The Color Purple

EINLEITUNG

The Color Purple ist ein Musical nach dem gleichnamigen Roman von Alice Walker. Im Mittelpunkt steht Celie, eine junge Schwarze Frau im ländlichen Georgia des frühen 20. Jahrhunderts, die über Jahrzehnte Gewalt, Unterdrückung und Trennung von ihrer Schwester Nettie erlebt. Das Musical erzählt jedoch nicht nur von Schmerz, sondern vor allem von Celies Weg zu Selbstbestimmung, Selbstachtung und persönlicher Freiheit. Mit Musik von Brenda Russell, Allee Willis und Stephen Bray sowie einem Buch von Marsha Norman verbindet The Color Purple Gospel, Blues, Jazz, Ragtime und Pop zu einer emotionalen Bühnenfassung.

DAS BESONDERE →

ZUSAMMENFASSUNG

Celie wächst in Georgia unter schwierigen Bedingungen auf. Bereits als Jugendliche wird sie von ihrem Stiefvater missbraucht und bekommt zwei Kinder, die ihr unmittelbar nach der Geburt weggenommen werden. Ihre geliebte Schwester Nettie ist der einzige Mensch, zu dem sie eine enge Verbindung hat. Doch auch diese Beziehung wird zerstört, als Celie an Albert, genannt Mister, verheiratet wird und Nettie aus seinem Haus vertreibt.

Jahre später lebt Celie weiterhin in einer von Gewalt und Unterordnung geprägten Ehe. Eine entscheidende Veränderung bringt Shug Avery, eine selbstbewusste Sängerin und Alberts große Liebe. Zwischen Shug und Celie entsteht eine tiefe emotionale Beziehung, durch die Celie erstmals erfährt, dass ihr eigenes Leben und ihre Wünsche Bedeutung haben.

Als Celie schließlich entdeckt, dass Albert jahrelang die Briefe ihrer Schwester versteckt hat, beginnt sie, sich gegen ihn aufzulehnen. Sie verlässt ihn und baut sich mit dem Verkauf selbstgenähter Hosen ein eigenes Leben auf. Während Nettie inzwischen in Afrika lebt und Celies Kinder betreut, findet Celie zunehmend zu sich selbst. Nach Alberts persönlicher Wandlung und der Rückkehr Netties kommt es schließlich zur lang ersehnten Wiedervereinigung der Schwestern.

HANDLUNG

! SPOILER-ALARM !

Celies Kindheit und die Trennung von Nettie

Die Geschichte beginnt im ländlichen Georgia zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Celie ist noch ein junges Mädchen, als sie von ihrem Stiefvater missbraucht wird. Sie bringt zwei Kinder zur Welt, die ihr unmittelbar nach der Geburt weggenommen werden. Trost findet sie vor allem bei ihrer jüngeren Schwester Nettie. Die beiden Schwestern sind eng miteinander verbunden und versuchen, trotz ihrer schwierigen Lebensumstände füreinander da zu sein.

Als Nettie ebenfalls von ihrem Stiefvater bedroht wird, flieht sie zu Celie. Doch deren Ehemann Albert, der von Celie vor allem wegen ihrer Arbeitskraft und ihrer Bereitschaft zur Unterordnung erwartet, weist Nettie zurück. Celie muss mit ansehen, wie ihre Schwester ihr Leben verlässt. Albert sorgt zudem dafür, dass Celie keinen Kontakt zu Nettie halten kann.

Celie bei Mister

Celie wird Albert, genannt Mister, zur Frau gegeben. Ihre Ehe ist von körperlicher und psychischer Gewalt geprägt. Albert behandelt Celie nicht als gleichberechtigte Partnerin, sondern erwartet von ihr, den Haushalt zu führen, seine Kinder zu versorgen und ihm zu gehorchen.

Celie findet zunächst kaum eine Möglichkeit, sich gegen diese Situation zu wehren. Ihre Briefe an Gott werden zu einem wichtigen Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle. Sie versucht, das Erlebte zu verstehen und irgendwie Hoffnung zu bewahren.

Gleichzeitig verändert sich Alberts Familie. Sein Sohn Harpo heiratet Sofia, eine außergewöhnlich selbstbewusste Frau. Sofia weigert sich, sich ihrem Mann unterzuordnen, und reagiert entschieden auf die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Dadurch entsteht ein deutlicher Kontrast zu Celies zunächst resignierter Haltung.

