Carol Lawrence

Carol Lawrence, geboren als Carolina Maria Laraia am 5. September 1932 in Melrose Park, Illinois, ist eine amerikanische Musicaldarstellerin und Schauspielerin, die vor allem als erste Broadway-Maria in West Side Story bekannt wurde. Ihre Karriere begann Anfang der 1950er-Jahre als Tänzerin und führte sie über Broadway-Revuen und Musicals schließlich zu einer der prägendsten Rollen des amerikanischen Musiktheaters.

Lawrence wuchs in einer Familie italienischer Herkunft auf und studierte zunächst an der Northwestern University, bevor sie sich vollständig der Bühne widmete. Ihr Broadway-Debüt gab sie 1951 in der Revue Borscht Capades. Es folgten unter anderem New Faces of 1952, Plain and Fancy und South Pacific.

Der entscheidende Karriereschritt kam 1957 mit West Side Story. Für die von Jerome Robbins inszenierte und choreografierte Uraufführung wurde Lawrence nach zahlreichen Vorsprechen als Maria besetzt. Gemeinsam mit Larry Kert als Tony und Chita Rivera als Anita gehörte sie zur Originalbesetzung des Musicals. Nach dem Broadway-Erfolg blieb Lawrence über Jahrzehnte im Theater tätig und arbeitete daneben für Film und Fernsehen, in Konzerten und im Cabaret.

Wichtige Werke und Erfolge

Mit der Maria in West Side Story schuf Carol Lawrence eine der bekanntesten weiblichen Musicalrollen der Broadway-Geschichte. Die Produktion verband Leonard Bernsteins Musik, Stephen Sondheims Texte und Jerome Robbins‚ Choreografie zu einer damals ungewöhnlich eng integrierten Form des Musiktheaters. Lawrence verkörperte Maria in der ursprünglichen Broadwayproduktion von 1957 bis 1959 und kehrte 1960 noch einmal in die Rolle zurück.

Für ihre Leistung erhielt sie 1958 eine Tony-Nominierung als Beste Nebendarstellerin in einem Musical sowie den Theatre World Award. Das Original-Cast-Album von West Side Story wurde später in die Grammy Hall of Fame aufgenommen, eine Auszeichnung für die historische Aufnahme, nicht für Lawrence persönlich.

Zu ihren weiteren Broadway-Produktionen gehörten Saratoga, Subways Are for Sleeping, Night Life und I Do! I Do!, wo sie 1967 die Rolle der Agnes übernahm. Auch in späteren Jahrzehnten blieb sie dem Musical verbunden. 1993/94 kehrte sie in Kiss of the Spider Woman an den Broadway zurück und übernahm zeitweise die Rolle der Aurora beziehungsweise Spider Woman.

Neben dem Broadway arbeitete Lawrence umfangreich im regionalen Theater, auf Tourneen und im Fernsehen. Zu ihren Fernsehauftritten gehören unter anderem General Hospital, Rawhide, Murder, She Wrote und Sex and the City. 1985 erhielt sie einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame für ihre Leistungen im Live-Theater.

Stil und Einfluss

Carol Lawrences Bedeutung liegt vor allem in ihrer Verbindung von Schauspiel, Gesang und Tanz. Als Darstellerin der ersten Maria am Broadway gehörte sie zu einer Generation, für die das Musical zunehmend nicht mehr aus einzelnen Gesangs- und Tanznummern bestand, sondern durch das Zusammenspiel aller darstellerischen Mittel erzählt wurde.

Gerade West Side Story verlangte von seiner Besetzung eine ungewöhnlich enge Verbindung von Schauspiel und Bewegung. Jerome Robbins‘ Choreografie war ein wesentlicher Bestandteil der Handlung und charakterisierte die Figuren ebenso wie Musik und Dialog. Lawrence musste Maria deshalb nicht nur sängerisch und schauspielerisch gestalten, sondern sich auch in eine körperlich anspruchsvolle Gesamtchoreografie einfügen.

Ihre spätere Laufbahn zeigt zugleich eine große stilistische Bandbreite. Lawrence wechselte zwischen Musical, Schauspiel, Tournee, Fernsehen und Cabaret und ließ sich dadurch nicht dauerhaft auf ihre berühmteste Rolle reduzieren. Ihre Karriere steht damit beispielhaft für die Vielseitigkeit der amerikanischen Musicaldarstellerin und den Wandel des Berufsbildes über mehrere Generationen hinweg.

Aktuelles und Relevanz

Carol Lawrence ist auch 2026 eine wichtige Zeitzeugin der Broadway-Geschichte. Neue Broadway- oder West-End-Engagements sind derzeit nicht bekannt. Zuletzt trat sie vor allem als Vermittlerin ihrer Theatererfahrung in Erscheinung. 2024 besuchte sie eine Jugendproduktion von West Side Story in Kalifornien, sprach mit der jungen Besetzung und gab ihre Erfahrungen an die nächste Generation weiter.

Ihr Vermächtnis ist unmittelbar mit West Side Story verbunden. Das Musical gehört weiterhin zum internationalen Standardrepertoire und wird regelmäßig neu inszeniert, auch in Deutschland. Jede neue Maria steht damit letztlich in einer Interpretationsgeschichte, die 1957 mit Carol Lawrence begann.

Ihre Bedeutung reicht jedoch über diese eine Rolle hinaus. Lawrence gehört zu jener Broadway-Generation, die das moderne integrierte Musical entscheidend mitprägte und in der Schauspiel, Gesang und Tanz zu einer gemeinsamen theatralischen Sprache wurden. Ihre lange Karriere und die anhaltende Präsenz von West Side Story machen sie bis heute zu einer wichtigen Verbindung zwischen der Musicalgeschichte der 1950er-Jahre und dem zeitgenössischen Musiktheater.

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