Curtains
EINLEITUNG
Curtains ist ein Broadway-Musical, das zwei scheinbar unvereinbare Genres zu einem vergnüglichen Theaterabend vereint: den klassischen Detektivkrimi und das glamouröse Showbusiness der 1950er-Jahre. Mit eingängiger Musik von John Kander, Texten des legendären Fred Ebb und einem spritzigen Buch von Rupert Holmes erzählt das Musical von Mord, Bühnenchaos und einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte. Stets mit einem Augenzwinkern und großen Songs im Gepäck.
ZUSAMMENFASSUNG
Boston, 1959: Die Uraufführung des Westernmusicals Robin Hood of the Old West endet in einer Katastrophe, als die untalentierte und bei allen verhasste Hauptdarstellerin Jessica Cranshaw direkt nach dem Schlussvorhang tot auf der Bühne aufgefunden wird. Da praktisch jedes Mitglied der Truppe ein Motiv hat, übernimmt Lieutenant Frank Cioffi, ein herzlicher Bostoner Polizist mit einer kaum verheimlichten Leidenschaft fürs Theater, die Ermittlungen.
Cioffi zwingt die gesamte Produktion, in Boston zu bleiben und das Stück weiter zu proben, während er diskret unter den Verdächtigen ermittelt. Dabei verliebt er sich in die neue Hauptdarstellerin Karen Mason, während hinter den Kulissen Intrigen, Eitelkeiten und ein weiterer Mord das ohnehin fragile Gleichgewicht der Produktion erschüttern.
HANDLUNG
! SPOILER-ALARM !
Curtains spielt 1959 in Boston und beginnt mit einer scheinbar glamourösen Premiere des Musicals Robbin’ Hood. Schon während der ersten Aufführung kommt es zu einem Schockmoment: Die Hauptdarstellerin Jessica Cranshaw bricht auf der Bühne zusammen und stirbt. Was zunächst wie eine peinliche Panne wirkt, entpuppt sich schnell als Mord, und das Theater wird sofort zum abgeschlossenen Tatort, aus dem niemand das Haus verlassen darf. Dadurch geraten alle Beteiligten ins Visier der Ermittlungen: die Darsteller, das künstlerische Team, die Produzenten und das übrige Personal des Theaters.
Mit dem Fall wird Inspektor Frank Cioffi beauftragt, ein Mann, der nicht nur ein scharfer Ermittler ist, sondern auch eine große Liebe zum Theater hat. Er untersucht die Hintergründe des Todesfalls und merkt schnell, dass in diesem Ensemble kaum jemand wirklich offen ist. Hinter den Kulissen herrschen Eitelkeiten, verletzte Gefühle, Konkurrenzdenken und berufliche Frustrationen. Gleichzeitig erkennt Cioffi, dass die Produktion selbst in einer Krise steckt und das Stück Robbin’ Hood künstlerisch wie organisatorisch kaum tragfähig ist.
Während er den Mord aufklärt, beginnt Cioffi sich immer stärker in die Theaterwelt hineinzudenken. Er beobachtet nicht nur die Verdächtigen, sondern greift auch in die Arbeit an der Show ein, weil er das Stück retten will. Dabei entwickelt sich zwischen ihm und der Darstellerin Nikki Harris eine zarte romantische Spannung. Nikki ist intelligent, charmant und nicht so harmlos, wie sie zunächst wirkt, und auch sie scheint mehr über die Vorgänge zu wissen, als sie zunächst preisgibt.
Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, dass der Mord an Jessica Cranshaw mit einem ganzen Netz aus Geheimnissen verbunden ist. Verschiedene Figuren haben Motive, manche beruflich, manche persönlich, manche aus Eifersucht oder Angst. Cioffi setzt die einzelnen Hinweise nach und nach zusammen und erkennt, dass die Wahrheit weit tiefer reicht als ein einfacher Streit hinter der Bühne. Als schließlich ein zweiter Mord die Lage zusätzlich zuspitzt, wird klar, dass der Täter entschlossen ist, Spuren zu verwischen und die Wahrheit um jeden Preis zu verbergen.
Am Ende gelingt es Cioffi, die Zusammenhänge zu entwirren und den Täter zu entlarven. Die Morde werden aufgeklärt, die verborgenen Beziehungen und Interessen kommen ans Licht, und das Theater kann sich wieder auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren. Gleichzeitig wird Robbin’ Hood durch die Ereignisse nicht einfach nur gerettet, sondern in einer besseren Form neu belebt. Gerade diese Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte, Backstage-Komödie und Liebeserklärung ans Theater macht Curtains so besonders.
HISTORISCHER, THEMATISCHER & KULTURELLER KONTEXT
Curtains entstand in einer Zeit, in der Backstage-Musicals, also Stücke über das Theater selbst, eine deutliche Renaissance erlebten. Das Musical schöpft bewusst aus der Ästhetik und dem Geist der 1950er-Jahre, als der Broadway seinen Weltruf als Hochburg des amerikanischen Musicals festigte und Boston als klassische „Tryout City“ galt, in der neue Produktionen vor ihrem New Yorker Debüt getestet wurden.