Shug Avery verändert Celies Leben

Eine neue Perspektive eröffnet sich, als Shug Avery nach Hause kommt. Shug ist Sängerin, selbstbewusst, unabhängig und gesellschaftlichen Erwartungen gegenüber wenig kompromissbereit. Albert liebt sie seit Langem, doch Shug interessiert sich zunehmend für Celie.

Zwischen den beiden Frauen entsteht eine enge Beziehung. Shug erkennt, wie sehr Celie unter Alberts Behandlung leidet, und gibt ihr erstmals das Gefühl, als eigenständiger Mensch wahrgenommen zu werden. Celie beginnt, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Shug hilft ihr außerdem dabei, einen wichtigen Teil ihrer Vergangenheit zu verstehen: die verschwundenen Briefe von Nettie. Celie erfährt, dass Albert die Briefe ihrer Schwester jahrelang versteckt hat.

Netties Leben in Afrika

Während Celie in Georgia ums Überleben kämpft, lebt Nettie in Afrika. Sie arbeitet dort als Missionarin und berichtet ihrer Schwester in ihren Briefen von ihrem Leben und von den Kindern, die inzwischen bei ihr leben.

Durch Netties Perspektive erweitert sich die Geschichte über Celies unmittelbare Lebenswelt hinaus. Ihre Briefe erzählen von Afrika, von kulturellen Unterschieden und von den Erfahrungen einer Familie, die durch Gewalt, Rassismus und gesellschaftliche Strukturen auseinandergerissen wurde.

Für Celie sind die Briefe zugleich der Beweis, dass Nettie sie nie vergessen hat.

Sofia und Harpo

Auch Sofias Geschichte nimmt eine entscheidende Wendung. Sie gerät in Konflikt mit der rassistischen Gesellschaft, als sie sich gegen die Erwartungen einer weißen Familie behauptet. Die Konsequenzen sind brutal: Sofia wird verhaftet und verliert einen großen Teil ihrer Freiheit.

Diese Entwicklung zeigt, dass die Unterdrückung der Figuren unterschiedliche Formen annimmt. Celie erlebt Gewalt innerhalb der Familie und Ehe, Sofia wird zusätzlich durch rassistische Machtstrukturen eingeschränkt.

Celies Befreiung

Der entscheidende Wendepunkt kommt, als Celie die Briefe Netties liest und erkennt, wie lange Albert sie belogen hat. Shug bestärkt sie darin, ihr eigenes Leben nicht länger von Albert bestimmen zu lassen.

Celie beschließt, ihn zu verlassen und mit Shug nach Memphis zu gehen. Zum ersten Mal trifft sie eine Entscheidung ausschließlich für sich selbst. Aus der Frau, die lange geglaubt hat, keine eigene Stimme zu besitzen, wird eine selbstständige Unternehmerin.

Sie beginnt, Hosen zu nähen und zu verkaufen. Aus dieser Tätigkeit entwickelt sich „Miss Celie’s Pants“. Die Arbeit steht symbolisch für Celies neu gewonnenes Selbstvertrauen: Sie erschafft etwas mit ihren eigenen Händen und verdient damit ihr eigenes Geld.

Die Rückkehr und Versöhnung

Celies Verhältnis zu Albert verändert sich ebenfalls. Nachdem Celie ihn verlassen hat, beginnt Albert, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Er erkennt zunehmend, welchen Schaden er angerichtet hat.

Unterdessen setzt Celie ihr Leben fort und gewinnt immer mehr Selbstvertrauen. Ihre Beziehung zu Shug bleibt ein wichtiger Bestandteil ihrer Entwicklung, auch wenn ihr Lebensweg nicht ausschließlich von dieser Beziehung bestimmt wird.

Am Ende kehrt Nettie nach vielen Jahren zurück. Celie begegnet ihrer Schwester wieder und trifft zugleich auf ihre inzwischen erwachsenen Kinder. Die lange Trennung findet endlich ein Ende.

Celies Geschichte endet damit nicht, dass alle vergangenen Verletzungen ungeschehen gemacht werden. Vielmehr hat sie gelernt, ihre eigene Identität anzunehmen und ihr Leben selbst zu bestimmen. Aus einem Leben voller Gewalt und Fremdbestimmung ist ein Leben geworden, in dem Liebe, Familie, Selbstachtung und Freiheit ihren eigenen Platz bekommen.

KRETIV-TEAM

Die Autoren des Musicals

Das Buch stammt von Marsha Norman, die für ihre Arbeit unter anderem mit dem Pulitzer Prize und einem Tony Award ausgezeichnet wurde.

