Malle Ole - Das Musical, das ballert
Rezension: Marc Lohse
Hamburg, 30.März 2026
Einleitung
Noch bevor sich der Vorhang hebt, ist die Stimmung im Foyer längst erwartungsvoll angespannt. Das First Stage Theater in Altona füllt sich an diesem Märzabend mit einem angenehm vielfältigem Publikum, das gekommen ist, um loszulassen. Und „Malle Olé – Das Musical, das ballert“ tut alles dafür, dass das gelingt.
Die Produktion der Playa Musical Produktions GmbH feierte ihre Weltpremiere am 08. Januar 2026 in Duisburg und gastiert seit März im Hamburger First Stage Theater. Das Konzept ist denkbar klar: Ein Jukebox-Musical rund um Ballermann-Hits, angereichert mit einer handfesten Liebeskomödie und After-Show-Party im Foyer.
Handlung
Die Geschichte dreht sich um Alex, einen frisch getrennten Installateur, der mit seinen Freunden Peter und Jonas den Liebeskummer auf Mallorca ertränken will. Was als Partyurlaub beginnt, kippt schnell: Ex-Freundin Laura kreuzt den Weg, und Yacht-Millionär Viktor bedroht obendrein das Kultlokal der Gruppe mit seinen Luxusplänen. Das klingt nach Klischee und ist es auch. Bewusst und konsequent! Darum geht es aber nicht…
Es geht darum, dass „Schatzi, schenk mir ein Foto“, „Layla“, „Mama Laudaaa“ und „Blau wie das Meer“ in neu arrangierten Fassungen live gespielt werden, laut und mit spürbarem Druck, und dass das Publikum spätestens nach der zweiten Nummer mitsingen muss, ob es will oder nicht!
Cast
Alex (Peter Knauder): Peter Knauder verkörpert den liebenswerten Chaoten Alex mit einer Wärme und Authentizität, die den Zuschauer sofort für ihn einnimmt. Seine Stimmqualität, nuanciert und mit einem emotionalen Timbre, trägt die melancholischen Momente schön voran, während er in den Up-Tempo-Nummern eine Dynamik entfaltet, die im Saal voll ankommt. Beeindruckend ist auch seine Bühnenpräsenz: Knauder bewegt sich mit natürlicher Lässigkeit durch die Choreografien und schafft eine Chemie mit seinen Kumpels, die wie echte Freundschaft wirkt. Höhepunkte wie seine Konfrontationen mit der Ex-Freundin machen Alex zum relatable Helden.
Laura (Lisa Kimberly Schöppl): Lisa Kimberly Schöppl bringt als Laura eine frische, strahlende Weiblichkeit auf die Bühne, die die gesamte Dynamik belebt. Ihre Stimme umfasst ein breites Spektrum, dass vor allem in den Mädels-Nummern des Ensembles zum Ausdruck kommt und pure Freude verströmen. Schöppl überzeugt durch ihren expressiven Ausdruck. Jede Bewegung transportiert Enttäuschung, Ärger und innere Stärke mit einer Natürlichkeit, die immer charmant wirkt. Sie bleibt tänzerisch agil und immer im Mittelpunkt. Sie hinterlässt eine emotionale Wirkung, die lange nachhallt: Laura als starke Frau, die das Publikum feiert.
Viktor (Stefan Reil): Stefan Reil dominiert als Yacht-Millionär Viktor mit einer imposanten Präsenz, die den perfekten Antagonisten schafft: arrogant, doch mit einem Augenzwinkern, das Sympathie weckt. Seine resonante Stimme trägt die dramatischen Soli mit autoritärer Kraft, während er in den Konflikt-Szenen eine Intensität entfaltet, die überzeugt. Reils Ausdruckskraft ist meisterhaft: Er balanciert Überheblichkeit und verletzliche Momente mit subtiler Tiefe, seine Bewegungen strahlen Luxus und Bedrohlichkeit aus. Die Chemie zu Alex und der Clique prickelt vor bissigem Humor und macht Viktor zum Publikumsliebling trotz Boshaftigkeit.
Peter (Anthony Curtis Kirby): Anthony Curtis Kirby als ewiger Womanizer Peter ist ein absoluter Party-Starter. Er befeuert die mitreißenden Hooks, die zum Mitsingen einladen, mit seinen mitreißenden Hip-Hop-Einlagen. Sein Ausdruck fängt pure Lebenslust ein, kombiniert mit tänzerischer Präzision. Auf der Bühne wirkt er wie ein Magnet, interagiert spielerisch mit dem Ensemble und Publikum und schafft eine Chemie Kumpel-Dynamik auf ein neues Level hebt.
Jonas (Till Jochheim): Till Jochheim bringt als naiver Ukulele-Träumer Jonas eine erfrischende Unbeschwertheit, die das Ensemble bereichert. Seine authentische Art verzaubert in den Coming-of-Age-Momenten und passt perfekt zu den Ballermann-Hits, die er mit entwaffnender Ehrlichkeit interpretiert. Jochheims Ausdruck ist Gold wert: Nervosität und Aufschwung werden mit charmanten Grimassen und spontanen Gesten lebendig, seine Bühnenpräsenz wächst von schüchtern zu triumphierend. Die Chemie zur Männerrunde ist herzerwärmend, emotional hochinfektiös. Jonas wird zum Publikumsliebling, der durchweg für Lacher und Rührung sorgt.
Michelle (Jessica Kessler): Jessica Kessler dominiert als Michelle mit gewohnt beeindruckender Stimme, die jede Konkurrenz wegfegt: kraftvoll, vielseitig und mit einem Feuer, das die Party-Nummern entfacht. Ihr Ausdruck versprüht pure Energie.
Ensemble
Getragen wird das alles aber auch von einem ausgezeichneten Ensemble, rund um Nathalie Schöning und Lina Sbaita und Amelie Rachbauer, das zu keiner Zeit einen Gang zurückschaltet. Ganz gleich ob in den schwungvollen Choreographien, mit teils akrobatischen Einlagen, oder in den Momenten, wo es einfach nur auf Spielfreude und Interaktion mit den Publikum ankommt.
Das Ensemble bleibt der Motor, der die Show ununterbrochen am Laufen hält und das Publikum nicht zur Ruhe kommen lässt. Man spürt, dass hier mit echter Begeisterung gearbeitet wird!
Bühnenbild
Was die Augen beschäftigt, während die Ohren beschallt werden, ist ebenfalls beeindruckend durchdacht: LED-Projektionen wechseln gefühlt in Sekunden zwischen den Szenerien. Die Kostüme wie Shorts, Flip-Flops, bunte Sommeroutfits und einige schrillere Teile für die entsprechenden Szenen, tun das Ihre, um die richtige Atmosphäre von der ersten Minute an zu schaffen.
Fazit
Es wäre unehrlich, so zu tun, als wäre „Malle Olé“ ein Musical für alle. Die Story bleibt dünn, die Klischees werden nicht gebrochen sondern gefeiert!
Der Anspruch ist, 150 Minuten lang eine Partynacht auf Mallorca auf die Bühne zu bringen und den löst die Show mit bemerkenswerter Konsequenz und zu 100 Prozent ein.
