How to Dance in Ohio

EINLEITUNG

How to Dance in Ohio ist ein herzerwärmendes Musical, das auf der preisgekrönten HBO-Dokumentation von Alexandra Shiva basiert. Im Mittelpunkt stehen sieben junge Erwachsene im Autismus-Spektrum, die sich in einer Beratungsgruppe in Columbus, Ohio, auf einen Spring Formal vorbereiten – einen Meilenstein, der ihre Routinen durcheinanderbringt und sie mit Liebe, Stress, Aufregung und dem Wunsch nach Unabhängigkeit konfrontiert. Das Musical feierte 2022 seine Uraufführung und transferierte 2023 an den Broadway, wo es als wichtiger Schritt für neurodivergente Repräsentation auf der großen Bühne gefeiert wurde.

DAS BESONDERE →

ZUSAMMENFASSUNG

In der Beratungsgruppe von Dr. Emilio Amigo treffen sich wöchentlich sieben autistische junge Erwachsene, um soziale Fähigkeiten zu üben. Als Dr. Amigo beschließt, einen Spring Formal zu organisieren, beginnt für alle ein emotionales Abenteuer: Caroline, Remy, Drew, Tommy, Mel, Jessica und Marideth müssen sich nicht nur mit Tanzschritten, sondern auch mit ihren eigenen Ängsten, Unsicherheiten und zwischenmenschlichen Konflikten auseinandersetzen. Während einige erste romantische Gefühle entdecken, kämpfen andere mit Ableismus am Arbeitsplatz oder mit familiären Erwartungen. Dr. Amigos Tochter Ashley, die wegen einer Fußverletzung ihr Tanzstudium unterbrechen musste, unterstützt die Gruppe und findet dabei ihren eigenen Weg. Am Ende lernen alle, dass Verbindung, Mut und gegenseitige Unterstützung der Schlüssel sind, um die nächsten Schritte ins Erwachsenenalter zu wagen.

HANDLUNG

! SPOILER-ALARM !“

Die Eröffnung zeigt die sieben jungen Erwachsenen, Caroline, Remy, Drew, Tommy, Mel, Jessica und Marideth, in ihren alltäglichen Routinen. Sie besuchen die soziale Kompetenzgruppe von Dr. Emilio Amigo, der sie mit kleinen Herausforderungen aus ihrer Komfortzone holt. Dr. Amigos Tochter Ashley kehrt währenddessen von ihrem Tanzstudium zurück, da sie wegen einer Fußverletzung eine Auszeit nehmen muss.

Dr. Amigo bemerkt, wie sehr sich die Gruppe verändert hat. Einige sind selbstbewusster geworden, andere kämpfen noch mit sozialen Situationen. Als ein Zeitungsartikel die Gruppe und ihre Fortschritte lobt, fühlt sich Dr. Amigo zunächst stolz, doch gleichzeitig beginnt er zu hinterfragen, ob er wirklich genug für seine Klienten tut.

Um der Gruppe weiterzuhelfen, schlägt Dr. Amigo vor, einen Spring Formal zu organisieren, eine traditionelle Tanzveranstaltung, bei der sie soziale Fähigkeiten in der Praxis anwenden können. Er kündigt an, dass ein König und eine Königin des Balls gekrönt werden, was bei Mel (nicht-binär) und Remy (in der Geschlechtsfindung) Unbehagen auslöst, da sie sich mit dieser traditionellen Rollenzuschreibung nicht wohlfühlen.

Die Vorbereitungen laufen: Die Gruppe übt Tanzschritte, Smalltalk und Begrüßungsrituale. Marideth entwickelt ihre eigene, poetische Sicht auf die Welt und ihre Ängste. Drew hingegen hadert damit, Marideth zum Tanz einzuladen. Er übt immer wieder, was er sagen will, bringt aber am Ende nur ein Buch als Geschenk mit.

Parallel dazu erlebt Mel ein Missverständnis am Arbeitsplatz: Der Manager reagiert ableistisch auf Mels Kommunikationsstil, was zu einer Überforderungssituation führt. Drew und Marideth kommen sich näher, aber Drew traut sich nicht, sie direkt zum Tanz einzuladen.

