Jesus Christ Superstar

Skandal von gestern, Klassiker von heute?

Am 12. Oktober 1971 feierte Jesus Christ Superstar am Broadway Premiere (mehr dazu). Schon das Konzeptalbum hatte zuvor für Aufsehen gesorgt. Andrew Lloyd Webber und Tim Rice erzählten die letzten Tage Jesu aus einer ungewöhnlichen Perspektive, und stellten damit religiöse Erwartungen infrage.

Jesus erscheint als Mensch, der zweifelt und hadert. Judas steht nicht nur als Verräter im Mittelpunkt, sondern erhält eine eigene Perspektive auf die Ereignisse. Und das Musical endet mit Jesu Kreuzigung, ohne seine Auferstehung zu zeigen.

Das provozierte Widerspruch. Manche Christen empfanden die Darstellung als blasphemisch. Jüdische Stimmen warnten vor einem anderen Problem: Die Inszenierung der jüdischen Priesterschaft und der Menge, die Jesu Tod fordert, könne das alte antisemitische Vorurteil bestärken, Juden trügen kollektiv die Schuld an seiner Kreuzigung.

Mehr als fünf Jahrzehnte später gehört Jesus Christ Superstar zum Musicalrepertoire. Doch bedeutet sein Erfolg auch, dass die damalige Kritik überholt ist? Oder lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wie das Stück Religion, Schuld und Verantwortung erzählt?

Bald ist das Musical in Bonn zu sehen (mehr dazu), unter anderem mit Oliver Edward als Jesus, Munja Viktoria Meier als Maria Magdalena und Lina Sbaita im Ensemble.

Was meint ihr? Wie weit darf ein Musical bei der Neuinterpretation einer religiösen Geschichte gehen? Ist Jesus Christ Superstar ein mutiger Klassiker, der zum Nachdenken anregt, oder gibt es Aspekte, die auch heute kritisch hinterfragt werden müssen?

Habt ihr das Stück bereits gesehen? Wie habt ihr es erlebt? Diskutiert mit uns in den Kommentaren.

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