Die Musik und Liedtexte wurden gemeinsam von Brenda Russell, Allee Willis und Stephen Bray geschrieben. Ihre Partitur verbindet unterschiedliche afroamerikanische und populäre Musiktraditionen und gibt den Figuren jeweils eine eigene musikalische Stimme.

Die ursprüngliche Broadway-Produktion wurde von Gary Griffin inszeniert und von Donald Byrd choreografiert.

 Für Bühne, Licht, Kostüme und Ton zeichneten John Lee Beatty, Brian MacDevitt, Paul Tazewell und Jon Weston verantwortlich. Die musikalische Leitung übernahm Linda Twine; die Orchestrierung stammte von Jonathan Tunick.

PREMIEREN

Die Weltpremiere von The Color Purple fand am 17. September 2004 am Alliance Theatre in Atlanta statt. Bereits ab dem 9. September gab es Vorstellungen im Rahmen der Previews. Die Produktion lief bis zum 17. Oktober 2004 und wurde von der Alliance Theatre Company produziert.

Die Broadway-Premiere folgte am 1. Dezember 2005 im Broadway Theatre in New York. Nach 30 Previews und insgesamt 910 regulären Vorstellungen endete die Produktion am 24. Februar 2008.

Eine wichtige Station in der weiteren Geschichte des Musicals war die europäische Premiere an der Menier Chocolate Factory in London 2013. John Doyle entwickelte dort eine wesentlich konzentriertere Fassung. Diese Produktion bildete die Grundlage für das Broadway-Revival, das am 10. Dezember 2015 im Bernard B. Jacobs Theatre eröffnet wurde und bis zum 8. Januar 2017 lief.

DARSTELLER

Bei der Weltpremiere 2004 in Atlanta spielte LaChanze die Celie. Felicia P. Fields übernahm Sofia, Saycon Sengbloh spielte Nettie, Adriane Lenox war Shug Avery und Kingsley Leggs verkörperte Mister. Brandon Victor Dixon spielte Harpo.

Für die Broadway-Produktion von 2005 wurden mehrere Rollen neu besetzt. LaChanze blieb Celie, während Renée Elise Goldsberry Nettie, Elisabeth Withers-Mendes Shug Avery, Felicia P. Fields Sofia, Kingsley Leggs Mister und Brandon Victor Dixon Harpo spielten.

Zu den besonders bekannten späteren Darstellerinnen gehört Fantasia Barrino, die 2007 ihr Broadway-Debüt als Celie gab. Die Rolle wurde später unter anderem von Jeannette Bayardelle übernommen.

Für die überarbeitete Broadway-Produktion von 2015 standen Cynthia Erivo als Celie, Jennifer Hudson als Shug Avery und Danielle Brooks als Sofia im Zentrum. Erivo wurde für ihre Darstellung mit dem Tony Award als beste Hauptdarstellerin in einem Musical ausgezeichnet.

HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT

Die Grundlage für das Musical bildet Alice Walkers Roman The Color Purple von 1982. Das Werk gehört zu den bedeutenden Texten der afroamerikanischen Literatur und erzählt von Schwarzen Frauen im ländlichen Georgia des frühen 20. Jahrhunderts. 1983 erhielt der Roman sowohl den Pulitzer Prize for Fiction als auch den National Book Award for Fiction.

Im Zentrum stehen Themen wie Rassismus, Sexismus, häusliche Gewalt, sexuelle Ausbeutung, Armut, Schwesternschaft und Selbstbestimmung. Gleichzeitig beschäftigt sich die Geschichte mit der Frage, wie Menschen nach traumatischen Erfahrungen ihre eigene Stimme wiederfinden können.


Eine besondere Bedeutung besitzt die Beziehung zwischen Celie und Shug Avery. Shug eröffnet Celie einen Zugang zu Liebe, Sinnlichkeit und Selbstbestimmung, der sich deutlich von den patriarchalen Vorstellungen ihrer bisherigen Lebenswelt unterscheidet. Das Musical erzählt damit auch von weiblicher Solidarität und der Möglichkeit, gesellschaftlich vorgegebene Rollen zu überwinden.

Die Musik greift Gospel, Blues, Jazz, Ragtime, Swing, afrikanische Einflüsse und Pop auf und verankert die Geschichte damit auch musikalisch in der afroamerikanischen Kulturgeschichte.

MUSIK

Die Musikstile von The Color Purple verbindet Gospel, Blues, Jazz, Ragtime und Pop. Besonders die überarbeitete Fassung von 2015 konzentriert sich musikalisch stärker auf Celies Entwicklung.

Wichtige Songs der überarbeiteten Fassung

„Huckleberry Pie“ – führt in Celies frühe Lebenswelt ein.

