Kindersache! Familie Cille rettet das Theater
Rezension: Marc lohse
Hamburg, 14. Februar 2026
Einleitung
Am 14. Februar 2026 sitze ich im Saal des First Stage Theaters in Hamburg-Altona, umgeben von Familien, die gespannt auf die Vorstellung warten. Die Lichter dimmen, und „Kindersache! Familie Cille rettet das Theater“ beginnt – ein frisches Familienmusical, das die Herzen von Jung und Alt berührt.
Hintergrund & Kontext
„Kindersache! Familie Cille rettet das Theater“feierte am 15. Januar 2026 seine Welturaufführung im First Stage Theater in Altona. Dieses neue Familienmusical lieft dort exklusiv in der Spielzeit 2026 und richtete sich an Zuschauer jeden Alters. Die gesamte kreative Arbeit, von der Idee über Buch, Musik und Lieder bis hin zu Regie und Choreografie, stammt aus der Hand von Henriette Grawwert. Sie ist als Musicaldarstellerin und Comedian im First Stage Theater seit langem, unter anderem durch Auftritte in „Dinner for One“, bekannt.
„Kindersache! Familie Cille rettet das Theater“ thematisiert reale Herausforderungen kleiner Theater wie leere Kassen und Konkurrenz durch Streaming-Dienste, verpackt in ein kindgerechtes Abenteuer mit Märchenmotiven.
Handlung
Das traditionsreiche Cille-Theater der Familie steht kurz vor der Schließung: Hohe Mieten, leere Kassen und keine Zuschauer machen Opa Pauls 70. Geburtstagsfeier zur Krise. Seine Enkelkinder Valerie und Luca finden auf dem Dachboden ein altes Märchenbuch mit einer Geschichte von mutigen Mäusen und bekommen die Idee, eine eigene Show zu entwickeln um das Theater neu zu beleben. Die gesamte Familie verwandelt sich in Mäusehelden – vom Mäusekönig bis zur schlauen Mauseschwester – und probt wie verrückt: Kostüme nähen, Plakate malen, Lieder üben. Doch kurz vor der Premiere häufen sich Katastrophen: Stromausfall, Familienstreit, Nervosität. Ob die selbstgebastelte Show das Theater tatsächlich rettet, bleibt bis zum Schluss spannend, aber die Botschaft von Kreativität, Mut und Zusammenhalt kommt klar rüber.
Musik
Die Musik von „Kindersache! Familie Cille rettet das Theater“ besteht aus eingängigen Popsongs, rührenden Balladen und überraschenden Rap-Elementen, die perfekt für Kinder zum Mitsingen geeignet sind. Besonders Ohrwürmer wie „Versöhnungskeks“ oder „Nichts will ich anders, wie damals als Kind“ bleiben im Kopf und unterstreichen dabei die emotionale Reise der Figuren. Die Musik liefert eine klare, dynamische Klangunterlage, die die Texte nie überdeckt und das Tempo der Proben- und Chaos-Szenen treibt. Die Vocals des Ensembles sind vielseitig und frisch in den flotten Nummern, herzlich in den Familienmomenten. Im Vergleich zu vielen Standard-Kindermusicals wirkt die Auswahl an Songs und Cast frischer und weniger formelhaft, mit echten Hooks für alle Altersgruppen.
Darsteller
Fiona Röhrig
überzeugt als Valerie Cille und Tria Mausemut mit einer klaren, ausdrucksstarken Stimme und Bühnenpräsenz, besonders in der Geschwisterdynamik zu ihrem Bruder Luca und den schwungvollen Choreografien.
Felix Mahlke
bringt als Luca Cille und Jojo Mausecool freche Energie und coole Empathie ein, die besonders in den flotten Songs und dem Zusammenspiel mit Valerie deutlich wird.
Babak Malekzadeh
verkörpert Opa Paul Cille und Berretti Mausekönig warmherzig und glaubwürdig. Stimmgewaltig und mit herzergreifender Präsenz ist er das emotionales Zentrum der Geschichte.
Nina Matheis
sorgt als Lisa Cille und Martha Mauseschlau für Lacher durch pointierte Komik und staunen durch ihre große stimmliche Qualität.
Milan Kirchhoff
rundet als Florian Cille und Kossi Mausewitz das Ensemble humorvoll und sympathisch ab. Als Alrounder ist er für dieses Stück unverzichtbar.
Amber Arundel und Hannes Trabert stehen als Covers für alle Rollen bereit und gewährleisten Kontinuität.
Bühne, Licht & Kostüme
Das Bühnenbild nutzt ein flexibles, nachhaltiges Konzept aus dem Bühnenfundus. Der Mäuseboden ist seperiert, aber nicht störend auf der einen Seite platziert, während ein drehbares Wohnzimmer-Element sich blitzschnell zum Theaterbüro verwandelt und für rasche Szenenwechsel sorgt, die die kindliche Aufmerksamkeit halten. Die Kostüme sind bunt und fantasievoll gestaltet: Mäuseohren, Kronen und Stofftexturen machen aus der Familie überzeugende Mäusehelden, ohne die Gesichter durch Masken zu verdecken. Licht und Effekte peppen Action-Szenen wie Proben-Chaos oder Stromausfälle auf und unterstreichen die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen. Die visuelle Sprache bleibt kindgerecht und übersichtlich, aber nie überladen.
Regie & Dramaturgie
Henriette Grawwert inszeniert „Kindersache! Familie Cille rettet das Theater“ mit einem flotten, kindgerechten Tempo, das die Dynamik ohne Langeweile hält. Ihre Regie bindet das Publikum durch Call-and Response-Momente und direkte Ansprache aktiv ein, ohne belehrend zu wirken, und lässt die Proben-Chaos-Szenen lebendig werden. Die kreative Entscheidung, Familienmitglieder zu Mäusehelden zu verwandeln, macht die Fantasie greifbar und verstärkt die Themen Mut und Zusammenhalt durch klare visuelle Charaktere. Der Spannungsbogen baut sich organisch auf: von der Krise über verspielte Entdeckung bis zur Premiere-Nervosität, immer mit Humor als Sicherheitsnetz für jüngere Zuschauer. Grawwerts Erfahrung aus Comedy und Musical sorgt für präzises Timing, das das Ensemble perfekt umsetzt.
Publikum & Atmosphäre
Die Stimmung im First Stage Theater war familiär entspannt: Kinder jubelten bei den Mäuse-Szenen und Gags und Erwachsene nickten bei den Theaterkrise-Momenten mit. Spontane Lacher wechselten sich mit konzentrierter Stille in den emotionalen Passagen ab, typisch für eine gelungenes Familienprodiktion. Der Applaus am Ende dauerte lange und war wohlverdient.
Fazit
„Kindersache! Familie Cille rettet das Theater“ ist ein rundum gelungenes Familienmusical, das mit Herz, Humor und Tempo überzeugt und Live-Theater für diese und nächste Generation liebenswert macht. Besonders die persönliche Handschrift von Henriette Grawwert und das äußerst starke Ensemble heben es auf ein Niveau, das in der Hamburger Theater-Szene heraussticht. Am 14. Februar 2026 bewies das First Stage Theater erneut die Publikumskraft ihrer Produktionen. Ein klarer Geheimtipp für alle, die qualitativ hochwertige Familienunterhaltung schätzen.
