Mrs. Doubtfire Das Musical

Rezension von: Marc Lohse

Düsseldorf, 21. November 2025

Einleitung

Am 21. November 2025 erlebte das Publikum im Düsseldorfer Capitol Theater eine Aufführung des Musicals Mrs. Doubtfire, das auf dem gleichnamigen Kultfilm basiert. Die deutschsprachige Produktion erzählt auf humorvolle und bewegende Weise die Geschichte eines liebevollen Vaters, der sich als ältere Dame verkleidet, um seinen Kindern nahe sein zu können.

Die Erwartungen an das Stück waren hoch, denn die Inszenierung verspricht eine mitreißende Mischung aus komödiantischem Talent, emotionaler Tiefe und musikalischer Vielfalt. Das gut besetzte Theater bot einen stimmungsvollen Rahmen für eine Aufführung, die sowohl Musical-Fans als auch Familien und Kulturfreunde zu begeistern wusste.

Handlung

Die Handlung von Mrs. Doubtfire folgt der bewährten Geschichte des Films und erzählt von Daniel Hillard, einem liebenswerten Chaoten, der nach der Trennung von seiner Frau Miranda verzweifelt versucht, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Um dies zu ermöglichen, verkleidet er sich als ältere Haushälterin Mrs. Doubtfire und wird so Teil des familiären Alltags.Dramaturgisch ist das Stück geschickt aufgebaut: Die Eröffnung führt den Zuschauer in Daniels Welt ein, präsentiert seine tragische Trennung und seine ersten Versuche, die Beziehung zu seinen Kindern zu retten. Im Laufe der Zeit entfaltet sich ein spannungsreicher Balanceakt zwischen Komik und Emotionalität, der die inneren Konflikte der Figuren beleuchtet. Die Verwandlung in Mrs. Doubtfire dient als Schlüssel zu zahlreichen humorvollen aber auch tiefgründigen Momenten. Das Finale fasst die zuvor aufgebauten Spannungen in einer versöhnlichen Wendung zusammen, die sowohl Hoffnung als auch familiären Zusammenhalt betont.

Regisseur Jerry Zaks setzt auf einen klaren Erzählfluss mit rhythmischer Dynamik, die zeitweise von äußeren Konflikten und familiären Dramen getragen wird, aber immer wieder in humorvolle Szenen mündet, um die Zuschauer emotional mitzunehmen und dabei zu unterhalten. Der dramaturgische Aufbau unterstützt so die Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefgang, die das Stück auszeichnet. Die Szenenwechsel sind geschickt gestaltet, auch durch ein flexibles Bühnenbild, das rasche Ortswechsel ermöglicht und den Erzählrhythmus stützt.

Hauptdarsteller und Rolleninterpretation

Im Mittelpunkt der Aufführung steht Thomas Hohler, der die komplexe Doppelrolle des Daniel Hillard und seiner Verkleidung als Mrs. Doubtfire mit großer Spielfreude und beeindruckender Vielseitigkeit meistert. Hohlers Darstellung überzeugt durch einen feinen Balanceakt zwischen Humor und berührender Emotionalität. Seine Fähigkeit, schnell und überzeugend zwischen den verschiedenen Facetten seiner Figur zu wechseln, bringt das Publikum immer wieder zum Lachen, berührt aber auch in den sensibleren Momenten. Besonders gelungen sind die Szenen, in denen er als Mrs. Doubtfire agiert und die stimmliche Vielseitigkeit, mit der er das Publikum in seinen Bann zieht.

Jessica Kessler zeigt als Miranda Hillard eine starke und differenzierte Interpretation. Ihre vokale Präsenz verleiht der Figur eine klare, durchaus gefestigte, aber auch verletzliche Seite. Jessica Kessler gelingt es, die inneren Konflikte einer Mutter, die zwischen Liebe und Rationalität hin- und hergerissen ist, glaubwürdig darzustellen. Ihre Gesangseinlagen sind hervorragend und emotional einfühlsam.

Alina Simon als Lydia, die rebellische Teenager-Tochter, brachte durch eine stimmlich starke und dramatisch nuancierte Performance die Unsicherheiten und Sehnsüchte Jugendlicher eindrucksvoll auf die Bühne. Ein besonders starker Moment entstand in einem emotionalen Duett mit Hohler, in dem die zerrüttete Vater-Tochter-Beziehung offenbart wird. Die humorvollen Momente, in denen Lydia Mrs. Doubtfire misstraut, lockerten die Stimmung angenehm auf und zeigten die Vielseitigkeit Simons.

