Cats

EINLEITUNG

„Cats“ zählt zu den berühmtesten Musicals der Welt und hat seit seiner Uraufführung 1981 das Genre revolutioniert. Komponiert von Andrew Lloyd Webber und basierend auf T. S. Eliots Gedichtband Old Possum’s Book of Practical Cats, entfaltet das Stück eine faszinierende Welt eigenwilliger Katzencharaktere, poetischer Geschichten und unvergesslicher Musik. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Tanz, Gesang und Kostümkunst gilt es bis heute als Meilenstein des modernen Musiktheaters. 

ZUSAMMENFASSUNG

In einer geheimnisvollen Nacht auf einem verlassenen Schrottplatz trifft sich die Jellicle-Katzenfamilie, um ihr jährliches Fest zu feiern – den Jellicle Ball. Angeführt von Old Deuteronomy, dem weisen Anführer des Clans, soll eine Katze ausgewählt werden, die ins „Heaviside Layer“ aufsteigt und wiedergeboren wird. Jede Katze stellt sich mit ihrem eigenen Lied und Charakter vor: vom charmanten Rum Tum Tugger über den ehrwürdigen Bustopher Jones bis zur exzentrischen Schauspielerkatze Gus.

Doch als die vergessene Grizabella erscheint, wird die fröhliche Stimmung getrübt. Einst war sie jung, schön und bewundert, heute wird sie von den anderen gemieden. Am Ende jedoch erkennt Old Deuteronomy ihre Reue und Sehnsucht, und Grizabella darf als Auserwählte in die neue Welt aufsteigen, begleitet von ihrer herzergreifenden Ballade „Memory“.

HANDLUNG

! SPOILER-ALARM !

Das Musical beginnt in der Dunkelheit: Ein geheimnisvoller Lichtschein offenbart die versammelten Jellicle-Katzen, die sich darauf vorbereiten, ihren Ball zu feiern. Sie stellen sich in einem energiegeladenen Eröffnungslied dem Publikum vor. Es geht um ihre Eigenheiten, Beweglichkeit und ihren Stolz, „Jellicle Cats“ zu sein. Im weiteren Verlauf treten verschiedene Katzen in Einzelnummern auf, um ihre Geschichte zu erzählen. Jennyanydots, die „Gumbie Cat“, lebt tagsüber träge, verwandelt sich nachts aber in eine strenge Lehrerin für Mäuse und Kakerlaken.

Darauf folgt der extravagante Rum Tum Tugger, ein rebellischer Kater mit Rockstar-Attitüde, der alle Regeln ignoriert und doch von den anderen bewundert wird. Dann erscheint Grizabella, die „Glamour Cat“. Die anderen Katzen wenden sich von ihr ab, da sie einst den Clan verlassen hat und nun alt und gebrochen zurückkehrt. Ihr kurzer Auftritt lässt eine melancholische Spannung zurück. Es treten weitere charakteristische Figuren auf: Bustopher Jones, die elegante Stadtkatze; Mungojerrie und Rumpelteazer, zwei gewitzte Katzengeschwister, die gerne Chaos stiften; sowie der ehrwürdige Anführer Old Deuteronomy, der mit seiner Sanftmut den Mittelpunkt der Gemeinschaft bildet. Der Jellicle Ball, ein ausgedehntes Tanz- und Musikfinale des ersten Aktes, zeigt die Katzen in atemberaubender Choreografie. Hier verbindet sich Webbers Musik mit modernem Tanz und spektakulärem Bühnenbild zu einem Höhepunkt des Abends. Im zweiten Akt kehren die Katzen zurück, um die Entscheidung über den „Jellicle Choice“ vorzubereiten. Gus, der alte Theatertiger, erinnert sich rührend an einstige Bühnenzeiten und symbolisiert die Vergänglichkeit des Ruhms. Dann sorgt Skimbleshanks, die Eisenbahnerkatze, mit einem rhythmischen Showstück für Schwung und Humor. Doch der Frieden wird erneut gestört: Der unheimliche Macavity, der kriminelle Meisterkater, taucht auf und entführt Old Deuteronomy. Nach einer dramatischen Rettung singen die Katzen über seine Schlechtigkeit – ein Moment, der Spannung und Slapstick vereint. Grizabella kehrt zurück. Still, von allen gemieden, beginnt sie „Memory“ zu singen – ihr Lied von Sehnsucht und dem Wunsch nach Vergebung. Das Lied löst Mitgefühl aus; Old Deuteronomy erkennt ihre Reue und wählt sie schließlich aus, in das mystische „Heaviside Layer“ aufzusteigen. In einem ergreifenden Finale verabschieden sich die Jellicle Cats, und Grizabella wird auf einer Plattform emporgehoben. Ein Symbol der Erlösung und Wiedergeburt. Mit Old Deuteronomys feierlicher Ansprache an das Publikum schließt das Musical: eine poetische Erinnerung daran, dass auch Katzen Namen und Würde besitzen, und dass jedes Wesen Anerkennung verdient.

