Scholl - Die Knospe der weißen Rose

EINLEITUNG

Das Musical „Scholl – Die Knospe der Weißen Rose“ taucht tief in die Anfänge des Widerstands der Geschwister Scholl ein. Aus der Perspektive von Traute Lafrenz erzählt es von entscheidenden Tagen in einer Tiroler Skihütte, ein Moment, der die „Weiße Rose“ begründete. Mit rockiger Musik von Thomas Borchert und emotionalen Texten wird hier jugendlicher Mut im Schatten des NS-Regimes spürbar. Das Scholl-Musical fasziniert durch Authentizität und berührt als Mahnung für heute.

ZUSAMMENFASSUNG

Traute Lafrenz erinnert sich an den Jahreswechsel 1941/42 in der Coburger Hütte bei Ehrwald im Tirol, wo Hans und Sophie Scholl mit Schwester Inge, Traute selbst, Ulla und Freddy die Skiferien genießen, während der Krieg draußen tobt. Sie rasen lachend über die Pisten, feiern Silvester mit Feuerwerk und improvisierten Tänzen am Kamin, flirten und streiten wie ganz normale junge Leute. Doch Rückblenden enthüllen Hans’ traumatischen §175-Prozess wegen Homosexualität aus dem Jahr 1938, bei dem er knapp dem Gefängnis entkam, und Sophies Ausstieg aus der Hitlerjugend, weil sie das endlose Marschieren und die Propaganda nicht mehr ertrug. Abends werden die Gespräche ernst: Freddy berichtet von gefallenen Freunden, Sophie fragt in die Nacht, wo Gott im Krieg sei, und Hans gesteht leise, dass Schweigen keine Option mehr ist. Vorahnungen zeigen die Flugblätter und die Verhaftung 14 Monate später an der Münchner Uni, wo Gestapo sie stellt und verhört, bis die Guillotine wartet. Am Ende pflückt Traute eine weiße Rose aus dem Schnee. Ein Symbol für den zarten Mut, der aus diesen Tagen erwuchs.

HANDLUNG

!SPOILER-ALARM!

Im Herzen der Coburger Hütte bei Ehrwald im Tirol versammeln sich sechs junge Menschen zum Jahreswechsel 1941/42, fernab vom Kriegslärm: Hans Scholl, seine Schwester Sophie, ihre Schwester Inge, Hans’ Freundin Traute Lafrenz, sowie Ulla und Freddy. Morgens stürzen sie sich mit Lachen und Rufen in den Schnee, rasen auf Skiern die Pisten hinunter, bauen Schneemänner und werfen sich gegenseitig mit Schneeballen ab. Sophie, gerade 20, wirbelt unbekümmert über die Piste, ihre Wangen gerötet vom Frost, während Hans, 24 Jahre alt und Medizinstudent, sie mit einem nachdenklichen Lächeln beobachtet. Abends lodert das Feuer im Kamin, Glühwein dampft, und sie singen improvisierte Lieder, tanzen eng umschlungen zu Akkordeonklängen, Ulla kokettiert schelmisch mit Freddy, und Traute spürt eine wachsende Distanz zu Hans, die sie nicht greifen kann. Doch plötzlich verdunkelt sich die Szene, und sie tauchen in Hans’ Vergangenheit ein: 1938 steht er vor Gericht, angeklagt wegen §175, Homosexualität, ein anderer junger Mann hat ihn verraten, die Richter brüllen von Sünde und Strafe, Hans entkommt knapp dem Gefängnis, doch die Scham und Angst bleiben wie ein Schatten. Zurück in der Hütte konfrontiert Traute ihn leise, er weicht aus, die Musik wird aggressiv-rockig. Dann Sophies Geschichte: Sie marschiert in der Hitlerjugend, Uniform steif, Parolen im Ohr, doch eines Tages wirft sie die Armbinde weg, „Ich will nicht mehr gehorchen“, flüstert sie, steigt aus dem BDM aus und fühlt erstmals Freiheit.