Nikolas Tenerani als Frank Hillard und Malick Afocozi als André Mayem ergänzten das Ensemble mit lebendigen, humorvollen Akzenten. Tenerani bestach durch sein (nicht immer) zurückhaltendes, aber stets präzises Spiel in der Rolle des Bruders, während Afocozi als dynamischer Freund des Hauses Lockerheit und Schwung brachte. Szenen wie Franks helfende Hand bei Daniels Verwandlung oder Andrés launige Kommentare sorgten für heitere Zwischentöne und Balance im Stück.

Tamara Wörner als Wanda Sellner setzte mit ihrem scharfzüngigen, lebendigen Spiel wichtige Akzente. Ihre kurzen, aber prägnanten Auftritte gaben dem Stück zusätzliche Würze und Dynamik.

Lisa Wissert bei ihrer Premiere als Flamenco-Tänzerin

Highlight des Abends:

Lisa Wissert feierte ihre Premiere als Flamenco-Sängerin und begeisterte mit ausdrucksstarker, temperamentvoller Performance das Publikum durchweg. Ihre charismatische Ausstrahlung und ihr präzises Timing,  ergänzt durch ihre gesangliche Qualität,  verliehen der Show eine zusätzliche emotionale Dimension und Intensität. Diese Kombination aus Ausdruckskraft und Gesang in den entsprechenden Szenen, war eine wertvolle Bereicherung der Gesamtinszenierung.

Das Ensemble des Musicals zeigte eine mitreißende Spielfreude und Professionalität, die das Stück lebendig und abwechslungsreich gestaltete. Die Ensemblemitglieder beeindruckten in ihrer Gesamtheit durch ihre Flexibilität und Vielseitigkeit. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der Ensemblemitglieder, unter anderem von Marlen Praxmarer und Tiziana Turano, die sowohl die komödiantischen als auch die emotionalen Momente des Musicals wirkungsvoll unterstützen ohne die Hauptdarsteller aus den Vordergrund zu drängen. Diese kollektive Leistung des Ensembles bildet das solide Fundament, auf dem das Musical aufbaut, und macht einen wesentlichen Teil des Erfolgs aus.

 

Musik und Gesang

Die musikalische Umsetzung von Mrs. Doubtfire imponiert durch ihre Vielseitigkeit und emotionale Bandbreite. Die Songs, die komplett in deutscher Sprache präsentiert werden, schaffen es, die Stimmungen und Charakterzüge der Figuren eindrucksvoll zu transportieren. Von mitreißenden Popsongs über humorvolle Nummern bis hin zu gefühlvollen Balladen. Das musikalische Spektrum ist abwechslungsreich und bereichert die Inszenierung maßgeblich.

Das Orchester unter der Leitung von Joe Schmitz lieferte eine lebendige Begleitung, die das Geschehen auf der Bühne perfekt untermalte. Die Darsteller überzeugten mit starken und stimmlich sicheren Gesangsleistungen, die große Emotionalität zeigten. Diese musikalische Gestaltung garantierte, dass das Musical neben seiner komödiantischen Leichtigkeit auch emotional berührte und die Schicksale der Figuren nachvollziehbar machte. Die eingängigen Melodien bleiben im Ohr und laden zum Mitsummen ein, während die vokalen Höhepunkte das Publikum immer wieder begeisterten.

Bühnenbild und Inszenierung

Das Bühnenbild von David Korins überzeugt durch seine klare, funktionale und zugleich detailverliebte Gestaltung. Mit wenigen, geschickt eingesetzten Elementen gelingt es, verschiedene Schauplätze wie Mirandas Haus, Daniels Wohnung, den Gerichtssaal oder ein Restaurant lebendig und stimmig darzustellen. Diese Wandelbarkeit unterstützt den erzählerischen Fluss optimal und hält dabei die Aufmerksamkeit des Publikums konstant hoch.

Das Lichtdesign von Philip S. Rosenberg trägt sehr zur Atmosphäre bei, indem es die einzelnen Szenen mit passenden Stimmungen untermalt und dramaturgisch klug Akzente setzt.

