Darstellerin:
Munja Viktoria Meier
Es gibt Karrieren, die langsam wachsen. Und es gibt diese besonderen Karrieren, in denen schnell spürbar wird: Hier entsteht gerade etwas ganz Besonderes.
Munja Viktoria Meier gehört zu diesen Künstlerinnen.
Noch ist sie eine junge Darstellerin am Anfang ihrer professionellen Laufbahn. Doch wer sie auf der Bühne erlebt, bekommt nicht das Gefühl, einer Künstlerin beim vorsichtigen Herantasten zuzusehen. Da ist bereits eine bemerkenswerte Sicherheit. Eine Stimme, die Kraft besitzt und trotzdem nicht auf bloße Lautstärke setzt. Eine Spielfreude, die nicht aufgesetzt wirkt. Und eine Bühnenpräsenz, die neugierig macht auf das, was noch kommen wird.
Wenn aus Begeisterung Berufung wird
Ihre Geschichte beginnt nicht mit einer großen Bühne, sondern mit einer frühen Begeisterung für Musik. In Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, entdeckte Munja schon als Kind ihre Liebe zum Singen, Tanzen und Spielen. Über die Starlight Musical Academy fand sie schließlich zum Musical und blieb ihm treu.
Viele Jahre lang war diese Welt zunächst ein Teil ihrer Freizeit. Doch aus dem Hobby wurde immer mehr. Zwischen Unterricht, Proben und Auftritten entstand etwas, das sich nicht mehr wie ein bloßes Hobby anfühlte: der Wunsch, diesen Weg wirklich zu gehen.
Eine wichtige Begleiterin auf diesem Weg war Maria Jane Hyde. Bei ihr sammelte Meier nicht nur erste Musicalerfahrungen, sondern offenbar auch etwas mindestens ebenso Wichtiges: Vertrauen in die eigene Stimme und in die eigene Bühnenpersönlichkeit.
Wie wichtig diese frühen Jahre für sie waren, zeigt eine Erinnerung, die sie selbst als ihre bedeutendste Show bezeichnet: ihre letzte Musicalgala mit der Starlight Musical Academy.
Sie sang „Heart of Stone“ aus „SIX“.
Später führte ihr Weg nach London an die D&B Academy of Performing Arts, wo sie mit einem Bachelor of Performing Arts abschloss und anschließend nach Hamburg an die Stage School. Beide Ausbildungswege konnte sie mit einem Stipendium absolvieren.
Dass Munja Viktoria Meier auf der Bühne Wirkung entfalten kann, zeigte sich allerdings nicht erst nach ihrem Ausbildungsabschluss. Während ihrer Ausbildung an der Stage School Hamburg gab es im First Stage Theater bereits einen Auftritt, der allen in Erinnerung blieb: Sie sang „I’d Do Anything for Love“.
Munja stand auf der Bühne, gab alles, was in ihr steckte und das Publikum war restlos begeistert.
2025 schloss sie ihre Ausbildung auch dort erfolgreich ab.
Doch ein Abschluss ist im Musical kein Ziel. Er ist der Moment, in dem die eigentliche Reise erst beginnt.
Von Hilde Schlönzke zu Lucy Westenra
Während ihrer Ausbildung am First Stage Theater Hamburg konnte sie bereits zeigen, wie unterschiedlich ihre darstellerischen Möglichkeiten sein können. Als Hilde Schlönzke in „Kein Pardon – Das Musical“, das Abschlussprojekt der Ausbildung, durfte sie komödiantisch aufdrehen und ihre Spielfreude voll ausleben. Die Figur verlangt Überzeichnung, Timing und Mut zur großen Geste den Munja eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Dann kam Lucy Westenra.
Mit „Dracula – Das Musical“ betrat Munja 2026 eine ganz andere Welt. Aus der Komödie wurde Gothic, aus dem überspitzten Humor eine düstere Geschichte über Liebe, Verführung und Verlust. Und wieder zeigte sich, wie viel mehr in ihr steckt als eine starke Stimme.
Ihre Lucy beginnt voller Lebenslust und Energie. Im Verlauf der Geschichte verändert sie sich und mit ihr verändert sich auch Munjas Spiel. Hinterher war das Publikum einhellig der Meinung, dass ihre Wandlung von der lebensfrohen Lucy, hin zu einer Verführerin nur noch von ihrem authentischem Spiel übertroffen wurde.
Und genau das macht Musical lebendig.
Eine Stimme mit Persönlickeit
Es gibt Sängerinnen und Sänger, deren Stimmen man technisch bewundert. Und es gibt Stimmen, bei denen man nach wenigen Takten wissen möchte, wer dahintersteht.
Munja gehört ganz sicher zur zweiten Kategorie.
Ihr hoher Belt ist zweifellos eine ihrer auffälligsten Stärken. Doch ihn allein zum Markenzeichen zu machen, würde ihr nicht gerecht werden. Entscheidend ist die Verbindung aus Technik und Persönlichkeit.