Thematisch ist Curtains ein liebevolles, bisweilen satirisches Porträt der Theaterbranche: der Eitelkeiten, der Existenzängste, des Scheiterns und der unstillbaren Leidenschaft für die Bühne. Gleichzeitig zitiert das Stück spielerisch die Tradition des Whodunit-Krimis in der Nachfolge von Agatha Christie, dessen Figuren in geschlossenen Räumen eingesperrt sind und verdächtig werden. Diese Mischung aus Nostalgie, Selbstironie und echtem Enthusiasmus für das Handwerk des Theaters macht Curtains zu einem besonderen Stück Theatergeschichte.
Nicht zuletzt trägt das Musical eine besondere Note: Fred Ebb, einer der bedeutendsten Songtextschreiber des Broadway, konnte Curtains nicht mehr auf der Bühne erleben. Das Stück ist sein letztes vollendetes Werk, eine letzte Liebeserklärung an ein Medium, dem er sein gesamtes künstlerisches Leben gewidmet hatte.
PREMIEREN
Am 25. Juli 2006 fand in Los Angeles die Uraufführung statt.
Am 22. März 2007 feierte das Musical seine seine Broadway-Premiere im Hirschfeld Theatre in New York und lief dort bis zum 29. Juni 2008. Insgesamt 511 Vorstellungen.
Noch im selben Jahr folgte eine erfolgreiche britische Produktion, unter anderem im Nottingham Playhouse.
KREATIV-TEAM
Das Buch verfasste Rupert Holmes.
Die Musik zu Curtains schrieb John Kander, die Songtexte stammen von Fred Ebb, dem langjährigen Partner Kanders, der 2004 verstarb, bevor das Stück die Bühne erreichte.
Die Regie bei der Broadway-Uraufführung übernahm Scott Ellis, die Choreografie Rob Ashford.
DARSTELLER
Die Broadway-Uraufführung von Curtains war in erster Linie ein Triumph für David Hyde Pierce, der die Hauptrolle des Lieutenant Frank Cioffi mit unwiderstehlichem Charme und perfektem Timing spielte und dafür den Tony Award als Bester Hauptdarsteller gewann.
An seiner Seite glänzte Debra Monk als energische Produzentin Carmen Bernstein, während Jill Paice als Karen Mason und Jason Danieley als Komponist Aaron Fox das romantische Zentrum des Stücks bildeten.
Karen Ziemba übernahm die Rolle der Texterin Georgia Hendricks.
Nach dem ursprünglichen Lauf übernahm Michael McKean die Rolle des Cioffi in späteren Vorstellungen der Broadway-Produktion. Internationale Produktionen, darunter in Großbritannien und Deutschland, brachten weitere Darsteller in die Hauptrolle, die jeweils eigene Akzente in die Figur einbrachten und das Musical einem neuen Publikum näherbrachten.
MUSIK
Wide Open Spaces – Die Western-Eröffnungsnummer des fiktiven Musicals im Musical, mit viel Broadway-Bombast und komödiantischem Überschwang.
Thinking of Him – Karens erste große Ballade, die sofort zeigt, warum sie die bessere Wahl für die Hauptrolle ist.
The Woman’s Dead – Ein schwarzhumoriges Ensemblestück über die auffällig fehlende Trauer um die tote Jessica.
Show People – Cioffis mitreißendes Bekenntnis zur Theaterwelt, das zur heimlichen Hymne des Abends wird.
Coffee Shop Nights – Das romantische Duett zwischen Cioffi und Karen, das ihre Annäherung musikalisch einfängt.
I Miss the Music – Aarons introspektive Ballade über verlorene Kreativität und künstlerische Verzweiflung.
Kansasland – Die triumphale Abschlussnummer des überarbeiteten Musicals, ein mitreißendes Broadway-Finale.
AUSZEICHNUNGEN
Bei den Tony Awards 2007 war Curtains gleich achtfach nominiert und konnte eine der begehrtesten Auszeichnungen des Broadway einheimsen.
David Hyde Pierce gewann den Tony Award als Bester Hauptdarsteller in einem Musical. Eine Auszeichnung, die allgemein als längst überfällige Würdigung seiner Bühnenkarriere gefeiert wurde.
Weitere Nominierungen erhielt das Musical in den Kategorien Bestes Musical, Bestes Buch, Beste Originalpartitur, Beste Nebendarstellerin (Debra Monk), Beste Regie und Beste Choreografie.
Beim Drama Desk Award war Pierce ebenfalls nominiert.
Insgesamt bestätigte das Nominierungsfeuerwerk, dass Curtains zu den ambitioniertesten und handwerklich stärksten Broadway-Produktionen der Saison 2006/07 gehörte.
TRIVIA / FUN FACTS
Fred Ebb vollendete die Liedtexte für Curtains kurz vor seinem Tod im September 2004. Das Stück wurde posthum fertiggestellt und ist sein musikalisches Vermächtnis.
Der Titel Curtains ist ein klassischer englischer Slangausdruck für „das Ende“ oder „das war’s“. Ein doppeldeutiges Wortspiel zwischen Theatervorhang und finalem Ende des Mordopfers.
David Hyde Pierce, vor allem als Niles Crane aus der TV-Serie Frasier bekannt, brachte für seine Bühnenrolle jahrelange Musical-Theatererfahrung mit.
Das fiktive Musical im Musical, Robin Hood of the Old West, verfügt über eine vollständige eigene Partitur und Kostüme, was die Produktion erheblich aufwendiger machte.
Und: Die Handlung spielt bewusst in Boston, weil die Stadt einst tatsächlich als wichtigste Tryout-Stadt des Broadway-Betriebs galt.