Marideth liest das Buch, das Drew ihr geschenkt hat, und beginnt, ihre eigenen Gefühle für ihn zu hinterfragen.

Ashley hat unterdessen ein schwieriges Gespräch mit ihrem Vater: Sie gesteht ihm, dass sie nach ihrer Verletzung nicht mehr zum Tanzstudium zurückkehren möchte, sondern lieber in der Beratungsgruppe arbeiten will. Dr. Amigo reagiert jedoch überfordert und entlässt sie aus Angst, sie würde sich in der Gruppe „verstecken“, anstatt ihre Träume zu verfolgen.

Caroline ermutigt Jessica, Tommy zum Tanz einzuladen. Als Jessica es endlich tut, muss sie jedoch hören, dass Tommy bereits mit Mel verabredet ist. Die Enttäuschung ist groß, und es kommt zu einem Konflikt zwischen Caroline und Jessica.

Drew bereitet sich auf den großen Moment vor: Er will Marideth endlich zum Tanz einladen. Doch als der Spring Formal beginnt, taucht Marideth nicht auf – sie ist verunsichert und hat Angst, den Abend nicht zu bewältigen. Ihr Vater hatte sie zwar zunächst ermutigt, hinzugehen, aber als Marideth kurz vor dem Termin in Panik gerät, überredet er sie stattdessen, zu Hause zu bleiben, weil er denkt, sie sei emotional noch nicht bereit dafür. Der Abend droht zu scheitern.

Dr. Amigo entschuldigt sich bei der Gruppe für den Zeitungsartikel, der einige von ihnen bloßgestellt hat, und bittet die Bloggerin, den Beitrag zu löschen. Caroline und Jessica versöhnen sich, und Caroline erzählt, dass sie sich von ihrem Freund Jay getrennt hat. Marideth überwindet schließlich ihre Angst und erscheint doch noch zum Formal – aus eigener Entscheidung, ermutigt durch die Unterstützung ihrer Freunde.

Ashley erscheint überraschend beim Tanz und verkündet, dass sie ihre Tanzkarriere beendet hat und stattdessen in der Beratungsgruppe arbeiten möchte. Sie setzt klare Grenzen gegenüber ihrem Vater. Mel ermutigt Dr. Amigo, Ashley wieder einzustellen und zwar diesmal mit einer Beförderung.

Der zweite Tanzversuch ist ein voller Erfolg. Drew fragt Marideth endlich zum Tanz, und alle feiern gemeinsam. Im Finale wird deutlich: Jeder hat seine eigenen Hürden überwunden und ist ein Stück weiter auf dem Weg ins Erwachsenenleben.

KREATIV-TEAM

Buch und Liedtexte: Rebekah Greer Melocik

Musik: Jacob Yandura

Regie: Sammi Cannold

Choreografie: Mayte Natalio

Musikalische Leitung: Lily Ling

Bühnenbild: Robert Brill

Kostümbild: Sarafina Bush (Broadway) / Michael Ryan Andolsek (Syracuse, Co-Kostüm)

Produktionsleitung: Scott Rowen

Besonders hervorzuheben ist das Engagement für authentische Repräsentation: Das Produktionsteam arbeitete mit einer Accessibility-Beratung, darunter die autistische Creative Consultant Ava Xiao-Lin Rigelhaupt und die Script Consultant Nicole D’Angelo.

PREMIEREN

Die Uraufführung von How to Dance in Ohio fand am 21. September 2022 am Syracuse Stage statt und lief bis zum 9. Oktober 2022.

Nach dem großen Erfolg wurde das Musical für den Broadway adaptiert und feierte dort am 10. Dezember 2023 im Belasco Theatre seine Premiere. Die Broadway-Produktion schloss am 11. Februar 2024 nach einer begrenzten Laufzeit.

DARSTELLER

Die Originalbesetzung am Broadway umfasste sieben offen autistische Darsteller. Ein historischer Meilenstein für neurodivergente Repräsentation am Broadway.

Broadway-Premiere (Dezember 2023):

Dr. Emilio Amigo: Caesar Samayoa

Remy: Desmond Luis Edwards

Drew: Liam Pearce

Mel: Conor Tague

Jessica: Ashley Wool

Caroline: Amelia Fei

Marideth: Madison Kopec

Tommy: Imani Russell

Ashley Amigo: Cristina Sastre

Weitere Ensemble-Mitglieder: Darlesia Cearcy, Haven Burton, Nick Gaswirth, Carlos L. Encinias, Melina Kalomas.

