„Lange wollte ich Schauspielerin oder Sängerin werden…“
Von Marc Lohse / 10.02.26
STAGE VIBE
Alida Will ist ein Name, den sich Musical-Fans unbedingt merken sollten. Diese bemerkenswerte Musical Darstellerin, die schon mit jungen Jahren an bekannten Produktionen wie „West Side Story“, „Jesus Christ Superstar“ und „Mozart“ mitgewirkt hat, wurde 2024 mit dem Thomas Siedhoff Preis ausgezeichnet, dem weltweit einzigen Nachwuchspreis im Bereich Musical, der herausragendes Talent, Fleiß und Vielseitigkeit würdigt.
Im Februar übernimmt sie die Titelrolle im Chormusical „Judith und das Wunder der Schöpfung„, einer Uraufführung mit einem Mega-Chor von 3000 Sängern und Sängerinnen in der Dortmunder Westfalenhalle. Das passt perfekt zu ihrer Expertise in anspruchsvollen Ensembles und Soloparts. Wir haben da mal nachgefragt und sie gab uns dieses exklusive Interview.
Hallo Alida, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit nehmen konntest. Deine Karriere hat sich schon früh abgezeichnet. Du hattest schon vor der Schulzeit Gesangs-, Tanz- und Schauspielunterricht. Was hat dir daran am besten gefallen?
ALIDA
Also gesungen hatte ich schon lange im Chor und ganz viel für mich im Kinderzimmer, aber mit Gesangsunterricht hab ich dann erst mit 16 angefangen. Mit fünf Jahren hab ich den ersten Tanzunterricht genommen. Das fing mit Kindertanzen an und irgendwann hab ich dann vor allem Standard- und Lateintänze gelernt bis ein paar Jahre vor der ersten Aufnahmeprüfung dann Jazz und Ballett dazukamen.
Alle drei Sparten verbunden hatte ich dann das erste Mal in der dritten Klasse in der „Musical-AG“ meiner Grundschule.
Lange wollte ich Schauspielerin oder Sängerin werden, wobei Gesang immer mein „Steckenpferd“ war. Aber im Musical sind Gesang, Tanz und Schauspiel kaum voneinander zu trennen. Und das ist genau das Schöne an dem Genre, finde ich.
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Du hast dein Musicalstudium mit einem Bachelor und Master abgeschlossen. Was hat dich aus dem Studium am meisten geprägt?
ALIDA
Ich glaube dadurch, dass man sich in diesem Studium wirklich 24/7 mit sich selbst auseinandersetzt (gewollt und manchmal auch ungewollt), entwickelt man sich sehr rasant und viel weiter. Ich habe in meinen vier Jahren an der Theaterakademie viel über mich selbst gelernt, was ich in einem anderen Berufsfeld bestimmt erst später entdeckt hätte, denke ich.
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Du hast schon früh bei großen Musicals wie „Jesus Christ Superstar“ oder „Mozart!“ mitgespielt. Wie hattest du das erlebt? War es für dich schon etwas Besonderes oder einfach nur Teil der Ausbildung?
ALIDA
Das erste Mal an einem Theater zu arbeiten, das nicht direkt Teil der Akademie ist, war schon eine sehr coole und spannende Erfahrung. Sehr besonders ist es auch, dass wir in unserem Studium in München bei jeder Abschlussproduktion mit einer/m anderen/m Regisseur/in zusammenarbeiten dürfen. Somit habe ich schon vor dem Berufseinstieg mit Menschen wie Stefan Huber, Philipp Moschitz und Andreas Gergen gearbeitet und von jedem andere Dinge lernen dürfen.
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Wann und wie kamst du zu „JUDITH und das Wunder der Schöpfung“?
ALIDA
Dass ich die Rolle Judith kreieren und spielen darf, stand irgendwann im Sommer 2025 fest, also nichtmal ein halbes Jahr nach meinem Abschluss in München. Ich hatte davor
Szenen und Songs per Video eingeschickt und wurde dann nochmal zur Präsenzaudition eingeladen um das Team kennenzulernen und natürlich andersrum.