„Mysterious Ways“ – eröffnet den emotionalen und spirituellen Rahmen der Geschichte.

„Somebody Gonna Love You“ – Celies Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung.

„Our Prayer“ – verbindet Celie und Nettie über ihre gemeinsame Hoffnung.

„Big Dog“ – zeichnet Alberts dominantes Rollenverständnis.

„Hell No!“ – Sofias kraftvolle Absage an Unterordnung.

„Brown Betty“ – rhythmische Nummer rund um Harpo und Squeak.

„Shug Avery Comin‘ to Town“ – Shugs Ankunft verändert Celies Leben.

„Too Beautiful for Words“ – Shugs Ausdruck von Gefühlen, die kaum in Worte zu fassen sind.

„Push Da Button“ – selbstbewusste, energiegeladene Nummer um Shug.

„What About Love?“ – zentrale Liebes- und Sehnsuchtsnummer von Celie und Shug.

„African Homeland“ – verbindet Netties Geschichte mit ihrer neuen Lebenswelt.

„The Color Purple“ – zentrale musikalische Aussage über Schönheit, Leben und Selbstwahrnehmung.

„Mister’s Song“ – gibt Albert erstmals eine eigene Perspektive.

„Miss Celie’s Pants“ – steht für Celies wirtschaftliche und persönliche Unabhängigkeit.

„Any Little Thing“ – zeigt die veränderte Lebenssituation von Harpo und Sofia.

„I’m Here“ – Celies große Emanzipationsnummer und einer der bekanntesten Songs des Musicals.

„The Color Purple“ (Reprise) – führt die musikalische Botschaft des Stücks zum Finale zurück.

Die ursprüngliche Fassung enthielt darüber hinaus weitere Nummern wie „Walkin‘ Home“, „Move On Up“, „I Really Want That Girl“, „She Be Mine“, „Bring My Nettie Back“, „Dear God, Sofia!“, „A Tree Named Sofia“, „Dear God“, „Shug“, „God Is“ und „A Church Ladies‘ Easter“. Die Überarbeitung strich beziehungsweise veränderte mehrere dieser Nummern.

AUSZEICHNUNGEN & NOMINIERUNGEN

Die ursprüngliche Broadway-Produktion erhielt bei den Tony Awards 2006 insgesamt elf Nominierungen. Dazu gehörten unter anderem Nominierungen als Bestes Musical, für Marsha Normans Buch, die Originalmusik von Russell, Willis und Bray sowie für Donald Byrds Choreografie und mehrere Design-Kategorien. LaChanze gewann den Tony Award als beste Hauptdarstellerin in einem Musical.

Auch das Revival von 2015 war ausgesprochen erfolgreich. Bei den Tony Awards 2016 gewann The Color Purple den Preis als Best Revival of a Musical, während Cynthia Erivo als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Danielle Brooks und Regisseur John Doyle erhielten weitere Nominierungen.

Darüber hinaus wurde das Revival unter anderem mit Drama-Desk-, Drama-League-, Outer-Critics-Circle- und Theatre-World-Awards gewürdigt. Cynthia Erivo und Danielle Brooks erhielten für ihre Leistungen ebenfalls Theatre-World-Auszeichnungen.

TRIVIA & FUN FACTS

Die Musicalfassung entstand auf Grundlage von Alice Walkers Roman und wurde zusätzlich durch die bekannte Verfilmung von 1985 geprägt.

Oprah Winfrey, die im Film von 1985 Sofia gespielt hatte, gehörte zu den Produzenten der ursprünglichen Broadway-Produktion.

Die Weltpremiere fand nicht in New York, sondern am Alliance Theatre in Atlanta statt. Die Produktion war von Anfang an mit dem Ziel entwickelt worden, anschließend den Broadway zu erreichen.

Die ursprüngliche Broadway-Produktion brachte es auf 910 reguläre Vorstellungen.

Fantasia Barrino gab 2007 als Celie ihr Broadway-Debüt und übernahm damit eine der anspruchsvollsten Rollen des Musicals.

Das Londoner Revival von John Doyle veränderte die Struktur des Stücks erheblich und rückte Celie noch stärker ins Zentrum.

Der Song „I’m Here“ entwickelte sich zu einem der bekanntesten Stücke aus The Color Purple und ist eng mit Celies persönlicher Emanzipation verbunden.

2023 kam erneut eine filmische Adaption von The Color Purple in die Kinos. Sie basiert sowohl auf Walkers Roman als auch auf dem Musical und brachte damit die Musicalfassung einem neuen Publikum näher.