben ermöglichen heute noch einen Blick auf die damalige Produktion. Die Library of Congress besitzt beispielsweise ein Werbeplakat der Broadway-Produktion von 1902.
