Die Königs schenken nach

Rezension: Marc Lohse

Hamburg, 15.07.26

"Die Königs schenken nach!“
Familienchaos mit Kiez-Herz im Schmidt Theater

Am 15. Juli 2026 zeigte das Schmidt Theater in Hamburg einmal mehr, wofür es steht: ehrliche, bodenständige Musicals ohne Hochglanz. „Die Königs schenken nach!“ setzt auf Kiez-Charme, pointierten Humor und ein Ensemble, das sichtbar Spaß an der eigenen Wandlungsfähigkeit hat! Es liefert damit einen extrem lustigen, temporeichen Abend voller Herz.

Nach dem Erfolg von „Die Königs vom Kiez – Mit Herz und Promille“ schicken Martin Lingnau, Heiko Wohlgemuth und Mark Needham die Familie König in ein neues Abenteuer: Seit Oma bei der GlücksSpirale die lebenslange Sofortrente gewonnen hat, herrscht im heimischen Souterrain plötzlich Wohlstand, mit allen Verlockungen und Übertreibungen, die man von dieser Sippe erwarten darf. Vater König, von allen nur Käpt’n genannt, investiert das Geld wieder lieber in der Kneipe um die Ecke, und schon bald gerät die Lage aus dem Ruder und die Familie findet sich im reinen Chaos wieder. Ging es vorher noch um Geldsorgen, steht nun das nackte Überleben im Mittelpunkt – natürlich mit dem gewohnten St.-Pauli-Charme.

Ehrliches Musical statt Glamour-Show

Was diese Produktion auszeichnet, ist ihre Treue zum eigenen Profil: kein aufgesetzter Glanz, sondern ein Musical, das von seinen Figuren und vom direkten Draht zum Publikum lebt. Die Bühne zeichnet keine überzeichnete, sondern liebevoll beobachtete Milieuwelt, in der sich das Hamburg-Publikum sofort zurechtfindet. Das der Abend dabei nie bemüht wirkt, liegt vor allem daran, dass das Ensemble seine Figuren ernst nimmt, selbst wenn die Gags im Minutentakt kommen.

Musik: Emotion statt Ohrwurm-Kalkül

Musikalisch überzeugt der Abend auf ganzer Linie. Alle Songs sind deutschsprachig und inhaltlich passgenau auf die Handlung zugeschnitten. Die mitreißenden Nummern, inklusive Ohrwurmgarantie, verfehlt sseine Wirkung nicht und auch die ruhigeren Songs sind mehr als bloße Verschnaufpausen.  Sämtliche Songs sind sauber vorgetragen, emotional dicht, und der Geschichte spürbar zugewandt. Die Musik erzählt konsequent mit, statt sich als Show-Einlage darüberzulegen.

Das Ensemble bringt dafür stimmlich und choreografisch alles mit, was es braucht: kraftvoll in den großen Nummern, tragfähig auch in den leisen Momenten. 

Humor mit Reibung statt Klamauk

Komik ist ständig präsent, kippt aber nie ins Alberne. Viele der besten Lacher entstehen nicht aus Pointen, sondern aus Situationen: aus Blicken, Pausen, aus dem Zusammenspiel zwischen Figuren, die dann vielleicht doch nicht so geplant waren und somit an einander vorbeireden. Besonders die Beziehung zwischen den Käpt’n und Berta liefern einen dichten Strom komischer Momente. Dabei bleiben die Figuren immer erkennbar. Man lacht mit ihnen, nicht über sie.

Ein Ensemble mit Kiez-DNA

Götz Fuhrmann als Käpt’n König trägt den Abend mit einer Mischung aus Lautstärke, Verletzlichkeit und schnoddrigem Witz. Sein Käpt’n trägt das Herz auf der Zunge und kreist doch meist um sich selbst: egozentrisch, überfordert, und gerade darin immer wieder berührend. Fuhrmann lässt die Figur nie zur reinen Karikatur werden: Hinter dem Dauer-Chaos blitzt immer wieder der Mann auf, der eigentlich nur sein Leben und seine Kinder im Griff haben will. Seine  vergeblichen Fluchtversuche vor Bertas Avancen nutzt er für ein sehr präzises komödiantisches Timing.

Carolin Spiess als Berta ist die Spaßbombe des Abends. Ihre Berta lässt sich von Körben nicht beirren, sondern wirbt nur noch entschlossener weiter. Spiess spielt mit enormer Energie, setzt ihre Stimme kraftvoll ein und landet ihre Pointen zuverlässig und schafft es trotzdem, Berta ein Herz zu geben, das sie vor der bloßen Nummernrevue bewahrt.

Jessica Rühle prägt den Abend als eines der König-Kinder mit Spielfreude und gesanglicher Stärke. Zwischen Rebellion, Anpassung und echter Zuneigung zur chaotischen Familie findet sie eine glaubwürdige Balance. Eine Rolle, in der sie Präzision, Gefühl und Witz gleichzeitig zeigt.

Christian Petru fällt vor allem durch Mimik und ein sehr vielseitiges Spiel auf. Über Gestik, Blicke und Haltung gibt er seiner Figur auch in dichten Ensembleszenen Kontur und bleibt im schnellen Wechsel zwischen Humor und Ernst durchgehend präzise. Ein wichtiger Anker an einem Abend mit vielen Rollenwechseln und hoher Gagdichte.

Veit Schäfermeier ist der Wandlungsmeister des Abends. In seinen zahlreichen Rollen, allen voran der Mafiaboss, findet er eine reizvolle Mischung aus latent bedrohlicher Präsenz und augenzwinkernder Überzeichnung. Jede Figur bekommt eigene Körperlichkeit und Stimme, sodass das Publikum trotz ständiger Verkleidungswechsel nie den Überblick verliert.

Marlon Wehmeier als Polizist gibt seiner Figur eine sympathische, leicht überforderte Note. Er wirkt wie der Versuch von Ordnung in einem System, das per Definition chaotisch ist, und genau daraus zieht die Figur ihre Komik, ohne selbst zur Karikatur zu werden.

Kathrin Meier als Frau des Polizisten gestaltet eine Rolle, die leicht zur Randfigur werden könnte. Aber wo sie auftritt, entstehen immer wieder kleine Momente, die jeder von uns aus dem Alltag kennt und, bei allem Humor, eine menschliche Erdung in die Szenen reinbringt.

Fazit

Das Schmidt Theater liefert mit „Die Königs schenken nach!“ genau das, wofür man es liebt: warmherzige Unterhaltung, getragen von einem Ensemble, das seine Figuren mag und ihnen deshalb auch die lautesten Gags glaubt. Wer Lust auf einen sehr lustigen Musicalabend mit klarer Hamburger Handschrift hat, ist bei den Königs genau richtig.

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