Robert LuPone

Er war Schauspieler, Tänzer, Theatermacher und einer der prägenden Köpfe des New Yorker Off-Broadway. Robert LuPone wurde vor allem durch seine Rolle als Zach in der Originalproduktion von A Chorus Line bekannt. Für seine Darstellung des Regisseurs und Choreografen erhielt er 1976 eine Tony-Nominierung als bester Nebendarsteller in einem Musical. Mitbegründer und langjähriger künstlerischer Leiter des MCC Theater, gemeinsam mit Bernard Telsey und William Cantler, machte er die Bühne zu einem bedeutenden Ort für neue amerikanische Theaterstücke. Produktionen wie Frozen, Reasons to Be Pretty und Hand to God erhielten Tony-Nominierungen und wechselten anschließend an den Broadway.

Wer war Robert LuPone?

Robert LuPone wurde am 29. Juli 1946 in Brooklyn geboren und war der Zwillingsbruder von William LuPone sowie der ältere Bruder der Schauspielerin und Sängerin Patti LuPone. Seine künstlerische Ausbildung begann mit dem Tanz. Bereits als Jugendlicher studierte er im Martha Graham Studio unter anderem bei Martha Graham, Antony Tudor und José Limón. 1968 schloss er die Juilliard School mit einem Bachelor of Fine Arts in Dance ab.

Seine Broadway-Karriere begann 1968 als Tänzer in Noël Cowards Sweet Potato. Es folgten unter anderem Minnie’s Boys, The Rothschilds und The Magic Show. Den entscheidenden Wendepunkt seiner Bühnenkarriere erlebte er mit A Chorus Line: Ursprünglich als Tänzer Al besetzt, überzeugte LuPone Michael Bennett davon, dass er auch die Rolle des Regisseurs Zach übernehmen konnte. Nach einem Vorsprechen erhielt er die Rolle, die zu seiner bekanntesten Musical-Darstellung werden sollte.

Als Zach verkörperte LuPone nicht den klassischen Musical-Helden, sondern den Mann auf der anderen Seite des Vorsprechens: einen Regisseur, der eine Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern beobachtet, beurteilt und nach ihren persönlichen Geschichten fragt. Für diese Leistung wurde er 1976 für den Tony Award nominiert. A Chorus Line markierte zugleich seinen Abschied von der aktiven Tanzkarriere.

Wichtige Rollen und Erfolge

  • Zach in A Chorus Line 
  • Dauphin in Saint Joan
  • David in Late Nite Comic
  • Eddie in A View from the Bridge
  • Lee in True West
  • Murray Burns in A Thousand Clowns
 
  • Auch Off-Broadway und an regionalen Bühnen war er regelmäßig zu sehen. Für seine Darstellung in der Chicagoer Premiere von Sam Shepards The Tooth of Crime erhielt er einen Joseph Jefferson Award.
  • Auch im Fernsehen arbeitete LuPone über Jahrzehnte. Für seine Rolle als Zach Grayson in All My Children wurde er 1985 für einen Daytime Emmy nominiert. Einem breiten Publikum dürfte er außerdem als Dr. Bruce Cusamano aus The Sopranos bekannt sein. Daneben war er unter anderem in Guiding Light, Sex and the City, Law & Order und Law & Order: Criminal Intent zu sehen.
  • Seine vielleicht nachhaltigste Leistung entstand allerdings abseits der Bühne. 1986 gründete LuPone gemeinsam mit seinem ehemaligen Schauspielschüler Bernard Telsey und William Cantler die Manhattan Class Company, kurz MCC. Aus dieser Initiative entwickelte sich das heutige MCC Theater, das sich der Entwicklung und Produktion neuer Theaterstücke widmet. LuPone leitete das Theater fast vier Jahrzehnte lang als Teil eines ungewöhnlichen künstlerischen Führungsteams.
  • Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche bedeutende Produktionen. Frozen, Reasons to Be Pretty und Hand to God wurden jeweils für den Tony Award als bestes Theaterstück nominiert und anschließend am Broadway produziert. Auch das Pulitzer-Preis-gekrönte Wit gehörte zu den wichtigen Produktionen des MCC. Damit wurde LuPone zu einer Schlüsselfigur für die Entwicklung neuer amerikanischer Theaterstoffe – nicht nur als Darsteller, sondern vor allem als Förderer anderer Künstler.

Stil und Einfluss

Robert LuPones Karriere lässt sich kaum auf eine einzelne Bühnenrolle reduzieren. Seine besondere Bedeutung liegt in der Verbindung von künstlerischer Arbeit, Schauspielausbildung und Theaterentwicklung. Er begann als Tänzer, wurde mit A Chorus Line als Schauspieler bekannt und widmete sich anschließend immer stärker der Frage, welche Geschichten auf einer Bühne erzählt werden sollten.

Dabei suchte LuPone bewusst nach Stoffen mit gesellschaftlicher und persönlicher Relevanz. Seine Arbeit am MCC Theater war geprägt von der Überzeugung, dass Theater nicht nur unterhalten, sondern Gespräche auslösen sollte. Genau darin lag eine seiner wichtigsten Leistungen: Er gab neuen Autoren und Künstlern die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu entwickeln, bevor sie den Weg an größere Bühnen antraten.

Auch als Lehrer prägte er eine neue Generation von Schauspielern. Von 2005 bis 2011 leitete er das MFA-Drama-Programm der New School for Drama in New York. Seine eigene Karriere zeigt damit beispielhaft, wie vielfältig ein Weg durch das Musical- und Theatergeschäft sein kann: vom Tänzer auf der Bühne über den Schauspieler bis hin zum künstlerischen Leiter und Mentor.

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Robert LuPone starb am 27. August 2022 im Alter von 76 Jahren. Sein Vermächtnis reicht jedoch weit über seine eigene Karriere als Darsteller hinaus. Als Zach in A Chorus Line wurde er Teil eines der wichtigsten Musicals der amerikanischen Theatergeschichte. Als Mitbegründer und langjähriger künstlerischer Leiter des MCC Theater beeinflusste er anschließend über Jahrzehnte, welche neuen Stücke und Autoren in New York eine Chance bekamen.

Besonders bemerkenswert ist deshalb, dass LuPones größter Einfluss nicht unbedingt in der Anzahl seiner eigenen Hauptrollen liegt. Er gehörte zu den Theatermachern, die verstanden, dass eine Karriere auch darin bestehen kann, anderen Künstlern Raum zu geben. Das MCC Theater wurde zu einem wichtigen Sprungbrett für neue Werke, und LuPone prägte diese Entwicklung über Jahrzehnte mit. Seine Rolle in A Chorus Line bleibt dabei das sichtbare Vermächtnis eines Künstlers, dessen Wirkung hinter den Kulissen schließlich noch größer wurde als im Rampenlicht.

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