Ihre Stimme kann kraftvoll sein, ohne ihre Figur zu überdecken. Sie kann klar und präsent sein und gleichzeitig Emotion transportieren. Und gerade diese Verbindung eröffnet ihr ein breites Rollenspektrum.
Munja ist dabei keine Darstellerin, die sich auf eine einzige Farbe festlegen lässt. Rock, Pop, Broadway, Jazz, Blues, Gospel und Soul gehören zu ihrem musikalischen Spielplatz. Dazu kommen Ausbildungen im Ballett, Jazz- und Stepptanz.
Interessant wird diese Vielseitigkeit aber erst dann, wenn sie auf eine Rolle trifft.
Denn eine gute Musicaldarstellerin muss nicht nur Töne treffen oder Choreografien beherrschen. Sie muss eine Figur zum Leben erwecken. Sie muss zuhören, reagieren, sich entwickeln können. Sie muss einen einzigen Moment mit Leben füllen, selbst wenn ihn gerade kein großer Song trägt. Genau hier liegt eine der Qualitäten, die bei Munja deutlich sichtbar ist.
Der nächste Schritt wartet schon
Ab dem 31. Oktober 2026 wird Munja als Maria Magdalena in „Jesus Christ Superstar“ am Opernhaus Bonn zu erleben sein. Nach Lucy Westenra wartet damit erneut eine sehr bedeutsame, musikalisch anspruchsvolle Frauenrolle in der Welt der Musicals auf sie.
Maria Magdalena ist keine Figur, die sich allein über große Gesangsmomente definiert. Ihre Geschichte lebt von Nähe, Verletzlichkeit, Stärke und emotionaler Ambivalenz. Nach der Lucy in „Dracula“ darf man deshalb besonders gespannt sein, welche Facetten Munja dieser Figur geben wird.
Es ist eine schöne Entwicklung: eine junge Künstlerin, die sich ihre professionellen längst Sporen verdient hat und nun Schritt für Schritt immer größere Aufgaben übernimmt. Nicht, weil sie bereits alles erreicht hätte, sondern weil man ihr zutraut, weiter zu wachsen.
Hinter der Bühne bleibt sie ganz bei sich
Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast, der Munja Viktoria Meier so sympathisch macht.
Auf der Bühne kann sie laut, kraftvoll, komisch, verführerisch oder dramatisch sein. Abseits davon ist sie eher als jemand, der die ruhigen Dinge schätzt: Zeit mit Freunden, Lesen, Spaziergänge, Kochen oder einem Puzzle verbringt.
Ihre Mutter ist für sie eine wichtige Stütze. Maria Jane Hyde eine prägende Mentorin. Und über allem steht eine Haltung, die viel über ihre bisherige Entwicklung verrät: lieber etwas wagen, als sich später zu fragen, was gewesen wäre. „No risk, no fun“ ist einer ihrer Leitsprüche. Für eine junge Musicaldarstellerin ist das vielleicht gar keine schlechte Einstellung.
Denn eine Bühnenkarriere lässt sich nicht vollständig planen. Es braucht Können, Disziplin und Ausbildung – aber ebenso Mut, Vertrauen und die Bereitschaft, immer wieder ins Ungewisse zu gehen.
Munja bringt etwas mit, das sich schwer in Ausbildungsabschlüsse, Stimmfächer oder Rollenlisten schreiben lässt: Sie begeistert und macht neugierig.
Neugierig auf die nächste Rolle.
Auf die nächste Facette, die man an ihr entdeckt.
Auf die nächste Figur, die sie sich zu eigen macht.
Und vielleicht ist genau das eines der schönsten Komplimente, das man einer jungen Musicaldarstellerin machen kann.
Aber nun wollen wir Munja selbst zu Wort kommen lassen
Wie bist du zum Musical gekommen?
Durch eine ehemalige Schulfreundin, die in der Starlight Musical Academy war. Das ist eine kleine süße Musicalschule, die nach der Schulzeit noch Kurse im Tanzen oder Singen anbietet und jedes Jahr eine Show auf die Beine stellt.
Musikalisch war ich schon immer aber so mit 10 fing mein gezieltes Interesse an und als ich mir 2012 dann mal eine Show angeguckt habe, wollte ich ganz schnell selber mitmachen und meine Mama hat mich dann angemeldet.
Als ich so ungefähr 15 Jahre alt war und ich mir langsam Gedanken um meine berufliche Zukunft machen musste, hat sich immer mehr heraus kristallisiert, dass es für mich keinen „Plan B“ gibt. Für nichts schlägt mein Herz so sehr wie fürs Theater. Nach dem Abitur war ich dann für knapp ein Jahr in London an einer Schule und habe anschließend meine richtige Ausbildung in Deutschland gemacht. Nach meinem Abschluss hatte ich das große Glück drei Engagements für die Zukunft zu sichern und bin jetzt offiziell im Musicalbusiness:)
Hast du eine Lieblingsrolle (selbst oder von anderen Darstellern gespielt)?
Uhhhh… Da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Also meine seit 2017 fixe Traumrolle ist Magda aus dem Musical „Tanz der Vampire“.
