Clara Marie Hendel

STAGE VIBE:

Liebe Clara, warum hast du dich gerade für ein queeres Musical entschieden?

CLARA:

Das ist eine super spannende Frage und ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht wie ich sie beantworten soll. Für mich ist Queersein in diesem Genre, in diesem Business und in diesem Beruf ein schöner Teil des Alltags und der Normalität. Die Frage „warum ich mich für ein queeres Musical entschieden habe“ erinnert mich daran, dass ich ja sonst auch nie gefragt werde, wieso ich mich für ein „heterosexuelles Musical“ entschieden habe. Genau das macht diese Frage irgendwie absurd, aber natürlich auch umso so wichtiger: denn sie zeigt erneut die gesellschaftliche Diskrepanz zwischen queer und nicht-queer auf. Queersein ist in unserer Welt (und nicht nur der Musical-Welt sondern meiner Erfahrung nach auch in der Kunst- und Kulturszene allgemein) vermutlich „normaler“ als Nicht-queer zu sein. Und mit „normal“ meine ich damit nicht, dass es queere Menschen GIBT (denn die gibt es überall auf der Welt, in jeder Bubble und jeder Szene), sondern dass sie gesehen, akzeptiert, geliebt, gehört und unterstützt werden, wie jeder andere Mensch auch.

„Nur weil sie sich nicht zeigen, heißt es nicht, dass sie nicht echt sind“ heißt es in dem Stück. Und genau da kann doch Theater ansetzen und die Menschen, wie sie sind und in ihrer Vielfalt und Echtheit, zeigen und repräsentieren. Aber gerade nichtbinäre Personen und auch lesbische Liebesgeschichten wurden bisher einfach kaum gezeigt. Es ist längst Zeit, dass sich das ändert und dass sich diese echte „Normalität“ auch in den Stücken, Spielplänen und Inszenierungen widerspiegelt – und vor Allem: sie auch von der Politik ernst genommen, gesehen und gefördert wird. Ich bin froh und stolz, dass ich als Darstellerin meinen Teil auf der Bühne dazu beitragen darf. Also um die Frage zu beantworten: Ich habe mich in erster Linie einfach für dieses Projekt entschieden. Für die Geschichten, die es erzählt und die Fragen, die es stellt – ganz alltäglich, menschlich und pur. Und ich habe mich für die Menschen entschieden, die es kreieren und mitgestalten und für die Rolle. Dass dieses Projekt auch noch queer ist, macht es vor dem Hintergrund einer leider mangelnden Repräsentation (der oben beschriebenen „Lücke“, vor allem auch im Bereich der nicht-binären und lesbischen Geschichten) auch noch zu einem Statement, welches ich voller Stolz vertreten und unterstützen will.

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