HISTORISCHER, THEMATISCHER UND KULTURELLER KONTEXT

„Cats“ war eines der ersten Musicals, das keine lineare Handlung im traditionellen Sinne erzählte, sondern durch Miniaturen und Charakterporträts eine eigene Welt schuf. Dieses Konzept, kombiniert mit zeitloser Musik und tänzerischer Präzision, revolutionierte das Musiktheater der 1980er-Jahre. Kulturell reflektiert das Musical Themen wie Ausgrenzung, Gemeinschaft und Wiedergeburt. Grizabellas Geschichte von Verfall und Erlösung lässt sich als Allegorie auf gesellschaftliche Akzeptanz und Mitgefühl lesen. Zugleich steht der Schrottplatz als Symbol für Vergänglichkeit und Wiederverwertung des Materiellen ebenso wie des Spirituellen. „Cats“ festigte Andrew Lloyd Webbers Status als führender Komponist des kommerziellen Musiktheaters und leitete eine Ära der sogenannten Megamusicals ein, in der Bühnenbilder, Technik und Tanz integrale Bestandteile der Erzählung wurden.

PREMIEREN

Die Uraufführung fand am 11. Mai 1981 im New London Theatre (heute Gillian Lynne Theatre) statt. Die Broadway-Premiere folgte am 7. Oktober 1982 im Winter Garden Theatre. Bis heute zählt „Cats“ zu den längsten und erfolgreichsten Produktionen beider Theatermetropolen.

KREATIV-TEAM

„Cats“ wurde von Andrew Lloyd Webber komponiert und basiert auf Gedichten von T. S. Eliot. Das Buch und die Regie stammen von Trevor Nunn, die Choreografie von Gillian Lynne, das Bühnenbild und die Kostüme von John Napier.

DARSTELLER

Die Londoner Originalbesetzung umfasste Elaine Paige als Grizabella, Brian Blessed als Old Deuteronomy und Paul Nicholas als Rum Tum Tugger. Paige prägte „Memory“ als zentrale Ballade des Musicals nachhaltig. In der Broadway-Uraufführung übernahm Betty Buckley die Rolle der Grizabella und gewann dafür einen Tony Award. Im Laufe der Jahrzehnte spielten zahlreiche bekannte Künstler im Stück, darunter John Partridge, Nicole Scherzinger, Leona Lewis, Angelika Milster und Laurie Davidson (im Film von 2019). In Deutschland feierte „Cats“ 1986 in Hamburg Premiere – die erste nicht-englischsprachige Produktion weltweit und wurde dort zu einem Publikumsmagneten.

CHARAKTERE

Siehe oben

MUSIK

Die Partitur von Andrew Lloyd Webber vereint klassische, jazzige und poppige Elemente. Zu den bekanntesten Songs zählen: „Jellicle Songs for Jellicle Cats“ – energetisches Opening mit Vorstellung der Katzenfamilie. „The Rum Tum Tugger“ – rockige Nummer eines selbstverliebten Katers. „Old Deuteronomy“ – hymnische Ehrerbietung an den Clanältesten. Macavity: „The Mystery Cat“ – swingender Song über den Schurken der Geschichte. „Mr. Mistoffelees“ – magisch-verspielte Tanznummer mit beeindruckender Choreografie. „Memory“ – die emotionale Ballade von Grizabella, eines der bekanntesten Lieder des 20. Jahrhunderts.

BÜHNENBILD, KOSTÜME, EFFEKTE

Bis heute sind die Kostüme das optisch beeindruckendste an der ganzen Inszenierung.

AUSZEICHNUNGEN

Nach seiner Premiere gewann „Cats“ zahlreiche Preise, darunter 7 Tony Awards (1983), u. a. für Bestes Musical, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin (Betty Buckley). In Großbritannien erhielt das Werk den Olivier Award für herausragende Musik und Choreografie. Mit weltweit über 73 Millionen Zuschauern zählt „Cats“ zu den erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. 1998 erschien eine populäre Videoaufzeichnung, 2019 eine aufwendige Kinoverfilmung.

PRESSE- UND ZUSCHAUERSTIMMEN

Durchweg positive Stimmen. Nicht umsonst ist es eines der größten Klassiker der Musical-Geschichte.

TRIVIA / FUN FACTS

Das Musical wurde in über 30 Sprachen gespielt, darunter Deutsch, Japanisch und Norwegisch.

Das Bühnenbild des Schrottplatzes wird in Originalproduktionen oft im Verhältnis 3:1 gebaut, um die Darsteller katzengroß wirken zu lassen.

„Memory“ wurde von über 150 Künstlern gecovert, darunter Barbra Streisand und Barry Manilow.

Bei der Hamburger Produktion (1986–2001) wurden mehr als 6 Millionen Tickets verkauft.

Die Katzen tragen teils über 20 Kilogramm schwere Kostüme, deren Herstellung mehrere Wochen dauert.