Pinocchios Abenteuer
Rezension: Marc Lohse
Hamburg, 09. November 2025
Mit „Pinocchios Abenteuer“ entführt das Allee Theater Hamburg Familien ab 6 Jahren in die zeitlose Geschichte von Carlo Collodi, frisch bearbeitet von Marius Adam. Musik, Humor und Abenteuerlust verschmelzen zu einem unterhaltsamen Theatererlebnis, das Kinder wie Erwachsene gleichermaßen fesselt.
Handlung & Dramaturgie
Die Geschichte des lebendig gewordenen Holzjungen Pinocchio wird auf der Bühne lebendig erzählt: Geppetto schnitzt eine Puppe, die plötzlich zum Leben erwacht, und stürzt in ein spannendes Abenteuer voller Neugier, Ungehorsam, Versuchungen und persönlicher Entwicklung.
Die Dramaturgie folgt dem klassischen Entwicklungsbogen: Pinocchio entfernt sich vom Rat der Grille, lernt Konsequenzen kennen und entwickelt schließlich Verantwortung. Mit einer Gesamtdauer von etwa 1 Stunde 30 Minuten inklusive Pause bleibt das Stück kompakt genug, um die Aufmerksamkeit der jungen Zuschauer zu halten, und bietet dennoch genügend Raum für Charakterentwicklung und musikalische Momente.
Die klaren Kontraste zwischen Geppettos heimeliger Werkstatt und der weiten, aufregenden Außenwelt werden visuell überzeugend umgesetzt. Die Figuren sind bewusst einfach gestaltet, doch aussagekräftig genug, damit auch Erwachsene die zugrunde liegenden Themen erkennen und nachvollziehen können.
Schauspielerische Leistung & Figuren
David Gerbaulet bringt Pinocchio lebendig auf die Bühne. Mit Beweglichkeit, Ausdruckskraft und kindlicher Energie vermittelt er die Neugier und Unruhe der Holzpuppe und zeigt glaubwürdig die Entwicklung hin zu Verantwortung und Selbstbewusstsein.
Henry Klein verkörpert Geppetto, den liebevollen Schnitzer. Mit Wärme, Ruhe und väterlicher Ausstrahlung schafft er eine glaubwürdige Bezugsperson, deren Fürsorge und Interaktion mit Pinocchio berührend wirkt.
Sandra Kiefer spielt die Doppelrolle Grille/Räuber. Als Grille fungiert sie als moralischer Kompass für Pinocchio und bindet das Publikum charmant ein, während sie als Räuber Abenteuerlust und Spannung auf die Bühne bringt.
Sabine Barthelmess übernimmt die Blaue Fee und Colombina. Die Blaue Fee verströmt sanfte Magie und Fürsorge, während Colombina humorvolle Leichtigkeit ins Stück bringt und das Ensemble bereichert.
René Hirschmann spielt Fuchs und Räuber. Mit klar unterscheidbaren Charakteren verkörpert er Versuchung und Hinterlist, sodass die moralische Dimension der Geschichte deutlich wird.
Philipp Alexej Voigtländer bringt Lampwick und Harlekin auf die Bühne. Lampwick steht für Übermut und unbedachte Entscheidungen, während Harlekin mit komischen Einlagen und Akrobatik für Schwung und Dynamik sorgt.
Das Ensemble arbeitet harmonisch zusammen. Jede Figur ist klar gezeichnet, ihre Gestik, Mimik und Ausdruckskraft machen die Charaktere sowohl für Kinder als auch Erwachsene emotional greifbar und leicht verständlich.
Musik & Klang
Unter der Leitung von Makiko Eguchi wird Musik zum unverzichtbaren Teil der Inszenierung. Live gespielte Klavierpassagen verstärken Emotionen, rhythmisieren die Handlung und ziehen die Kinder aktiv ins Geschehen. Die Stücke sind eingängig und kindgerecht, die Akustik im Theater ausgewogen. Für Erwachsene bietet die Musik wenig Überraschungen, für die jungen Zuschauer ist sie aber äußerst wirkungsvoll und unterhaltsam.
Bühnenbild & Kostüme
Kathrin Kegler (Bühne) und Marie-Theres Cramer (Kostüme) schaffen eine visuelle Welt, die sofort begeistert. Die Werkstatt strahlt Geborgenheit aus, Außenszenen leuchten in kräftigen Farben. Kostüme unterstützen die Figurencharaktere, sind kindgerecht gestaltet und helfen, Handlung und Emotionen klar zu transportieren. Szenenwechsel sind geschickt ins Stück integriert und kurzweilig umgesetzt.
Regie & Inszenierung
Regisseur Marius Adam hat die Inszenierung klar auf Familien ausgerichtet. Humor, Spannung und emotionale Momente sind ausgewogen verteilt. Die Interaktion mit dem Publikum ist dezent, dramaturgische Struktur und Pausen tragen zur klaren Handlung bei und halten die Aufmerksamkeit der Kinder hoch.
Wirkung & Zielgruppenansprache
Das Stück spricht Familien mit Kindern ab 6 Jahren direkt an. Das Publikum reagiert lebhaft, klatscht und lacht, während Erwachsene die Qualität der Inszenierung ebenfalls genießen können. Das Allee Theater als Spielstätte ist gut erreichbar, kindgerecht und auf Kinderstücke spezialisiert. Ein idealer Rahmen für ein gelungenes Theatererlebnis!
Fazit
Pinocchios Abenteuer ist ein rundum gelungenes Familienstück: dramaturgisch stimmig, musikalisch lebendig, visuell ansprechend und altersgerecht inszeniert. Die klassische Geschichte wird modern adaptiert, ohne ihre Kernbotschaften zu verlieren. Ehrlichkeit, Mut und Verantwortung bleiben spürbar, Musik und Szene unterstreichen sie auf überzeugende Weise.
