Timon Strick

„Zu Beginn musste ich mir erstmal einen Überblick verschaffen, was im Theater überhaupt umsetzbar ist.“

Von Marc Lohse / 17.08.26

STAGE VIBE

Timon Strick gehört zu den jungen Musicalkünstlern mit viel Erfahrung, die nicht nur auf der Bühne stehen, sondern auch selbst gestalten wollen und können.  Mit dem Sondheim-Werk „Into the Woods“ hat er erstmals Regie geführt und das Lichtdesign übernommen. Das war für uns Anlass genug, mit ihm über seinen Blick auf die kreative Verantwortung und die Arbeit hinter den Kulissen zu sprechen. Gerade weil und wie er beides zusammenbringt, wird schnell klar, dass ihn Theater nicht nur als Rolle, sondern als Gesamtform interessiert.

Man kennt dich bereits als Darsteller auf der Bühne. Für das Semesterprojekt „Into the Woods“ der Stage School Hamburg hast du nun sowohl die Regie als auch das Lichtdesign übernommen. Wie kam es zu diesem Perspektivwechsel und dann auch noch zu so einer wichtigen Doppelrolle?

TIMON

Ich wollte meinem Jahrgang mein Wissen, welches ich durch meine Vielzahl an Bühnenerfahrung habe, weitergeben. Da ich wusste, wie wenig Zeit für ein gutes Licht bei einem Semesterprojekt bleibt (max. 8 h), war mir sehr schnell klar, dass ich den Bereich auch selber abdecken möchte, um mit dem Licht die Handlung zu unterstützen.

STAGE VIBE

Warum fiel die Wahl des Semesterprojektes der Stage School Hamburg gerade auf „Into the Woods“, ein sehr komplexes Musical? Man könnte meinen, dass es zu schwer für Studierende ist.

TIMON

Wir haben viele verschiedene Stücke zusammengetragen und der Schulleitung unsere Top 5 weitergeleitet. Anschließend haben wir drei mögliche Stücke zur Auswahl bekommen. Die anderen Stücke hatten sehr klar abgegrenzte Hauptrollen und waren daher keine „Ensemble-Stücke“. Into the Woods bietet durch die verschiedenen Märchenstränge viele Positionen, die besetzt werden können. So konnten wir für viele aus unserem Jahrgang eine passende Position finden.

STAGE VIBE

Wie bist du an die Aufgaben herangegangen? Hast du von Anfang an beide Bereiche parallel geplant?

TIMON

Ich habe zu Beginn sehr viel über das Stück gelesen und alle möglichen Aufzeichnungen angesehen und schnell gemerkt, was ich möchte und was nicht. Dabei habe ich zu Beginn mich nur auf die einzelnen Rollen fokussiert und anschließend einen Blick für das große Ganze entwickelt. Das Licht kam erst relativ spät im Probenprozess dazu. Erst wenn die Szene darstellerisch fertig war, habe ich angefangen, sie dafür zu leuchten.

STAGE VIBE

Die Regie ist für die Story verantwortlich und das Licht für die Stimmung. War es für dich eher ein Vorteil oder eine Herausforderung, sowohl Regie als auch das Lichtdesign zu übernehmen? Und wie hast du dir die Zeit dafür eingeteilt?

TIMON

Es ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil, beide Bereiche zu kombinieren. Dadurch, dass ich genau wusste, was welche Szene auf darstellerischer Seite verlangt, konnte ich ohne Umwege die Vision vervollständigen. Tagsüber habe ich so szenisch proben können und anschließend habe ich mich am Abend ans Licht gesetzt. 

STAGE VIBE

Wie ist es dir gelungen, ein so komplexes Stück dem Publikum nahezubringen? Schließlich soll das Publikum ja nicht überfordert werden.

TIMON

Ich habe mich bemüht, so nah wie möglich am Text zu bleiben. Mir war wichtig, so klar wie möglich, ohne viele Schnörkel, die Botschaft zu vermitteln.

STAGE VIBE

Es gibt in dem Stück viele gleichwertige Rollen. Wie bist du als Regisseur damit umgegangen, dass jede Figur genug Entfaltungsspielraum bekommt?

TIMON

Es war mir wichtig, die einzelnen Figuren nicht hierarchisch zu behandeln, sondern jeder Geschichte ihren eigenen Raum zu geben. Jede Figur hat ihre eigene Entwicklung und wichtigen Beitrag zur Handlung. Besonders wichtig war mir, dass auch die leiseren Momente nicht untergehen. So entsteht am Ende ein Ensemble, in dem jede Figur ihren eigenen Platz hat und gleichzeitig Teil der gemeinsamen Geschichte ist. 

STAGE VIBE

Wie muss man sich die Arbeit mit dem Licht vorstellen? Wie erreicht man die unterschiedlichen Stimmungen?

TIMON

Zu Beginn musste ich mir erstmal einen Überblick verschaffen, was im Theater überhaupt umsetzbar ist. Anschließend orientiere ich mich immer am Stück. Daraufhin habe ich mich ans Stück gesetzt und Szene für Szene eine erste Idee geleuchtet. Sobald ich mit einem Stück fertig bin, habe ich anschließend diese ausgeschmückt. So folgt hier und da ein Effektlicht oder ein Farbwechsel. Grundsätzlich gilt hierbei: Falls der selbe Ort wiederkehrt, muss auch das Licht dieselbe Stimmung mitbringen. 

STAGE VIBE

Würdest du nochmal so eine Doppelrolle übernehmen wollen oder hat dir diese besondere Konstellation gereicht? Was nimmst du aus dieser Erfahrung mit für deine Karriere?

TIMON

Ich kann mir grundsätzlich gut vorstellen, beide Aufgaben noch einmal gleichzeitig zu betrachten. Die Arbeit ist anstrengend, aber das Ergebnis kommt so aus einem Guss und passt gut zusammen.

STAGE VIBE

Können wir in Zukunft mehr kreative Arbeit von dir erwarten oder war es nur ein einmaliger Ausflug?

TIMON

Von meiner Seite ist eine Fortsetzung im Regiebereich gut vorstellbar. Je nachdem, wann und wo sich Türen öffnen, kann ich mir gut vorstellen, den Weg zu gehen.

STAGE VIBE

Vielen Dank für das Gespräch und den spannenden Einblick in deine Arbeit. Ich bin gespannt, was wir noch alles von dir höeren werden.

Wer Timon Strick noch einmal live erleben möchte, hat am 29. August bei „Stage School goes Schmidt“ im Schmidtchen, am Spielbudenplatz in Hamburg, die Gelegenheit dazu.

Wir sehen uns im Theater!

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