Diese Kombination aus Bühnenbild und Licht schafft es, trotz eher zurückhaltender Ausstattung eine große Wirkung zu entfalten.

Regisseur Jerry Zaks sorgt mit seinem Inszenierungsstil für ein temporeiches, humorvolles und zugleich emotional mitreißendes Musicalerlebnis.

Die choreografischen Elemente von Lorin Latarro, welche von klassischem Stepptanz bis zu stimmungsreichen Höhepunkten reichen, sind perfekt auf die Inszenierung abgestimmt und bringen zusätzliche Lebendigkeit auf die Bühne.

Insgesamt ist die Inszenierung eine gelungene Balance zwischen visueller Klarheit, stilistischer Vielfalt und amüsanter Erzählung, die das Publikum fesselt und die Geschichte von Mrs. Doubtfire auf beeindruckende Weise erzählt.

Kritik

Schwächen:

Kaum erwähnenswerte. Einige Gags mögen für langjährige Fans des Films vertraut erscheinen, doch die frische Bühnenadaption gleicht dies durch neue Facetten und hohe Eigenständigkeit mehr als aus.

Alleinstellungsmerkmale:

Die Düsseldorfer Produktion setzt besonders auf authentische Charakterzeichnung und ein starkes Ensemble. Verglichen mit internationalen Versionen wirkt die Aufführung dynamischer und emotional greifbarer. Für Kenner wie Einsteiger gleichermaßen attraktiv, ist dieses Musical ein Paradebeispiel moderner, humorvoller und bewegender Bühnenkunst.

Publikum und Rezeption

Das Publikum nahm das Musical mit großer Begeisterung auf. Die Mischung aus humorvollen Szenen, mitreißender Musik und emotionalen Momenten sorgte für eine lebhafte und herzliche Atmosphäre im Theater. Zu den Szenen, die besonders gut ankamen, gehörten sowohl die komödiantischen Höhepunkte als auch die berührenden Passagen, die das Publikum tief emotional erreichten. Nicht nur Musicalfans, sondern auch Familien und Menschen jeden Alters konnten sich mit den Figuren und deren Geschichten gut identifizieren. Die eingängigen Melodien und die energievolle Bühnenpräsenz der Darsteller führten zu spontaner Beteiligung und viel Applaus. Die Zuschauer hoben die hohe Qualität der Produktion hervor, insbesondere die Leistungen der Hauptdarsteller sowie die Lebendigkeit und Präzision des Ensembles. Das Musical erzeugte nicht nur Lachen, sondern auch berührte Momente, die beim Publikum zum Nachdenken anregten und für ein unvergessliches Erlebnis sorgten. Kurzum: Die Rezeption war durchweg positiv, das Musical überzeugte als unterhaltsames und zugleich einfühlsames Theatererlebnis mit großem Herz.

Zugabe beim Musical Mrs. Doubtfire.

Fazit und Empfehlung

Mrs. Doubtfire – Das Musical ist eine mitreißende, humorvolle und zugleich bewegende Bühnenadaption, die es schafft, den Geist des Kultfilms erfolgreich auf die Musicalbühne zu übertragen und darüber hinaus neue Dimensionen zu erschließen. Die dynamische Inszenierung verbindet temporeiche Choreografien mit tiefgehenden Momenten und einer überzeugenden musikalischen Gestaltung.

Besonders hervorzuheben sind die herausragenden Hauptdarsteller, die mit großer Vielseitigkeit und Engagement den komplexen Figuren Leben einhauchen. Das Ensemble unterstützt sie dabei mit Spielfreude und hoher Professionalität, was der Produktion eine unverwechselbare Lebendigkeit verleiht.

Bühnenbild und Lichtdesign schaffen atmosphärische Räume, die den Fluss der Handlung wirkungsvoll unterstützen, ohne zu überladen. Der Produktion gelingt es, das Publikum sowohl zum Lachen zu bringen als auch emotional zu berühren, was das Musical zu einem echten Feel-Good-Erlebnis macht.

Für Musicalfans und Familien gleichermaßen ist Mrs. Doubtfire eine absolute Empfehlung! Ein Stück, das mit Herz, Humor und großem Können begeistert und lange in Erinnerung bleibt.