Carousel

EINLEITUNG

Ein tragisches Meisterwerk von Rodgers & Hammerstein. Das Musical Carousel gilt als eines der ambitioniertesten Werke von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II und revolutionierte das Genre durch seine dunkle Thematik und psychologische Tiefe. Basierend auf Ferenc Molnárs Stück Liliom erzählt es von Billy Bigelow, einem gescheiterten Karussellausrufer, der nach seinem Tod eine zweite Chance erhält. Es verbindet herausragende Musik mit Themen wie Erlösung, Liebe und menschlicher Schwäche und beeinflusste Musicals nachhaltig.

ZUSAMMENFASSUNG

In Neuengland von 1873 verliebt sich der impulsige Karussellausrufer Billy Bigelow in die schüchterne Fabrikarbeiterin Julie Jordan. Trotz Widerständen heiraten sie, verlieren aber ihre Jobs. Als Julie schwanger wird, plant Billy mit dem zwielichtigen Jigger einen Raub, der scheitert – Billy tötet sich selbst, um der Haft zu entgehen. Fünfzehn Jahre später, im Jenseits, erhält er 24 Stunden auf Erden, um seine Tochter Louise zu sehen. Parallel folgt die Geschichte von Julies Freundin Carrie und ihrem Verlobten Enoch Snow, deren Leben harmonischer verläuft. Billy scheitert zunächst, doch seine ehrliche Geste – ein Klaps auf die Schulter – verändert Louise‘ Zukunft. Carousel endet optimistisch mit der Botschaft der Erlösung durch Liebe und Vergebung, untermalt von Hits wie „You’ll Never Walk Alone“.

HANDLUNG

! SPOILER-ALARM !

Die Handlung beginnt im Mai 1873 in einem kleinen Küstenort Neuenglands. Ein beschwingter Karussellwalzer begleitet das bunte Treiben auf dem Jahrmarkt. Der selbstbewusste Ausrufer Billy Bigelow macht der jungen Julie Jordan den Hof, die mit ihrer Freundin Carrie Pipperidge unterwegs ist. Als die strenge Karussellbesitzerin Mrs. Mullin die beiden Frauen vertreiben will, stellt sich Billy auf Julies Seite – und verliert daraufhin seinen Job.

Julie und Carrie sprechen über ihre Vorstellungen von Liebe. Während Carrie voller Zuversicht von ihrer Zukunft mit Mr. Snow träumt, ringt Julie mit ihren Gefühlen für Billy. Trotz aller Unsicherheiten heiraten Julie und Billy heimlich. Die Verbindung stößt jedoch auf Ablehnung: Julies Verwandte Nettie Fowler und der Fabrikbesitzer Mr. Bascombe halten die Ehe für unangebracht, sodass Julie ihre Arbeit verliert.

Billy findet keine neue Anstellung und gerät zunehmend in Verzweiflung. Carrie hingegen heiratet Enoch Snow, der voller Optimismus von einem erfolgreichen Leben träumt. Der Sommer bringt zunächst Lebensfreude und Hoffnung, doch Julie ist schwanger und sorgt sich um die Zukunft. Nettie versucht, ihr Mut zu machen.

In seiner Not lässt sich Billy von dem Matrosen Jigger Craigin zu einem Raubüberfall überreden. Der Plan misslingt: Das Opfer wehrt sich, Jigger flieht, und Billy sieht keinen Ausweg mehr. Schwer verletzt stirbt er und lässt Julie allein zurück.

Nach seinem Tod gelangt Billy ins Jenseits, wo er von einem Sternwächter empfangen und über sein weiteres Schicksal aufgeklärt wird.

Zweiter Akt

Fünfzehn Jahre später hat sich das Leben weiterentwickelt. Carrie und Enoch Snow feiern stolz ihre wachsende Familie. Julies Tochter Louise ist inzwischen 15 Jahre alt, fühlt sich ausgegrenzt und leidet darunter, keinen Vater zu haben. Ihre Wut und Einsamkeit lassen sie unruhig und verschlossen wirken.

Billy verbringt seine Zeit im Himmel mit einfachen Aufgaben und empfindet sein Dasein als leer. Schließlich erhält er die Chance, für einen Tag zur Erde zurückzukehren, um seiner Familie etwas Gutes zu tun. Doch die Begegnung mit Julie verläuft kühl – die alten Wunden sind nicht verheilt.

Als Billy versucht, Kontakt zu Louise aufzunehmen, erkennt sie ihn nicht. In einem unbeholfenen Moment berührt er sie, was sie zunächst erschreckt, ihr aber gleichzeitig Trost spendet. Unbewusst spürt Louise erstmals die Nähe ihres Vaters.

Auf dem Dorffest erkennt Billy, welchen Schmerz sein Verhalten verursacht hat. Durch Julies Vergebung findet er Frieden. Louise fühlt sich gestärkt und nicht mehr allein. Erfüllt kehrt Billy ins Jenseits zurück, während die Gemeinschaft am Ende Hoffnung, Zusammenhalt und Zuversicht besingt.

