Das tapfere Schneiderlein
Rezension: Marc Lohse
Hamburg 18.10.26
Sieben Fliegen, vier Darsteller und jede Menge Lachmomente:
Mit fantasievollen Kostümen, wandelbaren Bühnenbildern und einem spielfreudigen Ensemble verwandelt das Allee Theater das Märchen der Brüder Grimm in ein mehr als unterhaltsames Musiktheatererlebnis für die ganze Familie.
Schon bevor sich der Vorhang hebt, liegt im Theatersaal des Allee Theaters eine besondere Spannung in der Luft. Die Kinder blicken neugierig zur Bühne, tuscheln miteinander und warten gespannt darauf, welche märchenhaften Abenteuer sie erwarten. Mit der Premiere von „Das tapfere Schneiderlein“ wird ihre Neugier belohnt: Die Inszenierung von Marius Adam entführt das Publikum in eine fantasievolle Märchenwelt, in der Musik, Humor und ein spielfreudiges Ensemble für kurzweilige Unterhaltung sorgen. Dabei zeigt sich schnell, dass diese Produktion nicht nur die jüngsten Zuschauer begeistert, sondern auch Erwachsenen zahlreiche Gründe zum Schmunzeln und Lachen bietet.
Eine Bühne voller Überraschungen
Schon die Ausstattung macht Lust darauf, in diese Märchenwelt einzutauchen. Das Bühnenbild von Kathrin Kegler ist abwechslungsreich gestaltet und steckt voller liebevoller Details. Besonders gelungen sind die technisch raffinierten Übergänge zwischen den einzelnen Szenen und Schauplätzen. Die Bilder gehen fließend ineinander über, sodass die Geschichte ihren Schwung behält und das nächste Abenteuer scheinbar ganz selbstverständlich aus dem vorherigen entsteht.
Ein besonders origineller Einfall ist der Fliegenschwarm: Statt die kleinen Plagegeister imaginär darzustellen, wird ein Mobile eingesetzt, das den Fliegenschwarm auf kreative und zugleich charmante Weise auf die Bühne bringt. Ein kleines Detail, das die Fantasie der Kinder anregt, und zeigt, wie viel Kreativität in dieser Inszenierung steckt!
Auch die Kostüme passen wunderbar in die bunte Märchenwelt. Sie sind fantasievoll, farbenfroh und kindgerecht gestaltet. Jede Begegnung verspricht neue Figuren, neue Formen und neue Bilder, die es zu entdecken gibt. Gerade für die kleinen Zuschauer ist das ein großer Spaß: Auf der Bühne gibt es immer wieder etwas zu sehen, das die eigene Vorstellungskraft beflügelt.
Melodien, bei denen die Hände nicht stillbleiben
Natürlich darf in einem Musiktheater die Musik nicht fehlen. Die Lieder sind ausgesprochen melodisch und gehen schnell ins Ohr. Immer wieder laden sie zum Mitklatschen ein, und das lassen sich die Kinder im Saal nicht zweimal sagen. Ihre Begeisterung ist unmittelbar spürbar, wenn aus aufmerksamem Zuhören ein fröhliches Mitmachen wird.
So bekommt die Aufführung eine wunderbare Lebendigkeit. Die Musik gehört ganz selbstverständlich zur Geschichte, unterstreicht ihre Stimmungen und macht die märchenhaften Abenteuer auch auf musikalischer Ebene zu einem Erlebnis. Hier darf gestaunt, gelacht und mitgemacht werden.
Marcel Harkawe:
Ein Schneiderlein, das die Kinder mitnimmt
Als tapferes Schneiderlein steht Marcel Harkawe im Mittelpunkt des Geschehens. Er spielt den Helden mit viel Charme und einer Energie, die hervorragend zu dessen abenteuerlichem Weg passt. Besonders schön sind die Momente, in denen Harkawe nicht auf der Bühne bleibt, sondern mitten im Publikum weiterspielt und den direkten Kontakt zu den Kindern sucht.