Aber seit ich Auditions mache lerne ich so viele Rollen nochmal intensiver kennen, sodass ich mich mittlerweile nicht mehr entscheiden kann oder möchte. Ich habe durch „Dracula“ auch Lucy und Mina so ins Herz geschlossen, die hatte ich vor vier Jahren zum Beispiel noch gar nicht aufm Schirm.
Und ich muss ja sagen; ich finde auch Jukebox-Musicals super nice. Satine in „Moulin Rouge“ oder Meat in „We Will Rock You“ würde ich auch mal soooo sooo gerne spielen! Mich catchen auch starke Frauenrollen sehr. Elsa aus „Die Eiskönigin“, Morgana aus „Artus-Excalibur“, Johanna aus „Die Päpstin“, etc….
Du siehst die Liste könnte endlos weitergehen haha.
Aber am Ende des Tages hat jede Rolle etwas, in das man sich verliebt. Und deswegen bin ich immer offen und wünsche mir, dass ich noch so viele tolle Charaktere kennen lernen und verkörpern kann.
Gibt es einen Backstage-Moment, den du nie vergessen wirst?
Hmmm… Also es gibt viele tolle und lustige Momente die ich Backstage und AUF der Bühne schon erlebt habe. Wenn ich an alles zurückdenke, dann gab es einfach nicht „Das eine Erlebnis“. Ich hab immer Spaß mit Cast & Crew und egal ob „Kein Pardon“, „Mitternachtsball“ oder „Dracula“; ich finde man kann aus jeder Situation heraus was gutes enstehen lassen und ich habe in jeder Produktion so liebe Menschen kennen gelernt mit denen ich gerne und viel gelacht habe. Von Lachflashs auf der Bühne bis hin zu der Entfremdung von Requisiten oder der Versuchung, Kolleg:innen auf der Bühne zum Lächeln zu bringen.. da war schon vieles mit dabei.
Und mich kann man leider auch so leicht aus der Fassung bringen. „Dracula“ nenne ich auch gerne mein Boot-Camp um zu lernen wie ich auf der Bühne ernst bleibe, egal was passiert haha.
Was macht für dich einen perfekten Theaterabend aus (als Darstellerin und Gast)?
Als Gast wäre es für mich super wichtig nicht gestresst am Veranstaltungsort anzukommen. Das setzt die Grundstimmung wie ich in diesen Abend gehe. Pünktlich los, genug Zeit für die Parkplatzsuche oder Puffer einbauen, falls es Komplikationen mit den Öffis gibt, am Veranstaltungsort genug Zeit haben um in Ruhe zur Garderobe zu gehen, die Toilette aufzusuchen und dann anschließend gemächlich in den Saal und sich ein paar Minuten nehmen um in die Stimmung fürs Stück zu kommen.
Während der Show ist mir eine ruhige Umgebung wichtig. Das bedeutet: kein Gerede mit dem Nachbarn oder der Nachbarin, kein Tütengeraschel, einfach die Show genießen. Nach der Show bleib ich gerne noch im Saal bis das Orchester gespielt hat und applaudiere noch einmal.
Und ich gehe auch gerne zur Stage Door wenn ich dort Leute kenne oder auch einfach ein Fan bin (Ja! Ich bin zwar selbst Darstellerin aber auch ich bin ein Fangirl).
Als Darstellerin wünsche ich mir ein schönes Miteinander zwischen Cast und Crew. Man geht immer mit einer Energie in eine Show und die ist natürlich nie gleich, weil jeder Tag anders ist aber ich mag es einfach wenn ich merke „Okay, ich fühle mich heute ein bisschen off aber ich weiß, dass XY mir gleich wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert“.
Sich gegenseitig zu motivieren und zu unterstützen finde ich sehr wichtig und gibt ein tolles Gemeinschaftsgefühl.
Auch ein großer Faktor für eine gute Stimmung: Das Publikum.
Wenn das Publikum mega ist, also bspw. es wird applaudiert, die Leute fiebern mit den Rollen mit, lächeln, lachen, bleiben bis zum Schluss, sind leise und respektvoll, …
Das sind alles Dinge, die wir auf der Bühne wahrnehmen und mitbekommen und das macht eine Show um einiges schöner, leichter und sind wir mal ehrlich: es macht auch einfach riesen Spaß für Menschen zu performen, die Bock haben und unsere Arbeit zu schätzen wissen. Also da geht mir einfach das Herz auf. Ich hoffe, noch gaaaanz viele schöne Momente mit dem Publikum erleben zu können:)
Marc Lohse ist Gründer und Herausgeber von Stage Vibe, einem Online-Portal rund um Musicals und Shows. Er beschäftigt sich mit Künstlern, Produktionen und Hintergründen der Branche und bietet fundierte Einblicke in die Welt des Musiktheaters. Sein Ziel ist es, die Musicalwelt informativ und praxisnah abzubilden – für Fans, Einsteiger und alle, die sich professionell mit Bühne beschäftigen.