Silvester bricht an, Feuerwerk knistert über den Bergen, Gläser klingen aneinander, „Prost auf morgen!“, rufen sie, doch die Stimmung kippt, als Freddy von seinen gefallenen Freunden erzählt, Ulla weint still, und Alexander Schmorell wird erwähnt, der bald die Flugblätter schreiben wird. In der tiefen Nacht hocken sie zusammen, Sophie starrt ins Feuer und fragt: „Wo ist Gott in all dem Leid?“, Hans antwortet rau: „Vielleicht müssen wir selbst Gott sein“, Christoph Probsts Gedichte liegen auf dem Tisch, erste Ideen für Worte gegen das Regime keimen auf. Sophie greift zur Feder: „Wir schreiben die Wahrheit.“ Die Vorahnung trifft hart: 14 Monate später schleichen Hans und Sophie durch die Münchner Universität, Flugblätter in der Tasche, eine Reinmachefrau entdeckt sie, „Halt!“, ruft sie, Gestapo stürmt herbei, brutales Verhör folgt, „Wer steckt dahinter?“, schreit der Offizier, Sophie blickt Hans fest an: „Es lebe die Freiheit!“, und die Guillotine fällt. Traute steht allein in der Hütte, Schnee fällt weich, sie pflückt eine weiße Rose aus dem Boden, „Die Knospe blühte, auch wenn sie brach“, murmelt sie, die Freunde erscheinen als Schatten, ihre Stimmen hallen nach, und die Nacht umfängt alles.

HISTORISCHER, KULTURELLER & THEMATISCHER KONTEXT

Das Musical Scholl – Die Knospe der Weißen Rose steht in einer Reihe von Theaterproduktionen, die sich mit der NS-Zeit und dem Widerstand auseinandersetzen. Seine Besonderheit liegt in der zeitgemäßen musikalischen Sprache und einer Perspektive, die die Jugend ins Zentrum rückt.

Es thematisiert Mut, Zivilcourage und die Macht des Wortes – zeitlose Werte, die auch in heutigen gesellschaftlichen Diskussionen über Freiheit, Wahrheit und Haltung eine Rolle spielen. Durch moderne Rock- und Chorelemente verbindet Scholl historische Authentizität mit emotionaler Nahbarkeit und macht so die Geschichte der „Weißen Rose“ für eine neue Generation erlebbar.

PREMIEREN

Die Weltpremiere fand am 14. April 2023 im Stadttheater Fürth statt.

KREATIV-TEAM

Buch: Titus Hoffmann

Musik: Thomas Borchert

Texte: Titus Hoffmann

Regie: Titus Hoffmann

DARSTELLER

Traute: Judith Caspari

Hans Scholl: Alexander Auler

In späteren Produktionen übernahmen u. a. Celena Pieper und Fin Holzwart zentrale Rollen. Besonders Casparis Interpretation von Traute erhielt große Anerkennung für ihre Mischung aus Idealismus und innerer Stärke.

MUSIK

„Die weiße Rose“

„Das, was richtig ist“

„Wir schweigen nicht“

„Gegenwind“

„Licht“

„Freiheit“

AUSZEICHNUNGEN

TRIVIA & FUN FACTS

Scholl – Die Knospe der Weißen Rose erhielt 2024 mehrere Deutsche Musical Theater Nominierungen, darunter für Bestes Musical, Bestes Buch und Beste Komposition.

Das Logo des Musicals zeigt eine stilisierte weiße Rose, deren Blütenblatt die Form einer Feder hat. Ein Symbol für den geschriebenen Widerstand.

Bei der Premiere wurde das Publikum zu einer stillen Gedenkminute eingeladen. Eine seltene, ergreifende Geste.

Einige Dialoge stammen aus echten Briefen der Geschwister Scholl und wurden dramaturgisch in Liedtexte eingebettet.