Diese Begegnungen sorgen für Nähe und manche Überraschung. Die Kinder sind plötzlich nicht mehr nur Zuschauer, sondern ganz dicht am Geschehen. Harkawe versteht es, sie in die Welt seiner Figur hineinzuziehen und ihre Neugier immer wieder neu zu wecken. Auch im Zusammenspiel mit Wusel entstehen dabei herrlich lebendige Situationen.
Luisa Neumann:
Vier Rollen, die im Gedächtnis bleiben
Luisa Neumann ist eine der prägenden Figuren dieser Inszenierung. Als Prinzessin Paula begeistert sie mit ihrer authentischen, energiegeladenen Darstellung, mit der sie die Herzen der Kinder im Sturm erobert. Sie verkörpert die Prinzessin so lebendig und nahbar, dass man ihr gerne durch die märchenhaften Abenteuer folgt. Besonders schön ist auch das Zusammenspiel und Singen mit Marcel Harkawe: Wenn die beiden gemeinsam spielen und singen, entfaltet sich ein Moment, der keineswegs nur Beiwerk ist, sondern die Geschichte auf besondere Weise bereichert. Doch Neumann überzeugt nicht allein als Prinzessin. Gleich vier Rollen liegen in ihren Händen, und jede erhält ihren eigenen Charakter. Die Bärin ist kindgerecht und mit viel Gespür für das junge Publikum angelegt, ebenso die Wildsau und das Einhorn. Neumann gelingt es, die unterschiedlichen Figuren so zu gestalten, dass sie für Kinder unmittelbar verständlich und zugleich unverwechselbar sind. Diese Wandlungsfähigkeit ist eine beachtliche Leistung und macht sie zu einem besonderen Herzstück der Inszenierung.
Percy Baumann:
Ein lebendiger Wusel
Wenn Percy Baumann als Wusel auftaucht, ist für Bewegung gesorgt. Das Zaubertier bringt mit seiner quirligen Art und seinem ausgeprägten Sinn für komische Situationen ordentlich Leben in die Geschichte. Wusel ist genau die Sorte Märchenwesen, bei der man nie ganz sicher sein kann, was als Nächstes passiert, und gerade das macht die Figur so unterhaltsam.
Als Minister zeigt Baumann eine andere Seite seines Könnens. Er gestaltet auch diese Rolle eigenständig und setzt damit einen reizvollen Kontrast zu seinem zauberhaften Begleiter. Beide Figuren tragen auf ihre Weise zum Humor der Inszenierung bei.
Henry Klein:
Ein König, dessen Gesicht Geschichten erzählt
Einer der schönsten schauspielerischen Momente gehört Henry Klein als König. Er braucht dafür nicht einmal Worte. Allein mit seiner Mimik erzählt er ganze Geschichten – mit kleinen Veränderungen seines Gesichtsausdrucks, einem Blick oder einer Reaktion, die mehr verrät, als ein langer Dialog es könnte.
Es ist beeindruckend, wie mühelos Klein seine Gedanken und Gefühle sichtbar macht. Man meint beinahe, dem König direkt in den Kopf schauen zu können. Gerade im Kindertheater ist das eine besondere Qualität: Die Komik erschließt sich unmittelbar, und die Kinder können die Reaktionen der Figur direkt aufnehmen. Kleins ausdrucksstarkes Spiel macht den König zu einer Figur, die man so schnell nicht vergisst.
Auch als Riese Brummel bereichert er die Märchenwelt. Zusammen mit seinen Kollegen sorgt er dafür, dass die Figuren nicht nur ihre jeweilige Aufgabe in der Geschichte erfüllen, sondern mit Leben und Persönlichkeit auf der Bühne stehen.
Ein Premierenpublikum, das auf seine Kosten kommt
Es ist das Zusammenspiel dieser Leistungen, das den besonderen Reiz der Aufführung ausmacht. Das Ensemble überzeugt durch seine unterschiedlichen Charaktere, seine Spielfreude und die sichtbare Freude am gemeinsamen Erzählen. Dabei ist es gerade die Vielfalt, die den Vormittag so unterhaltsam macht: Hier gibt es fantasievolle Figuren, überraschende Einfälle, musikalische Momente und immer wieder Situationen, die das Publikum zum Lachen bringen.
