Bob Fosse
Es gibt Choreografen, die Musicals inszenieren. Und dann gibt es Bob Fosse, einen Mann, der den Körper zur Bühne machte und den Jazz-Tanz für immer neu erfand. Mit seiner unverkennbaren Handschrift aus gekippten Bowler-Hüten, eingedrehten Knien und explodierenden Fingern prägte er Generationen von Tänzerinnen und Tänzern. Wer Chicago, Cabaret oder Pippin kennt, kennt seinen Geist. Auch wenn er selbst längst nicht mehr auf der Bühne steht.
Wer ist Bob Fosse?
Robert Louis Fosse wurde am 23. Juni 1927 in Chicago, Illinois, geboren. Er war das Jüngste von sechs Kindern, das schnell lernte, durch seinen Tanz Aufmerksamkeit zu gewinnen. Mit 13 Jahren trat er erstmals professionell auf, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg nach New York zog und seine Karriere als Bühnen- und Filmkünstler begann. Seine kreative Laufbahn am Broadway startete 1954 als Choreograf von The Pajama Game, und brachte ihm sofort seinen ersten Tony Award ein.
Wichtige Werke und Erfolge
- Fosse ist der einzige Mensch, der jemals Oscar, Emmy und Tony Award im selben Jahr gewann! 1973, für Cabaret, Pippin und Liza with a Z.
- The Pajama Game (1954) & Damn Yankees (1955): Fosses Signature-Stil mit Vaudeville-Elementen war vom ersten Moment an ein Hit und brachte ihm seinen ersten Tony für beste Choreografie ein.
- Sweet Charity (1966): Fosse inszenierte und choreografierte das Musical um eine Tanzsaal-Hostess, die vergeblich nach Liebe sucht, zusammen mit seiner Langzeitpartnerin Gwen Verdon in der Hauptrolle.
- Cabaret (1972): Der Film gewann acht Academy Awards, darunter den Oscar für die beste Regie. Fosse wurde damit zum gefeierten Ausnahmeregisseur auf beiden Seiten des Atlantiks.
- Pippin (1972): Das Broadway-Musical wurde zur umsatzstärksten Show in der Geschichte des Broadways und war die erste Produktion überhaupt, die landesweit im Fernsehen beworben wurde.
- Chicago (1975): Das Meisterwerk über Mord, Glamour und Justiz mit Gwen Verdon, Chita Rivera und Jerry Orbach gilt bis heute als Inbegriff des Fosse-Stils.
Insgesamt gewann Fosse acht Tony Awards für Choreografie, ein bis heute unerreichter Rekord am Broadway.
Stil und Einfluss
Fosses Stil: Fingerschnippen, schräge Bowler-Hüte, Netzstrümpfe, gespreizte Handschuhe, eingedrehte Knie und Schulterrollen wurde von ihm selbst rätselhaft als „die Amöbe“ bezeichnet. Was er damit meinte: ein organischer, fließender und doch präziser Körperausdruck, der sich ständig neu anpasst und überrascht.
Durch seine Filme revolutionierte er die Darstellung von Tanz auf der Leinwand und ebnete einer ganzen Generation von Film- und Videoregisseuren den Weg, lange bevor das Musikvideo als Format überhaupt existierte. Sein Vermächtnis lebt heute in jeder Aufführung von Chicago weiter, das seit der Broadway-Wiederaufnahme 1996 zum langlebigsten Musical der Theatergeschichte wurde.
Aktuelles und Relevanz
Bob Fosse verstarb 1987, doch sein Einfluss auf den Bob Fosse Broadway ist ungebrochen. Die Miniserie Fosse/Verdon mit Sam Rockwell und Michelle Williams brachte sein Leben einem neuen Publikum näher und sorgt dafür, dass auch deutsche Fans ihn neu entdecken. Spätestens wenn Chicago wieder auf Tour geht.