Die Syracuse-Premiere (2022) wurde von Wilson Jermaine Heredia als Dr. Amigo angeführt, während die meisten anderen Rollen von den späteren Broadway-Darstellern gespielt wurden.

HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT

How to Dance in Ohio basiert auf der gleichnamigen HBO-Dokumentation von Alexandra Shiva aus dem Jahr 2015, die den Peabody Award gewann und beim Sundance Film Festival uraufgeführt wurde. Der Film porträtierte drei junge Frauen im Autismus-Spektrum, die sich in Columbus, Ohio, auf einen Spring Formal vorbereiten.

Das Musical erweitert diese Geschichte auf sieben Charaktere und beleuchtet Themen wie neurodivergente Identität, soziale Inklusion, Ableismus und den Übergang ins Erwachsenenleben. Es war eine der ersten Broadway-Produktionen, die offen autistische Darsteller in zentralen Rollen besetzte und mit einem Accessibility-Team zusammenarbeitete, um authentische Repräsentation zu gewährleisten.

Kulturell markiert das Musical einen wichtigen Schritt in Richtung Diversität und Inklusion im amerikanischen Musiktheater und zeigt, dass Geschichten über neurodivergente Menschen nicht nur Nischenthemen sind, sondern universelle Erfahrungen von Zugehörigkeit, Liebe und Selbstfindung erzählen.

MUSIK

Das Musical umfasst eine Vielzahl emotionaler und energiegeladener Songs, die die innere Welt der Charaktere widerspiegeln.

„Today Is“ – Eröffnungsnummer der gesamten Company über den Mut, den Tag zu nutzen

„The How-To’s“ – Dr. Amigo und die Gruppe reflektieren über soziale Regeln

„How to Dance in Ohio“ – Titelsong, in dem Dr. Amigo den Spring Formal ankündigt

„Unlikely Animals“ – Marideths poetischer Solo über ihre Ängste

„Waves and Wires“ –  Ensemble-Nummer über Überforderung und Missverständnisse

„Drift“ – Marideths Ballade über aufkommende Gefühle für Drew

„Terminally Human“ – Dr. Amigos emotionale Reflexion über Vaterschaft und Verantwortung

„So Much in Common“ – Jessica und Tommy über Freundschaft und Enttäuschung

„Building Momentum“ – Drews „11-Uhr-Song“ vor dem großen Moment

„The Second Chance Dance“ – Feiernummer über Neuanfänge

„Finale“ – Abschluss der Company mit der Botschaft von Mut und Verbindung

AUSZEICHNUNGEN / NOMINIERUNGEN

Obwohl How to Dance in Ohio bei den Tony Awards 2024 keine Nominierungen erhielt, wurde die Produktion als wichtiger kultureller Beitrag gefeiert, insbesondere für die Besetzung von sieben offen autistischen Darstellern und die Zusammenarbeit mit einem Accessibility-Team.

Das Musical wurde mit dem Anthem Award für Diversität und Inklusion ausgezeichnet und erhielt positive Kritiken für seine authentische Darstellung neurodivergenter Erfahrungen.

TRIVIA & FUN FACTS

How to Dance in Ohio war das letzte Projekt, an dem der legendäre Broadway-Produzent Harold Prince vor seinem Tod arbeitete. Das Musical ist ihm gewidmet.

Sieben der Broadway-Darsteller sind offen autistisch. Ein historischer Rekord für neurodivergente Repräsentation am Broadway.

Die Dokumentation, auf der das Musical basiert, wurde über drei Monate im Jahr 2013 in Columbus, Ohio, gedreht.

Regisseurin Sammi Cannold gab mit dieser Produktion ihr Broadway-Debüt, ebenso wie Komponist Jacob Yandura und Buchautorin Rebekah Greer Melocik.

Das Musical wurde in Zusammenarbeit mit einem Accessibility-Team entwickelt, das sicherstellte, dass autistische Erfahrungen authentisch und respektvoll dargestellt wurden.