Das Stück nimmt seine jungen Zuschauer ernst, ohne dabei auf große und kleine Späße zu verzichten. Die Kinder können sich an den Kostümen und Bühnenbildern erfreuen, bei den Liedern mitklatschen und die unmittelbare Begegnung mit dem Schneiderlein genießen. Gleichzeitig bietet die Inszenierung genügend Humor, damit auch die erwachsenen Begleiter ihren Spaß haben. Das Ergebnis ist ein gemeinsames Theatererlebnis, bei dem die Freude auf beiden Seiten der Bühne spürbar wird.
Nach der Vorstellung klingt die Premiere bei Kartoffelsalat und Würstchen aus. Die Einladung zur Premierenfeier wird gerne angenommen und auch die Darsteller nehmen sich Zeit für Autogramme und Fotos. So können die kleinen und großen Gäste den Theaterbesuch in entspannter Atmosphäre ausklingen lassen und ihren Bühnenhelden noch einmal ganz persönlich begegnen.
Fazit:
Ein Schneiderlein, das Groß und Klein begeistert
Diese Premiere macht deutlich, wie viel Freude gutes Kindertheater bereiten kann. Die fantasievollen Bühnenbilder, die liebevoll gestalteten Kostüme und die eingängigen Lieder schaffen den Rahmen für eine Aufführung, die von einem überzeugenden Ensemble in Bestform getragen wird. Marcel Harkawe zieht als Schneiderlein die Kinder mit seinem Spiel mitten im Publikum unmittelbar ins Geschehen hinein. Luisa Neumann hinterlässt mit ihrer charmanten Prinzessin Paula und ihren drei weiteren Rollen einen besonders starken Eindruck. Percy Baumann sorgt als Wusel für jede Menge Schalk, während Henry Klein als König mit seiner ausdrucksstarken Mimik beweist, dass es manchmal gar keine Worte braucht, um eine ganze Geschichte zu erzählen.
Das Schönste aber ist die Begeisterung im Saal: die gespannte Erwartung vor Beginn, das fröhliche Mitklatschen bei den Liedern und das herzliche Lachen während der Vorstellung. Hier wird nicht einfach ein Märchen auf die Bühne gebracht – hier wird es für Kinder lebendig. Und dass nach dem Schlussapplaus bei Kartoffelsalat und Würstchen noch Zeit für Fotos und Autogramme bleibt, ist ein schöner Abschluss eines rundum gelungenen Premierenbesuchs. Wer seinen Kindern die Magie des Theaters näherbringen möchte, findet in „Das tapfere Schneiderlein“ eine Vorstellung, die Fantasie weckt und ein Lächeln mit auf den Heimweg gibt.
Noch bis zum 23.05.2027 im Allee Theater zu sehen.
Marc Lohse ist Gründer und Herausgeber von Stage Vibe, einem Online-Portal rund um Musicals und Shows. Er beschäftigt sich mit Künstlern, Produktionen und Hintergründen der Branche und bietet fundierte Einblicke in die Welt des Musiktheaters. Sein Ziel ist es, die Musicalwelt informativ und praxisnah abzubilden – für Fans, Einsteiger und alle, die sich professionell mit Bühne beschäftigen.

„Das Tapfere Schneiderlein“ ist MEGA GUT !!! Wir lieben es 🤩❤️
Absolut! Es ist lange her, dass ich mich in einem Familienstück so gut amüsiert habe.
Das tapfere Schneiderlein ist richtig gut 👍
Das ist wirklich Mega! Das Stück hat mich nicht zum letzten mal gesehen.
Wir haben das Theaterstück „Das tapfere Schneiderlein“ richtig gut genossen 🫶
Tolles Stück, tolle Cast, tundum gelungen!