EIGHT:MINUTES

Rezension: Marc Lohse

Hamburg, 24. April 2026

EIGHT:MINUTES im First Stage Theater:

Ein überraschend geschlossenes Musiktheatererlebnis

Mit EIGHT:MINUTES haben die HfMT Hamburg und die Stage School Hamburg im First Stage Theater ein Stück auf die Bühne gebracht, das in seiner Vielfalt beeindruckt und zugleich erstaunlich harmonisch und geschlossen wirkt. Der Titel passt dabei sehr genau: Insgesamt elf kurze Beiträge, alle ungefähr acht Minuten lang, fügen sich zu einem Abend zusammen, der viele Ideen zeigt, ohne sich dabei zu verlieren.

Ein Stück, das Hamburg lebt

Die Story ist schnell erzählt: Tamara (Léane Rissmann) kommt aus Ulm in die Großstadt Hamburg und wir dort von der waschechten Hamburgerin Jule (Magdalena Kolbeck) empfangen. Es beginnt eine spannende Entdeckungsreise durch Hamburg mit allen Pros und Cons, die eine Stadt wie Hamburg zu bieten hat.

Das Besondere an diesem Stück ist nicht nur Kooperation zweier so unterschiedlicher Institutionen oder die Idee, verschiedene künstlerische Handschriften zusammenzubringen, sondern auch die Art, wie konsequent alles in Hamburg verankert ist. Es geht nicht um Hamburg als abstrakten Mythos, sondern um konkrete Orte, Bilder und Stimmungen aus der Stadt. Dadurch bekommt das Stück eine klare Erdung: Man erkennt die Stadt wieder, ohne dass sie bloß zur Kulisse wird.

Gerade diese Verbindung aus Ort, Atmosphäre und Musik macht den Abend so lebendig und hätte keinen besseren Aufführungsort finden können als Hamburg. Die Szenen wirken nicht wie lose Einzelteile, sondern wie verschiedene Blickwinkel auf denselben Stadtraum.

Harmonie statt Bruch

Am stärksten angetan war ich von der Tatsachen, wie erkennbar harmonisch die Zusammenarbeit der beiden Institute auf der Bühne zu sehen war. Trotz unterschiedlicher Ansätze, Ausbildungswege und künstlerischer Disziplinen entstehen keine harten Kanten oder abrupten Wechsel. Weder musikalisch noch szenisch reißt der Abend nicht auseinander.

Das Stück entwickelt vielmehr einen durchgehenden Fluss. Die Übergänge zwischen den neu komponierten Nummern und den bekannten Musical-Evergreens gelingen so selbstverständlich, dass man nie das Gefühl hat, aus dem Abend herauszufallen. Genau darin liegt eine große Stärke dieser Produktion: Sie will nicht zeigen, wie verschieden die Beteiligten sind, sondern wie gut sie zusammenarbeiten können!

Musik, Szene und Bewegung

Auch auf der Bühne zeigt sich diese Geschlossenheit sehr deutlich. Besonders eindrucksvoll waren die großen Ensemblechoreografien, bei denen Synchronität zunächst fast streng beginnt, sich dann bewusst öffnet und später wieder zu einem gemeinsamen Bild zurückfindet. Dieser Wechsel zwischen Ordnung und Auflösung war nicht nur schön anzusehen, sondern gab den Szenen zusätzlich Inspiration.

Dazu kommt, dass Humor, Drama, Unterhaltung und Energie nicht nebeneinanderstehen, sondern miteinander verbunden werden. Das Stück bleibt leicht genug, um gut zu unterhalten, hat aber gleichzeitig genug Realität und Ausdruck, um mehr zu sein als nur eine Folge schöner Nummern. Es entsteht ein lebendiger Abend, der Rhythmus hat und zugleich inhaltlich zusammenhält und bewegt.

Beeindruckend auch wegen der Beteiligten

Besonders stark macht diesen Abend, dass hier ausschließlich Schüler auf der Bühne stehen und keine Profis. Das merkt man nicht als Schwäche, sondern eher als zusätzliche Qualität. Die Leistung wirkt dadurch nicht kleiner, sondern bemerkenswerter.

Gerade weil so viele unterschiedliche Bereiche zusammenkommen, ist es beeindruckend, mit welcher Sicherheit die jungen Darsteller, Musiker und Kreativen diesen Abend tragen. Man spürt, wie viel Arbeit, Konzentration und Ehrgeiz in dieser Produktion steckt. Dass das alles so rund und so kontrolliert wirkt, ist keine Selbstverständlichkeit.

Ein Projekt mit Zukunft

EIGHT:MINUTES ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie fruchtbar eine Kooperation zwischen zwei Ausbildungsinstituten sein kann, wenn sie ernst genommen und klug gestaltet wird. Das Ergebnis ist nicht nur interessant, sondern auch erstaunlich reif. Vor allem aber zeigt es, dass unterschiedliche künstlerische Wege nicht trennen müssen, sondern ein gemeinsames Ganzes ergeben können.

Genau deshalb wäre es sehr zu wünschen, dass dieses Projekt bald wiederholt und ausgebaut wird. Solche Kooperationen sollten kein Einzelfall bleiben, sondern weiterentwickelt werden. Denn wenn am Ende ein Abend entsteht, der so geschlossen, so lebendig und so überzeugend wirkt wie EIGHT:MINUTES, dann lohnt sich die Fortsetzung ganz eindeutig.

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