Pamina Lenn
„… es ist mein persönlicher Anspruch, jeden Tag meine 100% zu geben, dir mir zur Verfügung stehen.“
Von Marc Lohse / 05.06.26
STAGE VIBE
Pamina Lenn ist in der deutschen Musicalszene längst keine Unbekannte. Ob in „Kudamm 59″, ,,Wicked“, „Die Eiskönigin“, in der sie als weltweit erste Musicaldarstellerin weltweit, sowohl als Anna als auch Elsa auf der Bühne stand(!), oder zuletzt in Die Cher Show – immer wieder war sie in großen Musicalproduktionen zu erleben. Nun steht sie als Elke Volkerts in „Der Schimmelreiter“ auf der Bühne und widmet sich damit einem Stoff, der sie auch persönlich anspricht. Als Elke Volkerts verkörpert sie zudem eine Figur, die innerhalb dieser besonderen Geschichte eine ganz eigene Bedeutung erhält.
Im Interview mit Stage Vibe erzählt Pamina Lenn über ihre Rolle, die Arbeit an einer Uraufführung und ihre persönlichen Eindrücke von „Der Schimmelreiter“.
Hallo Pamina, vielen Dank, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Der Schimmelreiter ist ein sehr düsterer Stoff. Was hat dich an der Rolle der Elke Volkerts so angesprochen?
PAMINA
Die Show an sich hat mich sehr angesprochen, da ich düstere Themen liebe. Geister-Geschichten mochte ich schon immer, aber auch die Gesellschaftskritik im Schimmelreiter ist ein Thema, dass ich sehr gern auf der Bühne verhandle, genauso wie das Thema Mensch gegen (oder mit?) Natur.
STAGE VIBE
Jede Darstellerin bringt ihre eigenen Persönlichkeit in eine Rolle ein. Was ist für dich der Kern von Elke Volkerts?
PAMINA
Elke ist die Lichtgestalt der Show. Wir setzen uns in der Show mit vielen menschlichem Abgründen auseinander, weshalb sie sehr düster sein kann. Elke ist die Figur, die den Zuschauenden und auch Hauke (der Hauptfigur) ein leitendes Licht ist. Sie ist die Einzige, die ihn (wenn auch meist nur kurz) aus seinem Kopf heraus holen kann. Sie ist seine Stärke und seine Verbindung zu seiner eigenen Menschlichkeit. Das hört sich alles sehr Glückskeks-mäßig an, haha, aber es macht absolut Sinn, wenn man die Show sieht, ich verspreche es!
STAGE VIBE
Hast du im Probenprozess eng mit dem Cover (Alida Will) zusammengearbeitet, um eine gemeinsame Basis für Elke zu schaffen, oder ging jede von euch ganz bewusst ihren eigenen, individuellen Weg für die Rolle?
PAMINA
Grade im Probenprozess einer Uraufführung ist das wirklich mehr ein Prozess zwischen mir und dem Kreativ-Team. Da man als Cover ja auch seinen eigenen Track entwickelt und probt, hat man da oft gar keinen Kopf für die andere Rolle, die man abdeckt. Das kenne ich ja aus eigener Erfahrung. Aber Alida und ich stehen immer im Austausch, wenn sich Änderungen im Text oder Staging ergeben, damit sie da immer up-to-date ist und ich bin schon sehr gespannt darauf, wie sie Elke interpretieren wird. Da sie mich bei einem Reading vor Beginn der Probenzeit schon mal vertreten hat und ich davon ein, zwei Aufnahmen gehört habe, weiß ich aber schon, dass ihre Stimme ganz wundervoll zu Elkes Songs passt.
STAGE VIBE
Gibt es im Schimmelreiter einen bestimmten Moment oder Song, auf den du dich besonders freust? Und Warum?
PAMINA
Zum aktuellem Zeitpunkt möchte ich mich da noch gar nicht festlegen. Das weiß man meist erst, wenn die Show ganz fertig ist. Aber mein absolutes Highlight ist das Pferd. Das ist pure Bühnenmagie und ich vergesse selbst manchmal, dass es kein echtes Pferd ist, da Christopher Dederichs, Antonello Papagno und Robin Scheel es so kunstvoll zum Leben erwecken.
STAGE VIBE
Vor der Premiere erarbeitet man sich eine Rolle in einem geschützten Probenbereich. Dann kommt das Publikum hinzu. Verändert das das Spiel oder entwickelt sich das Spiel weiter?
PAMINA
Ich bin sehr gespannt auf die Publikumsreaktionen und finde, sie können manche Szenen wirklich beflügeln. Allerdings ist „Der Schimmelreiter“ ein Stück, bei dem wir Darstellenden sehr bei uns bleiben müssen. Es gibt viele hochsensible, dramatische und emotionale Momente. Das Musical ist eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle und da muss man wirklich bei sich sein, um das alles gut regulieren zu können.
STAGE VIBE
Der Schimmelreiter hat eine Spielzeit von 3 Monaten. Gibt es während einer so langen Spielzeit einen Punkt, ab dem man auf Autopilot stellt um physische und mentale Kraft zu sparen?
PAMINA
Ich kann nur für mich sprechen: Nein. Ich habe schon oft Ensuite gespielt, auch länger als drei Monate und es ist mein persönlicher Anspruch, jeden Tag die 100% zu geben, die mir zur Verfügung stehen. Das kann durch emotionale oder körperliche Verfassung beeinflusst sein, aber Autopilot ist für mich ein No-Go. Diesen Respekt haben meine Kolleg*innen auf der Bühne und das Publikum verdient.
STAGE VIBE
Hast du dir Theodor Storms Novelle nochmal angesehen oder gelesen, um dich der Figur zu nähern?
PAMINA
Natürlich. Ich habe sie schon für die Audition erneut gelesen und jetzt noch mal. Und unsere Show an vielen Stellen sehr nah an der Buchvorlage. Musik und Bühne helfen, wie ich finde, die Geschichte zu visualisieren und neue (vor allem emotionale) Ebenen zu eröffnen. Ich würde die Show also Fans von Storm, aber auch Leuten empfehlen, die die Novelle im Unterricht ganz schlimm fanden. Ich glaube, wir könnten ihnen zeigen, dass die Themen darin ja vielleicht doch ganz interessant sind, haha.
STAGE VIBE
Vielen Dank Pamina, für das offene und persönliche Gespräch und die spannenden Einblicke von der Arbeit an „Der Schimmelreiter“. Wir wünschen dir und dem gesamten Ensemble weiterhin eine erfolgreiche Spielzeit und viele besondere Momente auf der Bühne.
Wir sehen uns im Theater!