HISTORISCHER, THEMATISCHER UND KULTURELLER KONTEXT

Carousel entstand 1945, zwei Jahre nach Oklahoma!, als Rodgers & Hammerstein das Musical vertieften: Erster mit Mord, Tod und Jenseits, psychologisch komplex. Inspiriert von Molnárs Liliom. Nachkriegsamerika sehnte sich nach Erlösung; das Stück thematisiert gescheiterte Männlichkeit, häusliche Gewalt, Armut, doch mit christlicher Hoffnung („You’ll Never Walk Alone“ als Hymne). Kulturell: Neuengland-Fischertradition, Walzer ehrt Karussells. Ballet „Bench Scene“ – Tanz gilt als als Handlungsträger. Time Magazine kürte es 1999 bestes Musical des Jahrhunderts. Fußballhymne in Liverpool seit 1963.

PREMIEREN

Broadway-Premiere 19. April 1945 im Majestic Theatre: 890 Aufführungen. London 1951 im Drury Lane. Film 1956 mit Gordon MacRae und Shirley Jones. Revivals: 1994 Broadway (Tony-Gewinner), 2018 Lincoln Center.

KREATIV-TEAM

Richard Rodgers komponierte die Musik, Oscar Hammerstein II schrieb Buch und Lyrics. Basierend auf Molnárs Liliom (1909), verlegt nach Neuengland 1873 mit optimistischem Ende. Inszenierung: Rouben Mamoulian, Choreografie: Agnes de Mille (berühmt für „Bench Scene“-Ballet). Bühnenbild: Jo Mielziner. 

DARSTELLER

Original-Broadway 1945: John Raitt als Billy Bigelow, Jan Clayton als Julie Jordan, Christine Johnson als Nettie Fowler, Jean Darling als Carrie Pipperidge, Murvyn Vye als Jigger, Bambi Linn und Peter Birch als Tänzer. Iva Kitchell tanzte Louise im Ballet.

Bekannte spätere Darsteller Film 1956: Gordon MacRae (Billy), Shirley Jones (Julie). Broadway-Revival 1994: Michael Hayden (Billy, Olivier-Nominierung), Joanna Riding (Julie), Audra McDonald (Carrie, Tony). West End 1993: Michael Hayden, Janie Dee (Tony/Drama Desk). 2018 Broadway: Joshua Henry (Billy, Tony-Nominierung), Jessie Mueller (Julie, Drama Desk), Renée Fleming (Nettie), Lindsay Mendez (Carrie, Tony). London 2023: Henry Goodman als Jigger. Weitere: Hugh Jackman (2002 Carnegie Hall), Barbara Cook.

CHARAKTERE

Siehe oben

MUSIK

„The Carousel Waltz“: Instrumentaler Eröffnungswalzer, setzt Karussell-Stimmung. 

„If I Loved You“: Billy und Julies Duett, innige, zögerliche Liebe. 

„June Is Bustin‘ Out All Over“: Frühlingshymne, Gemeindefest.

„Mister Snow“: Carrie über ihren Enoch.

„When the Children Are Asleep“: Snows Familienvision.

„You’ll Never Walk Alone“: Netties Trost, ultimative Hoffnungshymne.T

„he Highest Judge of All“: Billys Jenseits-Monolog.

„Blow High, Blow Low“: Jiggers Seemannslied.

BÜHNENBILD, KOSTÜME, EFFEKTE

Einfach gehalten wie es für diese Zeit üblich war.

AUSZEICHNUNGEN

1945 Donaldson Awards: Best Musical, John Raitt (Male Lead), Rouben Mamoulian (Direction), Agnes de Mille (Choreografie), Bambi Linn/Peter Birch (Dance). 1946 New York Drama Critics‘ Circle: Best Musical. 1994 Tony: Best Revival, Audra McDonald (Featured Actress), Nicholas Hytner (Direction), Kenneth MacMillan (Choreografie), Bob Crowley (Scenic Design). Drama Desk: Revival, McDonald, Hytner. Olivier 1993: Best Revival, Joanna Riding (Actress), Janie Dee (Supporting). 2018 Tony-Nominierungen: Revival, Joshua Henry, Jessie Mueller, Renée Fleming, Lindsay Mendez (Gewinn), Justin Peck (Choreografie).

PRESSE- UND ZUSCHAUERSTIMMEN

Keine Landesweiten oder internationale Kommentare.

TRIVIA / FUN FACTS

Rodgers nannte Carousel sein Liebstes: „Mehr als jedes andere“. 

„You’ll Never Walk Alone“: Liverpool-Hymne seit Gerry & Pacemakers 1963, gesungen bei Proms/Obama.

Ballet „Bench Scene“: 20 Minuten, erster erweiterter Tanz in Musical.

Molnár half bei Adaption.

Film 1956 zensierte Klaps-Szene.

890 Vorstellungen Broadway.

Times: Bestes 20. Jh.-Musical.

Renée Fleming sang bei Obama-Einführung.