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Ich glaube, as wird deine erste Uraufführung, dein erstes Chormusical mit 3000 weiteren Sänger/innen, und dann spielst du noch vor so vielen Menschen eine Hauptrolle. Wie bereitet man sich auf so viele neue Eindrücke vor? Und scheint das manchmal nicht alles schon etwas irreal?
ALIDA
Meine erste Uraufführung ist es nicht – ich war tatsächlich letztes Jahr schon Teil eines neuen Musicals. Aber es ist mein erstes Musical mit 3000 „Darstellenden“. Das ist schon verrückt!
In diesem Job kann man sich auf so einige Dinge nie perfekt vorbereiten – davon lebt er ja auch irgendwie. Aber für den Anfang hab ich einfach mal versucht, mich viel mit dem Stück – also den Texten und der Musik – zu beschäftigen. Alles andere ergibt sich dann oft in den Proben. Ich schaue auch gerne, was die Kolleg/innen so anbieten und was mit dem Regieteam dann zusammen entsteht. Es geht ja um das Zusammenspiel von allem.
Aber ja: Wirklich greifbar ist die Vorstellung an die Größe des Projekts manchmal nicht.
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Bei einer Figur wie Judith, die zwischen Verzweiflung und Aufbruch pendelt: Haben reale Erlebnisse oder Vorbilder dir geholfen sie authentisch zu spielen?
ALIDA
Ich habe kein konkretes Vorbild im Kopf, habe aber schon manchmal Alltagssituationen in letzter Zeit anders wahrgenommen und nachvollziehen können woher einige Emotionen von Judith kommen.
STAGE VIBE
Welches ist die schwerste Entscheidung die Judith zu treffen hat und wie hat das die Beziehung zu Ammo verändert?
ALIDA
Dazu will ich noch nichts verraten, um dem Publikum nichts vorwegzunehmen. Ich finde aber keine der Entscheidungen, die sie treffen muss, ist eine Leichte. Die sind alle nicht so
einfach mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten.
STAGE VIBE
Das Musical verknüpft persönliche Krisen mit großen Fragen zu Schöpfung, Klima und Zusammenhalt. Welche Ebene berührt dich als Judith und als Alida am tiefsten?
ALIDA
Für Judith ist es, glaube ich, das Zusammenspiel aus allen drei und die daraus resultierende Überforderung. Ich persönlich finde die Gedanken im Stück über das „gemeinsam etwas bewegen können“ am spannendsten.
STAGE VIBE
Das Musical beinhaltet sehr unterschiedliche Musikstile. Gab es einen Track, der sofort klickte, oder einen, der dich besonders gefordert hat? Welcher und warum?
ALIDA
Ich mag tatsächlich, dass jeder Song so seine eigene Note hat und keiner dem anderen gleicht. Ich finde es toll, so unterschiedliche Lieder in einer Show singen zu können.
Am meisten verbinde ich aber mit „Wasser bis zum Hals“, weil das der Song war, den ich dem Kreativteam letztes Jahr live vorgesungen habe. Und ich mag den Drive sehr. Und
„Glauben“ ist einfach ein sehr berührender Song in einem ganz besonderen Moment in der Show. Den singe ich auch wahnsinnig gerne.
STAGE VIBE
Was wünschst du dir, das die Zuschauer nach dem Musical mitnehmen?
ALIDA
Ich hoffe, dass jede und jeder aus dem Stück geht und irgendetwas in ihr oder ihm arbeitet. Egal, ob das konkrete Gedanken an unsere Umwelt sind oder an den Umgang
mit anderen Menschen. Ich würde mich freuen, wenn ein Gemeinschaftsgefühl durch das Stück aufkommt.
STAGE VIBE
Und zum Schluss: Warum sollte man das Musical unbedingt sehen?
ALIDA
Weil das Stück so viele aktuell relevante Themen behandelt, dass jede/r sich in mindestens einem davon wiederfinden kann.
STAGE VIBE
Vielen Dank, Alida, für dieses offene Gespräch und die interessanten Einblicke in das kommende Projekt. Das macht richtig Lust auf die Premiere und die anschließende Tour! Wir sehen uns im Theater.
